Interview: Allyssa und Hortense Ullrich „Also zum Glück beruhte die Idee eher auf der Überlegung“

Allyssa Ullrich ist in New York geboren, hat in Bremen Abitur gemacht und lebt heute in Hamburg, wo sie ihr Media Management Studium abgeschlossen hat. Nach „Schlaflos in Hamburg“ und „Last Girl standing“ schreibt sie nun ihren dritten Roman.

Hortense Ullrich lebt mit ihrer Familie in Bremen, nachdem sie acht Jahre in New York verbrachte. Seit vielen Jahren schreibt sie sehr erfolgreich Kinder- und Jugendbücher; zuvor hat sie Journalistin, Redakteurin und Drehbuchautorin gearbeitet.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews.

 

Allyssa, Hortense: Mutter und Tochter, das ist im Privatleben der meisten schon nicht leicht auszukommen, ist das zusammen arbeiten nicht sehr schwer? Oder wie verhält sich das bei Ihnen?

Allyssa: Wir haben anscheinend ein sehr komisches Mutter-Tochter-Verhältnis weil wir uns tatsächlich gut verstehen und keine großen Probleme beim zusammen arbeiten haben. Ist das Grund zur Beunruhigung?

Hortense: Hm. Das ist mir jetzt irgendwie unangenehm, aber wir kommen gut miteinander aus und können prima zusammen arbeiten. Und – es macht sogar super viel Spaß!

 

Wie ist das wenn Sie zusammen an einem Buch schreiben, wer hat da das letzte Wort? Oder teilen Sie da alles genau auf?

Allyssa: Das letzte Wort hat immer meine Mutter, und das beschränkt sich nicht nur aufs Schreiben.

Hortense: Im Laufe meiner Erziehungsarbeit in den letzten 23 Jahren habe ich gelernt, sehr diplomatisch zu sein (meine Töchter lachen an dieser Stelle bestimmt höhnisch auf, aber egal, ich hab mich zumindest bemüht …) und ich habe eine Technik entwickelt, bei Antworten, die mir nicht so gut gefallen, vor mich hin zu nicken und zu sagen: „Ja, interessant, so könnte man es auch machen. Fällt dir noch eine andere Lösung ein?“ Das mache ich solange, bis meine Töchter schließlich die Antwort geben, auf die ich gehofft hatte. Problem ist nur, inzwischen sind meine Töchter teilweise schlauer als ich und sie haben teilweise die besseren Ideen, so dass meine pädagogisch wertvolle Vorgehensweise gar nicht mehr so oft zur Anwendung kommt und ich sie stattdessen bereits bei ihrer ersten Antwort oftmals eine zeitlang verblüfft anstarre und schließlich rufe: „Genial, so machen wir’s.“

 

Sicher haben Sie beide nicht genau denselben Schreibstil, ist das dann nicht verwirrend für den Leser? Gab es da schonmal Rückmeldungen, oder wie haben Sie das Problem gelöst?

Allyssa: Erstaunlicherweise sind unsere Schreibstile sich sehr ähnlich, nur dass man bei meiner Mutter vielleicht noch ein paar mehr „dufte“ Ausdrücke von früher findet, als bei mir im Text.

Hortense: Bei unserm ersten gemeinsamen Buch: „Schlaflos in Hamburg“ war das kein Problem, weil es ja der authentische Bericht von Allyssas chaotischem Auszug von Zuhause war und wir beide da abwechselnd zu Wort kamen. Also war klar, wer wann schreibt und da stört ein unterschiedlicher Stil nicht. Im Gegenteil. Bei „Last Girl standing“, war es nicht möglich, dass wir abwechselnd schreiben, da es ein Roman ist. Also hatten wir entschieden, dass Allyssa schreibt und ich darf überarbeiten. Ich finde Allyssas Stil nämlich besser, weil knapper und flotter; ich neige dazu, alles immer mehrfach und noch einmal in anderen Worten zu erklären, um sicher zu gehen, dass man mich versteht. (Im echten Leben übrigens auch – ist eine unangenehme Angewohnheit durch die Mutterschaft, wo ich immer alles zehn Mal sagen musste.) Also durfte Allyssa schreiben, ich lesen. Das Konzept haben wir zuvor gemeinsam erarbeitet.

 

Wenn man in unterschiedlichen Städten wohnt, wie oft sind dann kreative treffen?

Allyssa: Da wir mit Telefon und Internet gesegnet sind und wir nicht mehr auf Brieftauben zurückgreifen müssen sind persönliche Treffen keine Notwendigkeit. Aber alle drei oder vier Wochen sehen wir uns trotzdem, macht eben doch mehr Spaß wenn man sich dabei gegenüber sitzen kann.

Hortense: Also, ich dachte ja, Allyssa muss jetzt  ganz oft nach Bremen kommen, bis wir die Grundidee und das Konzept erarbeitet haben. Denn obwohl ja vieles per Telefon oder email zu besprechen oder zu erledigen ist – wenn man sich zusammen eine Geschichte ausdenkt, muss man sich einfach gegenüber sitzen, dann klappt das am Besten. Aber es klappte leider so gut, dass wir es mit einer Sitzung hatten. Netterweise kam sie uns trotzdem immer wieder besuchen. Hängt vielleicht damit zusammen, dass ich inzwischen kochen gelernt habe.

 

Allyssa, Sie studieren Media Management, in welche Richtung soll es denn später mal gehen?

Allyssa: Ich habe gerade meinen Bachelor Abschluss gemacht und momentan kann es noch in jede Richtung gehen. Aber um meinen Vater nicht total unglücklich zu machen muss ich die Möglichkeit eines Masterstudiums und einer Karriere in der Businesswelt an dieser Stelle zumindest einmal erwähnen. 

 

Allyssa, die Arbeit als Autorin ist dann nur „nebenbei“ oder möchten Sie das weiter vertiefen?

Allyssa: Hauptberuflich werde ich erst mal das, wofür ich die letzten drei Jahre studiert habe weiterverfolgen. Ich werde mir also einen Job suchen. Ich muss mich ja auch ernähren können. Aber das Schreiben gefällt mir sehr gut, daher würde ich das auf jeden Fall gerne weiterhin tun.  

 

„Last Girl standing“ heißt Ihr aktuelles Buch. In dem Buch nehmen Frauen Rache an einem Mann, der eine Beziehung mit allen hatte. Haben Sie diese Erfahrung auch mal gemacht, oder wie kam es zu der Idee des Buches?

Allyssa: Also zum Glück beruhte die Idee eher auf der Überlegung „Was wäre wenn…“.

 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant?

Allyssa:  Als Nächstes mache ich ein Praktikum bei Warner Bros. in Hamburg und  versuche dadurch einen Einblick in das Filmbusiness zu bekommen. Währenddessen arbeite ich aber schon an meinem nächsten Roman. Ich habe mich schon so sehr an das Schreiben gewöhnt, mein Laptop würde sich ganz vernachlässigt vorkommen wenn ich auf einmal nicht mehr jeden Abend daran sitze.

Hortense: Ich schreibe weiter fleißig Bücher für Kinder und Jugendliche (zwischen vier und sechs Stück pro Jahr – Bücher, nicht Kinder) und nun auch endlich das schon lange versprochene Buch für Erwachsene.

 

Gibt es etwas, dass Sie gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würden?

Allyssa:  Nimm dich selbst nicht zu ernst, hab Spaß!

Hortense: Was man will, das kann man auch. Nie zu schnell aufgeben.

 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Allyssa: Kann ich mich vor einer Antwort retten wenn ich sage, dass ich nie in die Sauna gehe?

Hortense: Ja, prima. Und ich bekräftige das mit der Aussage, dass wir aus religiösen Gründen keinen Sport treiben und Sauna bei uns unter „Sport“ läuft.

 

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Interessante Links zu diesem Beitrag

  • mehr Infos zu dem Buch: Last Girl Standing

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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