Interview: Andreas Birkner „Ich kann mir die „Arroganz“ leisten nicht jedes Projekt annehmen zu müssen“

Andreas Birkner ist ein deutscher Schauspieler.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews.

 

In deinem Agenturprofil steht, dass Du auf der Schauspielschule Mainz warst, hast Du dir damals damit einen Traum erfüllt,oder wann und wie entstand der Wunsch Schauspieler zu werden?

Zum professionellen Schauspiel bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. Ich habe in meiner Gymnasialzeit schon in Theaterstücken und Musicals gespielt aber nie an eine Berufswahl in dieser Richtung gedacht. Mir war bis zu meiner Studienzeit gar nicht bewusst, dass man dies als ernsthaften Beruf erlernen konnte.Ich saß eines Morgens in einer VWL-Vorlesung im großen Hörsaal, angenervt von Theorien der Gewinnoptimierung durch Outsourcing und unbeeindruckt von Polohemden mit hochgestellten Kragen…

– Ring Ring Ring:
„Ähh Frau L. (meine Lehrerin Gymnsium s.o.) ich sitz in der Vorlesung!!“
“ Ja Andreas geht ganz schnell, ich glaube das Studium ist nichts für dich, da gibt es eine Schauspielschule in Mainz, geh da hin,
mach ein Praktikum und sprich vor, mit deiner Mutter habe ich schon gesprochen!!!“
“ Ähh OK?“
„Dann is ja alles klar, Tschüss.“
„Tschüss???“
piep piep piep
„…!“.
Zehn Minuten später:
– Ring Ring Ring
„Mama, ich sitz …“
„Ja,ja ich habe grad mit der Frau L. gesprochen, da gibt es eine Schauspielschule in Mainz, geh da hin, mach ein Praktikum und
sprich vor!“
piep piep piep.
„….“
Also ich muss dazu sagen, dass ich meine Mutter liebe und ich liebe auch Frau L.!!!

Bevor das Praktikum begann lud man mich zu dem Abschlusstück des letzten Jahrgangs ein. „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“ von C.D. Grabbe. Nach wenigen Minuten war mir klar: Das ist das was du machen willst. Ich habe dann das Praktikum gemacht und mein Entschluss hat sich bekräftigt. Vorgesprochen – direkt genommen worden. BÄM. Es war mein erstes und einziges Vorsprechen an einer Schauspielschule.

 

Wenn Du jetzt zurück an die Zeit denkst, an der Du dir vorgestellt hast wie es ist Schauspieler zu sein, was ist zugetroffen und was nicht?

In der Schauspielschule Mainz wurde uns von Anfang an eine sehr ernsthafte und disziplinierte Herangehensweise an den Beruf vermittelt. Unsere Dozenten sind gestandene Schauspieler/innen, die an den „großen“ deutschsprachigen Schauspielschulen abgeschlossen haben und fest im Berufsleben stehen. Man hat uns auch vermittelt, dass wir doppelt so hart an uns arbeiten müssen, um im Beruf Fuß zu fassen, da wir nur von einer privaten Schule sind. Das ist zugetroffen. Nicht zugetroffen ist meine wohl naive Vorstellung, dass alle Schauspieler/innen den gleichen Respekt vor ihrer Arbeit und dem Zuschauer haben, der mir beigebracht wurde. Disziplinlosigkeiten, Schmieren, Faulheit und Gefahr durch unpräzises Spielen machen mich traurig, da wir einen Traumjob ausüben dürfen und das nicht leichtfertig aufs Spiel setzen sollten. Zum Glück sind diese Erfahrungen die Minderheit.

 

Aktuell spielst Du aber mehr am Theater als im Fernsehen? Bedeutet das, dass Dir Theater mehr Spaß macht? oder mangelt es an Fernsehrollen?

Ich habe mich 2008 entschieden Film und TV zu machen und seitdem eher wenig Theater gespielt und mehr gedreht. Beides ist zeitlich so gut wie nicht zu vereinbaren. Ich habe während meiner Ausbildung schon in mehreren studentischen Filmen mitgespielt und schnell gemerkt, dass die fokussierte Darstellung im Film mich sehr reizt. Ich bin von Frankfurt nach Berlin gezogen und habe das nicht eine Sekunde bereut. Dieses Jahr allerdings wurde mir die Rolle des „Jake Blues“ in „The Blues Brothers“ bei den Luisenburg Festspielen angeboten und hey mal im Ernst: Geiles Stück, superprofessioneller Theaterbetrieb, Top-Kollegen, 19 ausverkaufte Vorstellungen plus Extrabestuhlung und dann noch die Hauptrolle!!! Das musste ich machen. Ein paar Drehtage gingen da wohl drauf. Sorry liebe Caster.

 

Wie ist das denn generell zu dieser Zeit als Schauspieler? Man hat doch unglaublich viel Konkurrenz, hat man da eigentlich oft Angst, dass Rollenangebote ausbleiben, oder gibt es genug Rollen? (Mir hat mal ein Schauspieler gesagt man müsse wie eine Hure sein und alles nehmen was kommt) stimmt das?

Ich persönlich bin ein gewisser Typ, den es so nicht oft in der Schauspiellandschaft gibt. Das gibt mir einen gewissen Vorteil. Natürlich ist die Konkurenz trotzdem gross und die gefühlten Leerlaufzeiten unendlich lang, aber so ist der Job. Angst habe ich nicht. Ich versuche diese Zeiten produktiv zu nutzen mit studentischen Filmen, Lesen, Sport, Weiterbildung. Genug Rollen wird es nie geben. Zu deiner Schauspieler=Hure – Frage: Ich kann mir die „Arroganz“ leisten nicht jedes Projekt annehmen zu müssen, da ich mir frühzeitig einen zweiten Job als freier Mitarbeiter mit einer ebenso freien Zeiteinteilung angeschafft habe. Dieser Job rettet mich vor Armut, Arbeitsamt und „Prostitution“.

 

„Der Bulle und das Landei“ kommt demnächst im Ersten, da bist Du in einer Rolle zu sehen, wie war denn der Dreh mit Uwe Ochsenknecht? Da hat man doch anfangs sicher unglaublich viel Respekt oder ist das unter Kollegen anders?

Uwe Ochsenknecht ist eine Institution im deutschen Film und Fernsehgeschäft. Ich hatte und habe natürlich Respekt vor Ihm und seinen Leistungen. Umso erfreuter war ich dann auch, als ich ziemlich schnell merkte, dass er nicht nur ein toller Schauspieler sondern auch ein ganz feiner Mensch und Kollege ist, von dem ich viel lernen konnte. Das gleiche gilt auch für Diana Amft. Die beiden sind extrem präzise und gleichzeitig locker in Ihrem Spiel vor der Kamera. Das war extrem cool. In „Der Bulle und das Landei“ spiele ich den Dorfpolizisten „Ralf Kirchner“, quasi den Hilfssheriff von Uwe Ochsenknecht und Diana Amft. Das ganze spielt in Monreal in der Eifel. Dafür habe ich mir den moselfränkischen Dialekt meiner Verwandschaft aus dem 30 Kilometer entfernten Bernkastel-Kues antrainiert – eine kleine Herausforderung. In den Drehpausen habe ich allerdings mit Uwe Ochsenknecht auf Mannheimerisch gewechselt, denn da kommt er her und ich habe da meine Pubertät verbracht.

 

Gibt es eigentlich Projekte an die Du noch sehr gerne denkst, bzw. welche von denen Du denkst diese besser nicht gedreht zu haben?

Ich denke gerne an meinen ersten Studentenfilm „Acapulco“! Es geht um zwei Ganoven, die eine Bank überfallen wollen. Die beiden sind so planlos, dass sie es nicht mal aus dem Auto in die Bank schaffen und vorher flüchten müssen. Das war toll. Drehen ist immer eine Erfahrung wert. Es gibt wohl kein Projekt, dass ich angenommen habe und heute bereue. Schwierig ist allerdings oft die Unterbringung bei studentischen Filmen. Ich war mal in München, für einen Film, in einer großen alternativen Kommune untergebracht. Frag mich jetzt nicht wie die hieß. Es war im Vorfeld klar, dass die Kommune in einigen Monaten geräumt werden musste und dementsprechend hatte seit geraumer Zeit niemand mehr entmüllt, geschweige denn sauber gemacht. Als ich eines Nachts vor einem Drehtag dort ankam erwartete mich in der Gemeinschaftsküche eine ca. 40 cm große Bisamratte kauend auf dem Küchentisch.

 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant?

Drehen, mehr drehen und dann noch mehr drehen. Du kannst in dem Beruf schlecht planen und musst gezwungenermaßen im Jetzt und Hier aktiv sein. Ich komme aber ganz gut damit klar.

 

Gibt es etwas, dass Du gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würdest?

Bitte räumt Eure Küche auf.

 

Mit wem würdest Du nicht in der Sauna sitzen wollen?

Mit einer großen Bisamratte =)

 

nachgebloggt bedankt sich ganz herzlich für dieses Interview. Es ist nicht selbstverständlich, dass jeder sich die Zeit nimmt für ein Interview, für seine Fans, für interessierte Menschen. Wenn Dir dieses Interview gefällt, sage es gerne weiter und wenn Du noch Fragen hast, darfst Du diese gerne hier stellen.

 

Interessante Links zu diesem Beitrag

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de