Interview: Mark Werner „Ich hoffe, dass die Leser ganz viel Spaß mit meinem neuen Roman „Knautschzone“ haben.“

Mark Werner ist ein deutscher Schriftsteller und Drehbuchautor.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews.

 

Mark, können Sie sich noch an den Zeitpunkt erinnern, an dem Sie festgestellt haben, dass Sie ein besonderes Talent zum Schreiben haben?

Bei mir hat es ein Schlüsselerlebnis mit 16 Jahren gegeben, während eines Praktikums bei einer Tageszeitung. Der Chefredakteur hat mich eine Reportage schreiben lassen. Und zu meiner Überraschung fand er die am Ende nicht nur gut – er hat sie sogar als Aufmacher gedruckt. Da wusste ich: Dieses Erfolgserlebnis möchte ich öfter haben!

Mir fällt aber noch ein Moment ein: Nach einem Aufsatz in der sechsten oder siebten Klasse hat mir ein Deutschlehrer prophezeit, dass ich sicher irgendwann mal beruflich schreiben würde. Vielleicht hat sich diese Prophezeiung einfach dermaßen in meinem Kopf eingenistet, dass ich gar keinen anderen Beruf mehr ergreifen konnte?

 

Und das Schreiben von Drehbüchern – war auch das direktes Ziel, oder wie kam es dazu?

Nein, eigentlich war mein Ziel immer der Journalismus (am besten die „Tagesschau“, ähnlich wie bei Kretsche in „Hölle, all-inclusive“). Mit diesem Ziel habe ich auch Germanistik studiert und lange als freier Zeitungsredakteur gearbeitet. Aus anfänglichen Nebenjobs beim Fernsehen wurde dann nach dem Examen ein Job als Redaktionsleiter für eine Unterhaltungsshow.

Nach einem Jahr wurde mir eine Stelle in der noch relativ jungen Fiction-Abteilung der deutschen Columbia TriStar (heute Sony Pictures) angeboten – und somit die Chance, was völlig Neues zu beginnen. Von dem, was ich dort bei der Arbeit mit amerikanischen Producern und Autoren und bei späteren Arbeitsaufenthalten in Los Angeles gelernt habe, profitiere ich bis heute. Vor allem aber hat mich die Zusammenarbeit mit meinem langjährigen Chef und Kollegen Seni Munder geprägt, der nicht nur ein unglaubliches Strukturgenie ist, sondern als Ex-Neurologe ein irrsinniges Gespür für Charaktere und Geschichten hat. Hm, jetzt bin ich vom Hölzchen aufs Stöckchen gekommen, aber so bin ich auch beim Drehbuchschreiben gelandet …

 

Seit 2010 arbeiten Sie als Headwriter für Brainpool, wie kann man sich den Job als Headwriter denn vorstellen, was sind da Ihre Aufgaben?

Der oder die Headwriter und Creative Producer in einer Produktionsfirma entwickeln und schreiben Serien oder Filme. Als kreativer Kopf ist man etwa bei einer Serie von der ersten Idee bis zum drehfertigen Buch inhaltlich verantwortlich, und begleitet die Umsetzung auch darüber hinaus. Die Arbeit beinhaltet natürlich auch weiterhin das eigentliche Schreiben von Drehbüchern – und hier insbesondere der endgültigen Drehfassungen.

Ich persönlich arbeite bei Brainpool sowohl alleine, als auch gemeinsam mit anderen Headwritern und Autoren. Grundsätzlich mag ich es mehr, im Team zu arbeiten. Bei Serien ist das sowieso die Regel, weil das kein Mensch mutterseelenallein stemmen kann. Aber die Solotour kann ich ja bei der Romanarbeit „genießen“ …

 

Sie finden dennoch Zeit zum Schreiben von Büchern wie etwa „Hölle, all inclusive“ oder jetzt ganz neu „Knautschzone“. Ist das nicht unglaublich zeitintensiv alles? Wie geht man mit der wenigen Zeit um, was sagen Freunde und Familie dazu?

Ganz schwieriges Thema! Habe ich eben wirklich „genießen“ gesagt? Es ist, ehrlich gesagt, echt schwer, nach Hause zu fahren und dort weiterzuarbeiten – nach einem Arbeitstag, der eh schon voll gepackt war mit Kreativleistung. Da ist der innere Schweinehund einfach übergroß.

Und was Freunde und Familie dazu sagen? Im Grunde nur: „Mensch, ist das nicht anstrengend? Wir sind dann jetzt übrigens mal (bitte wahlweise einsetzen) im Biergarten/beim Grillen/im Kino usw.“

Die Familie muss natürlich eine Menge Verständnis aufbringen. Aber so richtig beschwert hat sich noch keiner, wenn ich mich dauernd an den Schreibtisch verziehe. Hm, komisch eigentlich …

 

Das Hörbuch zu „Hölle, all-inclusive“ wurde von Michael Kessler gelesen. Wollten Sie das nicht selbst lesen, oder was war der Grund, dass Herr Kessler gewählt wurde?

Ich würde unglaublich gerne selbst meine Romane als Hörbücher lesen, bin allerdings ebenso unglaublich untalentiert in so etwas. Ich bewundere Schauspieler wie Michael Kessler ungemein: Was die aus einem Text herausholen, was die rein- bzw. rauslesen können, mit welcher Vielfalt sie den Worten verschiedene Stimmen und Stimmungen geben.

Einige Leser sagen zwar, sie mögen es lieber, wenn der Romanautor selbst liest. Sie wollen hören, wie seine Stimme klingt, wie er seinen eigenen Text interpretiert. Aber vielleicht bestrafe ich diese Menschen eines Tages, indem ich ihnen tatsächlich gebe, was sie wollen … Bis dahin kann ich Michael Kessler und seine Kollegen aber nur wärmstens empfehlen.

 

Im September erscheint Ihr neues Buch „Knautschzone“. Mögen Sie erzählen, um was es da geht?

Ah, die berühmte Aufgabe: „Erzählen Sie uns doch bitte in drei Sätzen, warum wir Ihren neuen Roman unbedingt lesen sollten!“

Okay, ich versuch’s:

Henny Hinkelberch wäre gerne Rockstar, ist aber So-gut-wie-Beamter und Schlagzeuger in einer U2-AC/DC-Coverband. Als seine Freundin ihm mitteilt, dass sie schwanger ist, macht Henny das, was viele Männer in so einem Augenblick vielleicht denken, aber niemals tun würden: Er schlägt die Tür zu und haut ab.

Seine Flucht endet allerdings vorzeitig auf der Motorhaube einer jungen Frau namens Natali. Der Anfang einer turbulenten Nacht, die beider Leben verändert …In dieser Nacht entblättert sich für den Leser Zug um Zug Hennys Vergangenheit – und ein dunkles Familiengeheimnis.

Wir erleben seinen geschmacklos-derben Großvater Vinzenz, einen skurrilen Onkel, der die eigene Gattin in der Kirche anzündet, natürlich Hennys Bandkumpels, die YoYo Men, die nie über die Bühne des Schützenfests hinauskommen, einen Herrn, der Wacholder trinkt und Wacholder heißt, sowie eine Hedonistenarmee im Angriff auf Köln. Wir lernen außerdem, wie man eine Truppe tumber Straßenschläger überlebt, wie eine Begegnung mit Bono (U2) und Angus Young (AC/DC) in der amerikanischen Wüste verläuft – und dass man manchmal rückwärts gehen muss, um vorwärts zu kommen.

Das waren, glaub ich, drei Sätze, oder? Hat doch prima hingehauen.

 

Ist auch da ein Hörbuch geplant?

Wahrscheinlich wird es diesmal kein Hörbuch geben. Oder soll ich etwa …?

 

Was ist darüber hinaus noch geplant?

Ich freue mich sehr auf den Herbst, da wird im ZDF mein Film „Das große Comeback“ gezeigt. Eine Komödie mit Uwe Ochsenknecht, Andrea Sawatzki und einer Menge anderer phantastischer Schauspieler. Es die Geschichte des gescheiterten Schlagersängers Hansi Haller, der in die Fänge der skrupellosen Fernsehjournalistin Ute Meier-Thiel gerät. Sie verfrachtet ihn in das Eifeldorf Bad Böhlen, wo seine letzten verbliebenen weiblichen Fans leben. Dort will sie eine Doku über sein Comeback drehen. In Wahrheit möchte sie natürlich sein Scheitern filmen und ihn zur Lachnummer der Nation machen.

 

Gibt es etwas, dass Sie gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würden?

Ich hoffe, dass die Leser ganz viel Spaß mit meinem neuen Roman „Knautschzone“ haben. Ach ja, und Sie können gerne auf meiner Homepage vorbeischauen: www.mark-werner.com. Da ist auch ein Link zur Facebook-Autorenseite, auf der es immer die frischesten Neuigkeiten zu Roman und Film und Autor gibt.

Aber damit ich nicht so unhöflich mit Werbung aufhöre, kommt hier noch für alle Nachgebloggt-Leser eine kleine Weisheit, die mich im vergangenen Jahr durch arbeitsreiche Zeiten gebracht hat:

„Manche Aufgaben des Lebens erfordern es einfach, dass man sich vor ihnen verneigt.“

Und wer wissen will, von wem diese aufbauenden Worte stammen, der kann die Antwort in der Danksagung von „Knautschzone“ nachlesen!

 

Nun aber auch schon zu meiner letzten Frage, diese stelle ich immer jedem, ein Markenzeichen, und bin sehr gespannt, wie diese dann beantwortet wird: Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Nach meiner Recherche für „Hölle, all inclusive“ an den Stränden Gran Canarias habe ich alles gesehen – alles. Und für wirklich schockierende Details gibt’s ja Handtücher.

 

nachgebloggt bedankt sich ganz herzlich für dieses Interview. Es ist nicht selbstverständlich, dass jeder sich die Zeit nimmt für ein Interview, für seine Fans, für interessierte Menschen. Wenn Dir dieses Interview gefällt, sage es gerne weiter und wenn Du noch Fragen hast, darfst Du diese gerne hier stellen.

 

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