Interview: Frank Busemann „Das dreiviertel Jahr vor de Karriereende war die schwerste Zeit meines Sportlerdaseins“

Frank Busemann ist ein ehemaliger deutscher Leichtathlet.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews.

Foto: Frank Busemann

Foto: Frank Busemann

Frank, Auf Ihrer Webseite steht, dass Sie direkt bei der Geburt in einem Sportverein angemeldet wurden durch Ihren Vater, der Sie ja auch trainiert hat viele Jahre. Ihr Leben war also völlig aus Sport ausgelegt, gab es mal Momente an denen Sie was anderes werden wollten als Sportler?

Eigentlich war der Sport immer nur ein Hobby. Anfangs wollte ich Lehrer oder Arzt werden, ich konnte ja nicht ahnen, dass man mit sowas wie Sport Geld verdienen kann. Natürlich hatte der Sport in unserer Familie einen hohen Stellnwert, deshalb hat mir auch nichts gefehlt, wenn unser Urlaub ein Trainingslager war. Im Urlaub das machen, was einem Spaß macht, gibt es was schöneres?

 

Und wie war das genau, Ihre Disziplin war erst der 110 Meter Hürdensprint und später dann der Zehnkampf?

Wenn ich ganz genau bin, dann war ich zuallererst Mehrkämpfer. Aufgrund gesundheitlicher Probleme wechselte ich als 15-jähriger notgedrungen vom besten Sport der Welt (dem Achtkampf) zur langweiligsten Tortur eines Teenagerlebens (dem langen Laufen). Mein Vater versprach mir, dass ich nur solange im Kreis laufen müsse, wie es der Körper benötigt. Da ich technisch nahezu perfekt sei, wäre eine kurzzeitige Abstinenz von meinem geliebten Mehrkampf zu verschmerzen. Dann hatte ich nach einem Jahr genug Kilometer gefressen und wir tasteten uns an das Hürdenlaufen heran, was relativ schnell und gut funktionierte. Als ich dann Juniorenweltmeister über 110 Meter Hürden geworden war, war der Zehnkampf ganz weit weg.

 

Aus welchem Grund kam dann der Wechsel zum Zehnkampf? 

Aus Jux löste mein Vater sein Versprechen vier Jahre später ein und ich durfte am Ende der Saison ein Zehnkampf machen. Trotz Juniorenjahresweltbestleistung  fand ich mich als Hürdenläufer unwiderstehlich. Zum Glück – irgendwann fand ich mich nämlich so toll, dass ich dachte, aktuelle Olympiasieger schlagen zu können. Dann kamen noch Verletzungen hinzu und ich war in Deutschland nur die Nummer fünf über die Hürden, so dass ich mich aus Perspektivlosigkeit ernsthaft mit meiner alten Liebe, dem Zehnkampf beschäftige und 1996 zurückkehrte. Hat sich gelohnt.

 

Gibt es Momente im Sport an die Sie sich spontan am besten erinnern? Einen Moment an dem Sie jetzt gerade denken?

Bei mir hängt sehr viel mit dem zweiten Platz in Atlanta zusammen. Alles was ich heute mache hat direkt oder indirekt mit diesem Ereignis zu tun. Deshalb denke ich oft und gern daran zurück und bin dankbar, dass ich diesen Wettkampf erleben durfte. Eigentlich waren die Ereignisse von Atlanta auf meiner Festplatte gelöscht. Wenn man wirklich konzentriert bei einer Sache ist, dann kann man nachher gar nicht mehr so genau sagen, was da eigentlich passiert ist. Weil ich darüber viel geschrieben und geredet habe und Fernsehbilder vorhanden sind, kann ich das immer noch sehr gut rekonstruieren.

 

Nach einer bewegten Zeit als Sportler schieden Sie dann 2003 aus dem Sportlerleben aus, wie war die erste Zeit damals? War es nicht verdammt schwer auf einmal ohne den  Sport zu leben?

Das dreiviertel Jahr vor de Karriereende war die schwerste Zeit meines Sportlerdaseins. Wie geht es weiter? Was mache ich ohne Sport? Wird mir etwas fehlen? Was ist, wenn mein Leistungszenit erst noch kommt? Neun Monate quälende Fragen, die einen in eine neue Welt stürzen. Ich musste sehr ehrlich zu mir sein und mir sicher sein: Den Entschluss, den ich 2003 mit 28 Jahren fasse, der muss auch  mit 35 Jahren noch der richtige sein. Seit dem Juni 2003 bereue ich keinen Tag ohne Sport. Es war eine gute Entscheidung. Weil ich aber auch weiß, ich habe keinen Punkt liegen gelassen und immer alles gegeben. Ein gutes Gefühl.

 

Wie halten Sie sich heute denn noch Fit, haben Sie noch einen Bezug zu dem Sport?

Ich verantworte für Neckermann die „Sportswelt“, d.h. das Sportprogramm für Urlaubsgäste an ausgewählten Standorten. Ich bin nicht vor Ort, aber Inhalte und Trainerschulung kommt von mir. Dann unterstütze ich Ferrero auf der Sportabzeichentour des DOSB (dort bin ich letztens 1,90 Meter hochgesprungen – in Joggingschuhen. Ich dachte schon, ich feiere mein Comeback). In meiner Freizeit jogge ich regelmäßig. Bis heute bin ich sechs Marathons gelaufen. Als Sprinter benötige ich natürlich immer etwas länger als diese halbverhungerten Laktatverweigerer.

 

Und beruflich: Sie sind jetzt Motivationstrainer kann man sagen? Erklären Sie mal Ihre Arbeit.

Ich gehe mit Vorträgen und Seminaren in die Unternehmen und stelle ein Analogie zwischen Beruf und Sport her. Der Zuhörer soll sich als Mehrkämpfer begreifen, seine Stärken erkennen, Schwächen integrieren und im Wettstreit die Herausforderung sehen. Dabei ist es mir ganz wichtig, dass die Teilnehmer nachher mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. Soll heißen, ein gesunder Mix aus Wissensvermittlung, Unterhaltung und Nachdenken.

 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant?

Ich muss ehrlich gestehen, dass mein Leben zur Zeit nahezu perfekt ist. Stillstand ich Rückschritt, aber die laufenden Projekte sind zur Zeit noch so gestaltet, dass es momentan keinen ausgedehnten Zukunftsveränderungsplan gibt.

 

Gibt es etwas, dass Sie gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würden?

Seid fair zueinander! Das macht die Sache für alle Beteiligten wesentlich einfacher.

 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Es tut mir sehr leid, das sagen zu müssen: Mit etwa 6.995.364.158 Menschen auf dieser Welt! Die andere weiß, dass sie nicht dazu gehört.

 

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