Interview: Stephen Manuel „Iron Doors wurde in 10 Tagen ohne Filmförderung mit privatem Geld in Deutschland gedreht“

Stephen Manuel ist ein deutscher Regisseur.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews.

 

Natürlich will ich Ihnen im Zuge des DVD-Release von „Iron Doors“ einige Fragen stellen. Sie haben das Drehbuch ja aus den USA, wie läuft so etwas eigentlich ab? Man bekommt das…und woher? 

Peter Arneson ist ein amerikanischer Drehbuchautor, der bereits Preise für seine Drehbücher gewonnen hat, aber IRON DOORS ist sein erstes Skript, das verfilmt wurde. Es gibt Drehbuchagenturen im Internet, über die ich auf Peters Skript gestoßen bin – ohne das Internet hätte es unseren Film also nicht gegeben! Peter hatte das Skript ohne Auftrag eines Studios geschrieben und auf diesem Wege angeboten. Ich merkte sofort, was für ein hervorragender Autor Peter ist und wie viel Herzblut er in den Stoff eingebracht hat. Das Resultat ist eine sehr originelle, ausgeklügelte Story, die sich auf mehreren psychologischen Ebenen entwickelt, obwohl sie sich auf eine minimale Besetzung beschränkt. Das hat uns begeistert, und wir haben Peters Skript praktisch ohne Änderungen so verfilmt, wie er es geschrieben hat.

 

Was war dann für Sie der ausschlaggebende Punkt das Drehbuch verfilmen zu wollen?

Ich habe nach einem Drehbuch gesucht, das das maximale an Spannung aus einer Situation mit relativ geringem Produktionstechnischen Aufwand herausholt. Davon gibt es nicht viele, aber immer wieder wird mal eins verfilmt, so wie „Buried“ oder „Cube“. Iron Doors ist auch so eine Geschichte- wenig Darsteller, wenig Locations, maximale Spannung. Vorhersehbare Geschichten langweilen mich, die ausgeklügelte Story des Drehbuchs gibt uns die Möglichkeit, mit der Erwartungshaltung der Zuschauer zu spielen, die dann in überraschende Richtungen gelenkt wird. Der Auftakt ist sehr klassisch und Horrorfreunde werden durchaus bedient, weil wir Urängste wie die Furcht vor dem Eingeschlossen sein schüren. Aber wir beschränken uns nicht darauf – vielmehr entwickelt sich die Story weiter in andere, unerwartete und teilweise auch symbolische Dimensionen, die über die herkömmlichen Horrorelemente deutlich hinausgehen.

 

Angefangen haben Sie ja mit dem drehen von Comedyszenen für die Harald Schmidt Show, wie kommt man dann zum Thriller/Horror Genre, ist das nicht eine sehr große Umstellung?

Ich war immer schon ein Fan von Beidem. Ich bin in Dublin geboren und immer schon mit dem englischen Humor aufgewachsen. Beim Regieführen habe ich irgend wann auch gemerkt, daß der Aufbau zu einer Pointe ähnlich abläuft wie der Aufbau zu einem „Erschrecker“. Darüber hinaus habe ich an der Filmakademie viel mit dem Genre gespielt.

 

Hat man es dann als Werbe und Comedy Regisseur schwer wenn man einen Film dreht? Ich könnte mir vorstellen, dass gestandene Kollegen einen nicht ernst nehmen, oder ist dem nicht so in der Branche?

Das ist ja mittlerweile der 8. Spielfilm den ich gedreht habe, alle anderen davor für TV und DVD. Ich hatte immer das Glück, Werbung, Serie, TV und Spielfilm Projekte abwechseln zu können. Das machen nicht viele Kollegen- ich bin aber trotzdem noch kein Regisseur mit grossem Namen, deshalb gibt es nicht so viele Kollegen die sich ein Urteil über mich bilden, denke ich. Die meisten sind mit sich selber beschäftigt und versuchen gute Arbeit zu leisten, so wie ich auch.

 

Zurück zu Iron Doors, Wie sind Sie eigentlich auf Axel als Hauptdarsteller gekommen?

Ich besetze Axel seit zehn Jahren immer wieder in meinen Filmen, weil ich ihn als hervorragenden Darsteller kenne. Das Drehbuch zu IRON DOORS 3D wählten wir unter anderem deswegen aus, weil es Axel die Gelegenheit gibt, seine Fähigkeiten wirklich voll auszuspielen. Einerseits hat der Stoff Humor, andererseits geht Axel körperlich und psychologisch an seine Grenzen. Ich wusste um sein Talent, aber in den Filmen, die wir bisher gemeinsam gedreht haben, wurde aufgrund der Vorgaben immer nur ein Teil seiner Fähigkeiten abgefordert – ob als Bösewicht oder als Lover. IRON DOORS 3D ermöglicht ihm nun, eine Figur viel tiefer auszuloten, als es ihm bisher möglich war. Ich traute ihm das zu, und er hat meine Erwartungen übertroffen!

 

Wenn man im Netz mal Rezensionen liest, gibt es fast nur positive Resonanzen, wie gehen Sie mit den wenigen negativen um?

Iron Doors polarisiert. Es gibt genauso viele Verrisse wie gute Kritiken in Deutschland. Interessanterweise kommt der Film im Ausland wesentlich besser an. Dort haben wir ja auch schon einige Preise gewonnen und er scheint generell besser verstanden zu werden. Unser Hauptproblem ist, das manche Zuschauer in den ersten 5 Minuten denken es handele sich um einen „Saw“ Abklatsch. Dem ist ja nicht so, aber manchen scheint das nicht aus dem Kopf zu gehen. Außerdem haben wir im Deutschen mit einem Übersetzungsproblem zu kämpfen…. Im Englischen original wird viel „Fuck“ gesagt, das ist in manchen Kreisen in den USA und England der normale Sprachgebrauch. Bei der Kinosynchronisation haben wir die „Fucks“ im deutschen beibehalten. Dies war ein Fehler, da es im Deutschen Sprachgebrauch unüblich ist und wesentlich härter wahr genommen wird als im englischen Original.  Darüber hinaus hielt man uns vor wir wollen extra „cool“ sein.  Für die DVD und Blu Ray haben wir diesen Fehler korrigiert… trotzdem ist die englische Originalfassung noch die Beste, also wenn möglich, dann im Original ansehen.

 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant, darf man da schon etwas verraten?

Wir sind an mehreren Projekten dran aber haben uns noch nicht festgelegt. Momentan drehe ich wieder Werbung, was mir auch sehr viel Spass bereitet.

 

Gibt es etwas, dass Sie gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würden?

Iron Doors wurde in 10 Tagen ohne Filmförderung mit privatem Geld in Deutschland gedreht. Es ist also einer der wenigen „echten“ deutschen Independent Filme. Ohne einem tollen, selbstlosen Team wäre dies nicht möglich gewesen. Wer sich für einen abgefahrenen spannenden Film interessiert, sollte ihn sich ansehen.

 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Freddy Krüger!

 

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© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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