Interview: Maxi Biewer „Als Kind fand ich immer furchtbar jeden Abend meine Mutter um 18 Uhr aus dem Haus gehen zu sehen“

Maxi Biewer ist eine deutsche Fernsehmoderatorin und Schauspielerin.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews.

Maxi Biewer

Maxi Biewer

Maxi, Sie sind ja gelernte Elekronikfacharbeiterin. Haben Sie jemals in diesem Beruf gearbeitet? bzw. wie kam es dann dazu, dass Sie eine Schauspielausbildung gemacht haben?

Ich wollte Abitur machen – und dieser Elektronikfacharbeiter war die „Pflicht“, das Abi die „Kür“. Gearbeitet habe ich nie in den Beruf, aber ein „anständiger“ Beruf war Voraussetzung für ein künstlerisches Studium in der DDR. Jeder, der „künstelt“ weiß warum … Noch heute kann ich aber sehr gut löten, nur die Farbcodierung der Widerstände verlernt man irgendwann. Ich hätte auch gern Journalistik studiert – aber nicht in der DDR. Da war das Schauspielstudium eine gute Alternative.

 

War das schon immer Ihr Wunsch Schauspielerin / Moderatorin zu werden? Oder wie entstand dieser Wunsch?

Ich komme aus einer Schauspieler-Familie. Als Kind fand ich immer furchtbar jeden Abend meine Mutter um 18 Uhr aus dem Haus gehen zu sehen. Aber bei genauer Betrachtung: doch kein so schlechter Beruf. Man darf in viele Rollen hineinschlüpfen, arbeitet mit interessanten, manchmal auch etwas „schrägen“ Menschen und das alles auch noch unregelmäßig. Da kann keine Langeweile aufkommen!

 

Seit 1981 haben Sie immer wieder beim Theater und Fernsehen in den verschiedensten Rollen mitgewirkt. Was macht Ihnen mehr Spaß, die Wettermoderation bei RTL oder die Schauspielerei?

Das kann ich so gar nicht vergleichen. Beim Wettern bin ich viel mehr ich selbst, bin der Übersetzer zwischen meteorologisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen und der einfachen Frage: Wie wird das Wetter heute? oder morgen? Besonders bei lang anhaltenden Regenperioden versuche ich auch ein bisschen Psychologie mit reinzubringen, nach dem Motto: Na ganz so schlimm, ist es jetzt doch nicht!:-) Bei der Schauspielerei kann/darf/muss man einen Schritt von sich selbst weggehen. Leider erlaubt mir der sehr zeitaufwendige Wetterjob nicht viel Theater oder „anderes“ Fernsehen zu machen. Aber 2009 habe ich mir Sommertheater in Berlin „gegönnt“.

 

Zwischen 1994 und 1996 haben Sie als freiberufliche Journalistin für „Die Welt“ Reiseredaktion gearbeitet. Was war der Grund, dass Sie damit 1996 aufgehört haben?

1996 lernte ich meinen Mann kennen. Der lebte in Montreal und so bin ich dann mehr privat gereist: zwischen Köln und Kanada.

 

Sind Sie in dieser Zeit beruflich viel rumgekommen?

Wir arbeiten immer in längeren Blöcken und so habe ich dann auch in längeren Blöcken frei. Wie Arbeiter auf Ölbohrinseln – auch bei Wind und Wetter, nur meist im Büro. In dieser Zeit war ich dann unter anderem in Warschau, im Trentino oder ein paar Tage auf einer Mittelmeerkreuzfahrt. Aber auch mit dem Wetter sind wir öfter draußen: von Lawinengefahr bis zu Superhitze oder Mückenplage im Spreewald …

 

Fast 10 Jahre pendelten Sie zwischen Deutschland und Kanada. Wie kann man sich da einen beruflichen Alltag vorstellen? Was war der Grund für dieses Pendeln? War so ein Alltag nicht sehr anstrengend, mit ständigem Jet-Lag und Leben aus einem Koffer?

Der berufliche Alltag verlief in Blöcken: zwei Wochen arbeiten, zwei Wochen frei. In den zwei Wochen arbeiten, war ich ganz beim Wetter und in den zwei freien Wochen – bei meinem Mann….als Hausfrau. Aus dem Koffer lebte ich nicht. Ich hatte ja meine Wohnung in Köln und unsere Wohnung, später ein Haus, in Montreal. Meist bei ich nur mit Handgepäck geflogen. Das Jet-lag war nur in Köln ein Problem (6 Stunden Zeitunterschied) – aber wenn man um 3 Uhr Schichtbeginn hat, ist das Leben auch ohne Jet-lag ein Jet-lag-Leben.  Damals waren die Sicherheitsgebühren noch nicht so hoch, das Kerosin billig und wir hatten noch die D-Mark….das ganze „Spaß“ hat mich pro Jahr zwischen 2300 – 2700 DM gekostet und ein bisschen Organisationstalent. Ja, ich war auch in allen möglichen Meilenprogrammen.

 

Und wo gefällt es Ihnen besser, in Deutschland oder in Kanada?

In Kanada sind die Menschen sehr viel entspannter, wie in fast allen Ländern mit viel Platz und wenigen Bewohnern. Dort gibt es reichlich Natur pur und Wandern kann gefährlich sein….deshalb sind wir sehr gern in den Alpen – da kommt kein hungriger Schwarzbär oder Grizzly…bestenfalls pfeift ein Murmeltier oder ein paar Gemsen gucken ums Eck. Das Leben ist in Kanada günstiger – von der Krankenversicherung bis zu Lebensmitteln. Deutschland hat viel Kultur und Geschichte zu bieten.

 

Seit 1992 moderieren Sie bei RTL das Wetter zu allen Tageszeiten. Ärgert es Sie eigentlich auch persönlich, wenn Sie z.B. Sonnenschein angesagt haben, es aber letztendlich regnet? Denken Sie da manchmal an all die Leute, die aufgrund Ihrer Ansage, den Regenschirm zu Hause gelassen haben?

Klar, überprüfe ich – wie auch die Zuschauer – ob unsere Vorhersage eingetroffen ist. Ich kann mich sogar ärgern, wenn wir Regen im Programm hatten und dann doch die Sonne scheint. Aber da bin ich mit meinem Ärger wohl eher allein….:-)

 

Sie sprechen neben Deutsch noch Englisch und Französisch „fließend und auch täglich im Gebrauch“. In welchen Situationen können Sie diese Sprachen täglich anwenden?

Mein Mann und ich leben jetzt seit einigen Jahren zusammen in Deutschland. Im Büro spreche ich deutsch, für die Zuschauer natürlich auch :-), aber zu Hause angekommen, rede ich mit meinem Mann Englisch, Französisch oder Frenglisch. Wir mixen mitten im Satz oft beide Sprachen. Filme schauen wir in Orginalsprache (Englisch oder Französisch und nur sehr wenige deutsche Filme), alles was zum Segeln, Klettern, Berge besteigen gehört ist Englisch, Kochen und Küche meist Französisch und dann gibts noch deutsche Begriffe, die man nicht wirklich übersetzen kann weil eine ganze Lebensart dahintersteckt wie :Kaffee trinken oder Abendbrot. Mein Leben ist recht bunt. Wir haben natürlich auch viele englischsprachige Freunde weltweit, die Familie meines Mannes ist aus Quebec also französischsprachig.

 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant? Werden Sie eventuell auch mal wieder Schauspielern?

Wenn ein interessantes Angebot kommt, würde ich versuchen Wettern und Schauspielern unter den berühmten Hut zu bringen.

 

Gibt es etwas, dass Sie gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würden?

Das Spannende am Leben: man sitzt oft (mit Begeisterung!) das nach, was man in der Schule garnicht mochte. In meinem Fall: Geografie war super – nur das Wetter fand ich blöd. Wer das Lernen zum Hobby macht, hat schon gewonnen! und für die Jüngeren: bis 30 müßt ihr durchhalten!!! Dann wird das Leben richtig gut!!!

 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Ich hab mir abgewöhnt in (Hotel) Saunas zu gehen. Wenn ich saune, dann nur mit lieben Menschen, die ich kenne und die mich nicht fragen, wie das Wetter wird.

 

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© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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