Interview: Noah Sow „Casting-Shows sind aus TV-Sicht konsequenter und professioneller geworden“

Noah Sow ist eine deutsche Moderatorin,  Sprecherin, Musikerin, Journalistin,  Schauspielerin , Produzentin und Autorin.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews.

Das Foto wurde von Anatol Kotte geschossenen - http://www.anatol.de/

Das Foto wurde von Anatol Kotte geschossenen - http://www.anatol.de/

 

Noah, Sie sind ja Sprecherin, Journalistin, Musikerin, Produzentin, Schauspielerin und Autorin. Wie würden Sie sich selbst sehen, was würde Sie am besten beschreiben?

Wenn es ums Berufliche geht: Das trifft es eigentlich schon. Privat würde ich mich aber nicht durch meine Berufe beschreiben sondern vielleicht „Kocht gern und gut, hat ein Faible für alte Computerspiele, lernt seit langer Zeit erfolglos Gitarre, kann dafür aber wenigstens singen, ist aktive Bürgerrechtlerin, mag Sport und große Hunde“, so was in der Art.

 

Bei so vielen Talenten, bleibt da eigentlich noch sehr viel Zeit für Freunde und Familie?

Talente an sich sind ja nichts zeitraubendes, und auch nichts, wovon man sich etwas kaufen könnte. Ohne Arbeit nützen die schönsten Talente nichts. Aber mir stellt sich natürlich auch -wie allen anderen Selbständigen mit „ungeregelten Arbeitszeiten“- die Frage, wie ich meine verschiedenen beruflichen Unternehmungen, Projekte und Zustände mit meinem Privatleben vereinbaren kann. Manchmal ist das nicht ganz einfach, dann habe ich das Gefühl, ich hätte mich selbst schon seit vierzehn Tagen nicht mehr gesprochen oder gesehen. Das passiert aber eigentlich nur in Ausnahmefällen, wenn ich etwas wirklich übertrieben und mich wochenlang damit eingesperrt habe. Einige meiner Projekte entstehen aber auch in Zusammenarbeit, Musik zum Beispiel. Ich schreibe, produziere, spiele und verkaufe ein Album ja nicht alleine, sondern zusammen mit vielen Kollegen. Dass die meisten meiner Freundinnen und Freunde gleichzeitig auch Kolleginnen oder Kollegen von mir sind, also ebenfalls Musiker, Autoren, Künstlerinnen, Journalistinnen, Medienleute… macht es etwas leichter, das ganze in Einklang zu bringen. Die haben Verständnis, denen geht es genau so. Zur Familie schwinge ich mich ein paar mal pro Jahr wenn ich es schaffe, dann schalte ich dort für ein paar Tage ab, habe viel Spaß mit meinen Geschwistern und nehme 3 Kilo zu!  

 

2001 finde ich spannend, sind Sie ja aus der Jury bei Popstars freiwillig ausgestiegen, die Gründe finde ich klasse, sicher wurden Sie dazu schon unzählige Male befragt, nerven die Fragen eigentlich mit der Zeit?

Nein, im Gegenteil, je länger es her ist, desto eher finde ich das auch selbst langsam interessant; damals habe ich ja vor allem reagiert, in meinem kleinen begrenzten Handlungsspektrum, das mir eben blieb: mitspielen oder aussteigen – heute verfüge ich zum einen über ein ganz anderes Handlungsspektrum, auch über Abstand zu dem Ganzen, und zum anderen hat sich im Zirkus dieser Formate auch einiges geändert. Castingsendungen sehe ich immer noch gerne ab und zu – also den Teil, wenn die Kandidaten zum ersten mal etwas vorsingen, bevor sie in den Recall kommen. Denn da ist noch alles unverfälscht und es geht um die Personen und Performance, nicht darum, wer wem den Freund ausgespannt hat und wessen Papa arbeitslos geworden ist. Sobald diese Phase anfängt, schaudert es mich und ich muss wegschalten.

 

Haben sich die Casting-Shows Ihrer Meinung nach sehr verändert in den letzten 10 Jahren? Würden Sie heute nochmal in einer Jury sitzen wollen?

Sie sind aus TV-Sicht konsequenter und professioneller geworden: die Musik ist jetzt absolut zweitrangig, und etwas anderes wird auch gar nicht mehr behauptet. Die Sendungen laufen genau wie früher nach einem emotionalen Schema F ab, mit bestimmten Spannungsbögen, Teasern, Tränenstimulanten und Aufregern, nur dass die Kandidatinnen das inzwischen eben auch schon kennen und in vorauseilendem Gehorsam liefern, was gewünscht wird. Ich finde es kurios, das zu beobachten. Ein lustiges Geben und Nehmen für alle, die es nicht schlimm finden, in 3 Jahren nur noch bei der LIDL-Eröffnung aufzutreten. Manchmal frage ich mich: würde ich mich heute noch für eine bessere Behandlung heulend zusammenbrechender Kandidatinnen stark machen? Wahrscheinlich haben die das heulend Zusammenbrechen ja heutzutage 6 Wochen lang vor dem Spiegel geübt… Jeder weiß inzwischen, wie das Spiel läuft und wie schnell die jeweiligen Combos wieder weg vom Fenster sind, insofern ist ein Stück der Grausamkeit, die ich in der Heuchelei von damals kritisierte, inzwischen gar nicht mehr gegeben. Gut, dafür gibt es neue Grausamkeiten: Youtube Videos vom Kindergeburtstag zum Beispiel. Ich bin froh, das damals mal ganz blauäugig ausprobiert zu haben, und noch froher, dass ich mit all dem Quatsch heute nichts mehr zu tun habe.

 

Bei der Menge an Dingen, die sie gerade machen kommt man ja schnell durcheinander, was steht denn in nächster Zeit bei Ihnen an?

Ein neues Buch erscheint in der ersten Jahreshälfte 2012, ein neues Album später 2012, eine deutschlandweite Kampagne gegen rassistisch motivierte Polizeikontrollen und -Gewalt, und noch ein paar weitere Dinge. Wenn Sie nicht durcheinanderkommen sondern immer der Reihe nach mit aktuellen Veröffentlichungen informiert werden wollen, empfehle ich Ihnen meinen Newsletter zu abonnieren, auf Noahsow.de, der kommt ca. 4 mal im Jahr, immer dann wenn etwas veröffentlicht wird. Oder abonnieren Sie meine Blogeinträge, da gibt es etwas häufigere Updates und auch mal lustigen und schrägen Kram, interessante Fundstücke, usw.

 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant, darf man da schon etwas verraten?

Reicht Ihnen das noch nicht? 🙂 Also, zusätzlich zu dem oben genannten Sachen bin ich jetzt im August / September auf einem Kongress in den USA http://www.blackgermans.us/docs/keynote.pdf , danach probe ich mit meiner Band NOISEAUX  für Liveauftritte im Winter, meine media-watch Organisation der braune mob hat dieses Jahr zehnjähriges Jubiläum, das muss gefeiert werden, und diese Feier muss organisiert werden, zwischendurch mache ich ein paar Lesungen und Vorträge, z.B. in Gießen und Bayreuth (Live-Termine stehen ebenfalls auf meiner Homepage) und 2012 betreue ich dann noch einen Literaturwettbewerb für afrodeutsche Kinder und Jugendliche.

 

Gibt es etwas, dass Sie gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würden?

Pass auf Dich auf und schau, dass Du Dich immer selbst leiden kannst.

 

Nun aber auch schon zu meiner letzten Frage, diese stelle ich immer jedem, ein Markenzeichen, und bin sehr gespannt wie diese dann beantwortet wird: Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Ich möchte eigentlich mit gar niemandem in der Sauna sitzen, denn das ist mir zu viel Information. Ich bin dafür auch zu konservativ. Wenn ich zu sehr darüber nachgrüble, mit welchen Menschen ich ganz besonders nicht in der Sauna sitzen möchte, verderbe ich mir noch aus Versehen den Abend! Daher lasse ich das lieber. Sie können es sich aber sicher selbst denken.

 

nachgebloggt bedankt sich ganz herzlich für dieses Interview. Es ist nicht selbstverständlich, dass jeder sich die Zeit nimmt für ein Interview, für seine Fans, für interessierte Menschen. Wenn Dir dieses Interview gefällt, sage es gerne weiter und wenn Du noch Fragen hast, darfst Du diese gerne hier stellen.

 

Interessante Links zu diesem Beitrag

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de