Interview mit dem Komikertrio Eure Mütter „Rosmarin ist ein total unterschätztes Gewürz“

Eure Mütter sind ein Stuttgarter Komikertrio.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews. 

 

Die Frage „Warum heißt ihr EURE MÜTTER?“ wird ja sicher IMMER gestellt, ich stelle sie mal nicht, das kann man ja auf Eurer Homepage nachlesen. Aber nerven manche immer wiederkehrenden Fragen nicht irgendwann?

Es kommt oft weniger auf die Frage an, als auf den Moment, in dem sie gestellt wird. Wenn du zum Beispiel nach einem sehr schönen Auftritt in einer ausverkauften 1000er Halle voller Selbstbewusstsein ein Gespräch mit einem Gast anfängst und gleich mal gefragt wirst, was du „im wirklichen Leben“ so arbeitest, dann ist das nicht so toll. Da möchte man am liebsten antworten: „Ich bin Berufskiller.“ Fragen, die uns zu keinem Zeitpunkt schmecken, sind: „Wollt ihr vor dem Auftritt Fisch statt Fleisch essen?“, „Ist das euer Auto, das gerade brennt?“ und „Wenn Sie schon nicht direkt mit mir reden wollen, dann werfe ich Ihnen den Wachturm in den Briefkasten, okay?“

 

Don, ich finde Du hast unglaublich viel Ähnlichkeit mit Kevin James, äußerlich ein wenig und viel von der Körpersprache, von den Bewegungen. Ich nehme an Du kennst seine Rolle: Würden Dir noch mehr Gemeinsamkeiten einfallen oder könnte es das schon gewesen sein?

Du meinst den Typen aus „King of Queens“? Hm, da muss ich mal überlegen. Also, eine Gemeinsamkeit, die mir immer wieder auffällt, ist der Geschmack bezüglich der Frauen. Seine Filmpartnerin ist hammerscharf. Ich habe sogar schon mal versucht, mich bei den Dreharbeiten rein zu schmuggeln, um an sie heranzukommen. Ich bin aber gleich an der Studiopforte aufgeflogen, weil ich leider nicht so fett bin wie Herr James.

 

Auf Eurer Webseite steht, dass Ihr auch „zu mir“ nach Hause kommen würdet für ein Konzert, es muss aber „einen unglaublich guten Grund geben. Oder unglaublich viel Geld“: Spaß beiseite, es gibt ja Künstler die spielen für einen Tausender in jedem Wohnzimmer und halten sich so über Wasser, wie etwa Gunter Gabriel, was haltet Ihr von einer solchen Karriere, wäre das was für euch?

Anstreben wollen wir so etwas nicht, aber auch für uns gilt in verschiedenen Bereichen des Lebens: Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Man kann sich natürlich nicht aussuchen, wann man welchen Erfolg hat und deswegen haben wir vollstes Verständnis dafür, wenn man auch mal den Gürtel enger schnallen muss. Bevor die Auftrittsbedingungen zu dreckig werden, könnten wir jedoch jederzeit in unsere alten Berufe zurückwechseln. Don wäre dann wieder Autoknacker, Matze Umlackierer und Andi Hehler. 

 

Hat sich eigentlich Der Typ, Der Bei Der Gema Die Titel Eintippt jemals bei Euch gemeldet?

Ja! In der Regel ist es ja so, dass man mit seinen profanen Anliegen erst nach mehreren Wochen von der GEMA kontaktiert wird. In diesem speziellen Fall klingelte aber ca. 18 Stunden, nachdem unsere Werkanmeldung an die GEMA herausgeschickt worden war, in unserem Büro das Telefon. Die Gegenseite meldete sich mit den Worten: „Guten Tag, hier ist der Penner von der GEMA.“ In einem längeren Gespräch versicherte uns die Leiterin der Werkanmeldung, dass man bei der GEMA zwar Spaß verstehe, aber eben auch doch nicht. Frau F. erklärte uns, dass ja auch jedes Mal, wenn das Lied aufgeführt wird, eine Liste bei ihnen eingeht, von der dieser Titel dann von einem Mitarbeiter abgetippt werden muss und dass dieser Titel dann auch noch besonders herausgehoben wird, wenn das Lied eine Laufzeit von über vier Minuten hat. Unsere Antwort lautete: „Ja, genau.“

 

Wenn eine von Euren Songideen entsteht, wie ist dann der Prozess bis zum fertigen Stück?

Da gibt es unendlich viele Varianten. Dadurch, dass wir alle Bereiche der Comedy bedienen, ist oftmals von Anfang an gar nicht klar, ob es auf einen Song, einen Monolog, einen Sketch oder eine lustige Choreographie herausläuft. In der Regel kommt einer von uns dreien mit einer mehr oder weniger ausgearbeiteten Idee an und jeder wirft seine Verbesserungsvorschläge und Ergänzungen in den Topf. Durch diese Art der Gruppenarbeit bewahren wir eine gewisse Stilsicherheit innerhalb der kompletten Show. Der spannendste Moment ist natürlich dann, wenn wir die Nummer zum ersten Mal einem Publikum vorspielen und dabei erfahren, ob die am Schreibtisch entstandenen Gags auch tatsächlich funktionieren. Dieses Ausprobieren erfolgt in der Regel in unserem monatlich stattfindenden Stuttgarter Comedyclub „Mütternacht“. Dort beschränken wir uns auf die Moderation und zwei bis drei eigene Nummern. Wirklich sicher sein kannst du dir jedoch erst, wenn du die Nummer 20-30 Mal gespielt und zum Beispiel eventuelle Längen erkannt und beseitigt hast. Manche Stücke erfahren auch durch Zufall noch nach acht Jahren eine Auffrischung, wenn es zum Beispiel geschieht, dass Don aus Versehen von Matze den Ellenbogen ins Gesicht bekommt und wir das für die Zukunft so in die Show übernehmen.

 

Auf Eurer Homepage schreibt Ihr ja etwas über Euren schönsten Auftritt, sicher gab es doch aber auch mal so wirklich schreckliche, könnt Ihr Euch daran erinnern?

Es kann bei einem Auftritt natürlich immer mal wieder etwas schiefgehen. Ein Vorteil der Comedy ist es, in diesem Fall noch einen komischen Nutzen daraus ziehen und diese Pannen auskosten zu können. Selbst im äußert seltenen Fall, dass die Stimmung in der Halle mal nicht überkocht, können wir zumindest den Spaßfaktor AUF der Bühne heben, indem wir anfangen zu improvisieren. Das Tödlichste, was passieren kann, ist jedoch eine Comedyshow mit einem Moderator, der von den Zuschauern UND den Künstlern gleichermaßen gehasst wird. So geschehen bei unserem Auftritt anlässlich der Verleihung eines Kabarettpreises. Der grottenschlechte Moderator war sich nicht zu schade, beim Finale der Veranstaltung vor den Augen des Publikums das Gruppenphoto mit allen Beteiligten wiederholen zu lassen, weil er mit seinem Aussehen auf dem Bild nicht zufrieden war. An diesem Abend wurde die Fremdscham erfunden.

 

Bei Fragen kann man Euch eine Email schicken, das steht ebenfalls auf Eurer Homepage, wie wichtig ist Euch der persönliche Kontakt zu Euren Fans, wird jede Email beantwortet?

Der persönliche Kontakt ist uns natürlich sehr wichtig. Deswegen rennen wir unmittelbar nach jedem Aufritt von der Bühne direkt ins Foyer der Halle und stehen für einen Smalltalk, Fotos und Autogramme zur Verfügung. Nebensächlich, aber auch ganz interessant ist, dass wir an der Stelle mit unserem Merchandising oftmals einen stattlichen Umsatz machen. In der Regel mehr als das Finanzamt weiß. Für alle, die es nicht zu einem Auftritt schaffen, gibt es noch alle gängigen Wege, um uns zu kontaktieren: Unser Facebook-Profil wird ständig aktualisiert und unser YouTube-Channel läuft sehr gut. Gerade hier ist es für uns oft interessant, die Kommentare zu unseren Videos und die Diskussionen, die  daraufhin entstehen, zu verfolgen. Auch für die gute alte Email nehmen wir uns persönlich Zeit. Emails, die sich um die Namibia-Connection drehen und uns 3,8 Millionen Dollar Gewinn verheißen, beantworten wir gerne. Mails zum Thema Penisverlängerung beantworten wir in der Regel nicht. Gut, bis auf Matze. Der erklärt denen gerne, wie groß so ein Teil in freier Wildbahn wirklich werden kann.

 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant?

Erst einmal touren, dann auftreten und eventuell noch in vielen Hallen spielen. Ansonsten gibt es von uns so ca. alle drei- bis dreieinhalb Jahre ein neues abendfüllendes Programm. Abseits von diesem „Kerngeschäft“ sind wir natürlich jederzeit offen für alle anderen Medien und könnten uns vorstellen, in dieser Richtung etwas zu unternehmen, wenn wir die richtige Idee und den richtigen Partner haben. Andis Buch über sensible Vampir-Piraten, die Tipps zu einem glücklichen Leben geben und dabei von ihren Katzen und Hunden unterstützt werden, wurde bei einer gruppeninternen Umfrage mit 2:1 Stimmen leider abgelehnt.

 

Gibt es etwas, dass Ihr gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würdet?

Rosmarin ist ein total unterschätztes Gewürz! Bereitet mal ein paar gute Kartoffeln mit reichlich Rosmarin und einem erstklassigen (!) Olivenöl im Ofen zu und ihr werdet begeistert sein, wie hervorragend dieses eigentlich einfache Gericht schmeckt.

 

Mit wem würdet Ihr nicht in der Sauna sitzen wollen?

Mit drei tschechischen Pornodarstellerinnen. In dem Fall  würden wir nämlich die Türe von innen blockieren und so lange in der Sauna sitzenbleiben, dass wir wegen Dehydrierung ins Krankenhaus eingeliefert werden müssten.

 

nachgebloggt bedankt sich ganz herzlich für dieses Interview. Es ist nicht selbstverständlich, dass jeder sich die Zeit nimmt für ein Interview, für seine Fans, für interessierte Menschen. Wenn Dir dieses Interview gefällt, sage es gerne weiter und wenn Du noch Fragen hast, darfst Du diese gerne hier stellen.

 

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