Interview: Ahmet Öner „bei Felix Sturm weiß man eben, dass man ihn beschützen muss“

Ahmet Öner ist ein türkischer Boxpromoter

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews.

 

Ahmet Öner mit Evander Holyfield in Las Vegas

Ahmet Öner mit Evander Holyfield in Las Vegas

Ahmet, Sie sind ja eine Persönlichkeit im Boxsport, die sagen wir schnell aufbrausend ist, ist das die Liebe zum Beruf?

Ahmet Öner: „Ich bin einfach ein emotionaler Mensch, der in einem Umfeld wirkt, in dem es manchmal sehr hoch hergeht. Sport lebt von Emotionen. Wie Sie wissen, bin ich selbst ehemaliger Profi, da lebt man die Kämpfe seiner Jungs vielleicht noch mehr mit. Aber wirklich aufbrausend bin ich auch nur, wenn ich ungerecht behandelt fühle. Insofern ist meine Emotionalität auch meiner Liebe zur Gerechtigkeit geschuldet.“

 

Wie entstand diese Liebe zum Boxsport?

Ahmet Öner: „Eigentlich relativ spät. Ich war eher so ein Junge von der Straße. Natürlich fanden wir Kampfsport immer interessant und haben damit früh Erfahrungen gesammelt. Aber zum richtigen Training ins Gym bin ich recht spät gekommen, als der Box-Boom in Deutschland gerade losging.“

 

Sie selbst bestritten 23 Profikämpfe, gibt es welche an die Sie sich spontan am besten erinnern können?

Ahmet Öner: „Ich habe ein sehr gutes Gedächtnis, erinnere mich genau an jeden Kampf. Ich kann auch noch sagen, wer bei welcher Veranstaltung, bei der ich dabei war, Hauptkämpfer war und wie viele Tickets ich verkauft habe. Mein größter Sieg war wohl die deutsche Meisterschaft gegen Milan Konecny, den Vater von Europameister Lukas Konecny, im Februar 2000 in Duisburg. Konecny galt als Favorit, war der wesentlich besser ausgebildete Boxer, aber ich habe mich durchgekämpft und am Ende knapp nach Punkten gewonnen.“

 

Vom aktiven Boxer zum Promoter, ich kann mir vorstellen, das war ein riskanter Schritt, wenn man die Finanziellen Seiten sieht oder? War der Druck groß damals, ein Erfolg könnte ausbleiben?

Ahmet Öner: „Natürlich war es ein riskanter Schritt, aber Druck habe ich ganz und gar nicht verspürt. Im Gegenteil: Ich hatte ja nichts zu verlieren, konnte nur gewinnen. Ich habe ARENA 2006 gegründet. Zu dem Zeitpunkt war der deutsche Boxmarkt klar aufgeteilt. Universum und Sauerland waren die beiden großen Ställe, die ihr Ding gemacht haben, die Klitschkos liefen bei RTL sowieso außer Konkurrenz. Für einen dritten Big Player war da kein Platz. Ich habe mir den Platz geschaffen, frei nach dem Motto: Hoppla, hier bin ich – versucht mich aufzuhalten!“ 

Ahmet Öner mit Weltmeister Yuriorkis Gamboa und Juan Manuel Lopez

Ahmet Öner mit Weltmeister Yuriorkis Gamboa und Juan Manuel Lopez

Toll, dass Sie das dennoch geschafft haben, fehlt Ihnen aber der aktive Sport? kribbelt es nicht manchmal wenn Sie bei einem Ihrer Schützlinge am Ring sitzen?

Ahmet Öner: „Nein, mit dem Kapitel habe ich abgeschlossen. Ich wusste ja auch, dass ich als Aktiver nie ganz oben ankommen würde. Dafür fehlten mir einfach ein paar Jahre Amateur-Erfahrung und technische Ausbildung. Ich war talentiert und vor allem willensstark. Aber ohne das richtige Fundament kann man nicht in den Himmel bauen. Aber trotzdem gehe ich natürlich mit, wenn meine Jungs im Ring stehen.“

 

Zuletzt gab es ja diesen Vorfall nach dem Kampf von Odlanier Solis gegen Klitschko. Streben Sie als Promoter jetzt einen Rückkampf an?

Ahmet Öner: „Ich denke, Solis hat in der ersten Runde gezeigt, dass er Vitali schlagen kann. Er hat richtig stark begonnen und die Runde bis zu seinem Unfall und der schweren Verletzung gewonnen. Insofern finde ich, dass er ein Re-Match in jedem Fall verdient hätte. Wir müssen aber auch in dem Punkt realistisch sein. Solis hat sich das vordere Kreuzband gerissen, den Außenmeniskus eingerissen und einen riesigen Knorpelschaden zugezogen. Er geht immer noch an Krücken und kann erst in ca. vier Wochen mit der richtigen Reha beginnen. Für einen Kampf reicht es frühestens Ende des Jahres wieder, dann wird er mit Sicherheit einen Aufbaukampf brauchen, um wieder reinzukommen. Ich glaube, bevor er soweit ist, dass er Vitali wieder herausfordern könnte, ist der schon zurückgetreten. Außerdem wird Vitali nach dem Verlauf dieser ersten Runde wieder alles tun, um einen Rückkampf zu verhindern. Er weiß, dass er gegen Solis verlieren würde.“

 

Ich glaube mich zu erinnern, dass Sie etwas in der Art sagten wie „Ich schicke keine Flasche in den Ring“ glauben Sie das im Boxsport oft Handverlesene Gegner gegen die Champions Boxen?

Ahmet Öner: „Natürlich gibt es im deutschen Boxen seit Jahren strukturelle Probleme. Universum ist letztlich daran zugrunde gegangen, dass sie ihre so genannten Weltmeister nur gegen Gemüse haben boxen lassen. Oder nehmen Sie ein anderes aktuelleres Beispiel: Felix Sturm hat nach seiner Trennung von Universum den Mund sehr voll genommen und rumgetönt, dass er nur noch gegen die Stärksten kämpfen will. Stattdessen hat er mit Giovanni Lorenzo und Ronald Hearns zwei B- oder sogar C-Fighter verprügelt und sich hinterher groß als Super Champion feiern lassen. Der Titel steht ihm eigentlich gar nicht zu. Ich muss gestehen, dass ich daran nicht ganz unschuldig war. Er hatte mich damit beauftragt, die Gegner zu vermitteln. Ich hätte ihm gerne härtere Jungs in den Ring geschickt, aber bei Sturm weiß man eben, dass man ihn beschützen muss. Es gibt im Mittelgewicht einige Leute, die ihn schlagen können. Und gegen die will ich natürlich nicht ran. Aber wir arbeiten jetzt daran, dass er seinen Witz-Titel pflichtverteidigen muss und dann wird es für ihn richtig eng.“

Ahmet Öner mit Odlanier Solis

Ahmet Öner mit Odlanier Solis

 Nach der Verletzung, wie geht es eigentlich Odlanier?

Ahmet Öner: „Odlanier ist in Miami bei seiner Familie. Wir stehen in engem Kontakt. Tatsächlich hat der dramatische Kampfverlauf bei ihm ein Umdenken ausgelöst. Er ist jetzt nicht mehr der reine Söldner, der noch vor dem Kampf betont hat, dass er nur für Geld in den Ring steigt. Er hat gesehen, wie leicht er Vitali schlagen kann, und das hat ein neues Feuer in ihm entfacht. Er hat seine Leidenschaft entdeckt und würde am liebsten sofort loslegen. Jetzt ist das Wichtigste, dass wir ihn bremsen und kontrolliert zurück an die Spitze führen. Wenn er jetzt zu schnell zu viel will, kann das Rückschläge im Heilungsprozess bedeuten.“

 

Was wird es in der Zukunft noch neues geben, wann werden wir wirder einen Ihrer Boxer sehen?

Ahmet Öner: „Ich konzentriere mich inzwischen auf die großen Kämpfe, das Tagesgeschäft interessiert mich nicht mehr so sehr. Der deutsche Markt gibt das leider im Moment auch nicht her. In den USA wird unser kubanischer Superstar Gamboa im September wieder einen großen Kampf machen. Er ist Hauptkämpfer bei HBO und auf dem besten Weg zum absoluten Mega-Star. Außerdem haben wir mit Selcuk Aydin einen türkischen Weltergewichtler, der inzwischen seit zwei Jahren auf einen WM-Kampf wartet. Das werden wir in diesem Jahr auch noch realisieren. In Deutschland warten wir auf das Comeback von Solis und bauen parallel dazu Erkan Teper auf, ein sehr aussichtsreicher und sehr sympathischer deutscher Schwergewichtler, von dem man hoffentlich noch viel hören wird.“

 

Möchten Sie an dieser Stelle gerne dem Leser etwas Spezielles mitteilen?

Ahmet Öner: „Wir bringen demnächst offizielle HALT DIE FRESSE T-Shirts auf den Markt. Die Jungs aus unserem Marketing haben meinen Ausraster gegenüber Bernd Bönte mit einem ironischen Augenzwinkern umgesetzt. Es ist unfassbar, wie oft ich auf die Szene angesprochen wurde, nachdem Stefan Raab das auf seinen kleinen Buzzer gelegt hat. Wer ein Shirt will, der sollte in den nächsten Tagen mal in unseren Online-Shop auf arenaboxpromotion.com schauen.“

 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Ahmet Öner: „Ich kann Ihnen eine ganze Menge Frauen nennen, mit denen ich gerne in der Sauna sitzen würde… Ich habe vor niemandem Angst und ekele mich auch nicht so schnell. Ich kann mir aber vorstellen, dass mein Name öfter fällt, wenn Sie dieselbe Frage andere Leuten stellen. Fragen Sie das doch mal Bernd Bönte… Es gibt viele Menschen, die mit mir nicht unbedingt alleine in einem Raum sein wollen.“

 

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