Interview: Jens Weißflog „Angst ist im Grunde nichts schlechtes“

Jens Weißflog ist ein ehemaliger deutscher Skispringer.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews.

Jens, bei Wikipedia steht „ist ein ehemaliger deutscher Skispringer.“ Vermissen Sie eigentlich die aktive Zeit heute nach 15 Jahren sehr?

Ehemalig heißt eben auch, dass man nach 15 Jahren nicht mehr auf die Schanze geht um mal einfach so runter zu springen. Aber ich vermisse es auch nicht. Nach über 15 Jahren im Weltcup ist die Luft irgendwann mal raus und man versucht Neues.

 

Viele „normal-Sportlichen“ Menschen können sich ja nicht vorstellen von so einer Schanze zu springen, auch ich hätte wohl zuviel Angst. Wie war das bei Ihnen? Hatten Sie nie Angst vor dem Sprung, bzw. welche Rolle hat „Die Angst“ gespielt?

Angst ist im Grunde nichts schlechtes. Sie kann den Springer ja auch vor Gefahren schützen oder vor unkontrollierten Handlungen. Deshalb sollte der Respekt nie verloren gehen. Bei mir war es so, dass das Selbstvertrauen immer am größten war, wenn es gut lief und wenn die Form mal nicht stimmte sich auch schneller Angst oder Respekt breit machte.

 

Der Großteil Ihrer Karriere war ja zu DDR Zeiten, wie war das zu der Zeit als Sportler? War man da nicht sehr eingeengt? Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit und was hat sich nach 1990 geändert?

Ohne korrigieren zu wollen, so bin ich in beiden Systemen wohl fast gleich lang gesprungen. Eingeengt habe ich mich nie gefühlt, da ich anderes auch nicht kannte und die meisten hatten sich sicher auch mit dem wie es war arrangiert. In dem was ich tun wollte wurde ich optimal gefördert. Die großen Unterschiede in den Systemen sind sicher breit gefächert. Was den Sport betraf so war die Förderung der Kinder und Jugendlichen sicher sehr gut.
Trotzdem sind politische Ungerechtigkeiten wie Mauerbau und vieles andere nicht wegzudiskutieren.

 

Sie sind ja als Skisprung-Experte beim ZDF tätig, abgesehen davon, was bedeutet der Sport Ihnen heute noch?

Nun kommende Wintersaison wird das ZDF ohne mich Skispringen übertragen. 15 Jahre waren auch hier eine schöne und erlebnisreiche Zeit.
Mir selbst bedeutet der Sport, wenn ich ihn selbst betreibe in erster Linie das eigene schlechte Gewissen zu beruhigen, da man selbst oft genügend Ausreden hat, um nicht Sport zu treiben.
Er bedeutet aber dann wiederum Befriedigung und Zufriedenheit. Beim Fernsehsport gibt es genügend Ereignisse die einem oft unglaublich unter die Haut gehen, da man als Sportler selbst viel erlebt hat und vieles auch gefühlsmäßig nachvollziehen kann.

 

Privat haben Sie eine komplett andere Karriere als Hotelier angefangen, wie kam es eigentlich dazu, läge doch eine Karriere im Sportbereich viel näher oder?

Wie schon erwähnt wollte ich nach 15 Jahren Profi haften Sport auch mal andere Bilder sehen. 
Eine anfängliche Investition in eine Hotelimmobilie wurde immer mehr zum Interesse und bei der Entwicklung des Projektes kam auch die Überlegung die vielen Jahre Hotellebenserfahrung mit einzubringen.

 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant?

In erster Linie ist die Weiterentwicklung des Hotels die Grundlage der weiteren Pläne. Mit 15 Angestellten hat man da genügend Verpflichtung. Dabei gibt es immer neue Entwicklungen und wie im Sport muss man immer auf dem neuesten Stand sein.

 

Gibt es etwas, dass Sie gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würden?

Nach zwei Jahren Urlaub in Deutschland kann ich nur jedem empfehlen, dass das Gute wirklich nah liegt. Man muss es nur entdecken wollen.

 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Mit jemandem der eine ansteckende Krankheit hat.

 

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© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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