Interview: Henriette Kuhrt „Wenn man allein vor sich hinschreibt, besteht eine große Verschratungsgefahr“

Henriette Kuhrt ist eine deutsche Schriftstellerin und Journalistin.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews.

© Paul Schirnhofer

© Paul Schirnhofer

Henriette, Sie arbeiten als freie Journalistin für Tageszeitungen und Illustrierte, mich würde sehr interessieren wo man im Moment was von Ihnen lesen kann?

Ich schreibe regelmäßig für nido und den Gesellschaftsteil der Neue Zürcher Zeitung am Sonntag, die ist in Deutschland natürlich nicht ganz leicht zu kriegen.  Im Moment bin ich aber gerade dabei, eine Homepage zu bauen, so dass es bald alle aktuellen Texte zum Nachlesen gibt. 

 

Wann haben Sie eigentlich gemerkt, dass Sie ein besonderes Talent dafür haben „zu schreiben“?

Ich glaube, es ist eher so, dass ich schon in der Schule wusste, dass ich unbedingt schreiben wollte. Ob ich talentiert war oder nicht, darüber habe ich in der Zeit überhaupt keine Gedanken gemacht. Aber nachdem ich nach dem Abi ein Jahr lang ziellos durch Berlin geirrt war und mir nicht sicher war, wie ich mein Ziel erreichen konnte, war ich sehr erleichtert, an die Journalistenschule in München gehen zu können. Das war immens hilfreich, da die meisten Redakteure und Lektoren einem dann schon einen ziemlichen Vertrauensvorschuss einräumen.

 

Und das war dann auch immer der Berufswunsch, oder entstand dieser anders?

Ich wollte schon immer Journalistin und Schriftstellerin werden, und ich finde es fabelhaft, dass in meinem Leben beide Tätigkeiten Platz haben. Ich könnte nicht andauernd allein in der Bibliothek sitzen und Romane raushauen, ich muss auch mit kürzere Sachen machen, Leute treffen, rausgehen, Abgaben einhalten. Wenn man allein vor sich hinschreibt, besteht eine große Verschratungsgefahr, das ist nicht gut fürs Gemüt.

 

„Männer in Serie“ heißt Ihr erster Roman, möchten Sie kurz erklären um was es da geht?

Meine Heldin Katharina wird aus Versehen von dem D-Promi Rocco schwanger – der sich in seiner Wahrnehmung allerdings für einen Superstar hält. Da schnell klar ist, dass aus den beiden nichts wird, beschließt Katharina, das Kind alleine aufzuziehen. Und während sie feststellen muss, dass das Baby ihr ganzes Leben umkrempelt und sie nun mit ihrem Sohn alleine zu Hause sitzt, muss sie auch noch mitansehen, wie Rocco nun mit seiner wundervollen Modelfreundin den Durchbruch zum richtigen Star gelingt. Aber Katharina schafft es, sich ihr Leben zurückzuholen, arbeitet wieder und sucht nun auch wieder eine neue Liebe. Doch dann tritt Rocco wieder auf den Plan – der neben seiner beruflichen Erfolg jetzt auch eine neue Facette seiner Persönlichkeit entdecken möchten: Die des Vaters.

 

Wie kam es denn zu der Geschichte?

Die Idee hatte ich an einem Abend; ein Freund hat mir erzählt, dass er sich in eine allein erziehende Mutter verliebt hatte, und plötzlich fing dieser Gedanken an, sich in meinem Kopf weiterzudrehen. Ich habe diese Anekdote dann in Verbindung mit meinen Beobachtungen bei meiner Arbeit bei der Bunten gebracht, vor allem aber auch mit meinen Begegnungen mit dem D-Promi- und Starlet-Milieu, das mich damals fasziniert hat.

 

Wieviel eigene Erfahrungen stecken in dem Buch?

Ich bin ja selber eine junge Mutter, und ich habe am eigenen Leib erfahren, wie es plötzlich ist, wenn das Leben, das zuvor so viel Tempo aufgenommen hat,  sich plötzlich nur noch zwischen Drogerie und Wohnzimmer abspielt. Plötzlich hatte ich das Gefühl, meilenweit von meinen alten Freunden entfernt zu sein, und nur noch fremdbestimmt durch den Alltag zu hetzen. Dieses Gefühl, erst einen neuen Weg finden zu müssen, mit meinem Kind ein Leben zu führen, das Spaß bringt und schön und anregend ist, kenne ich auf jeden Fall von mir.

 

Der „One-Night-Stand“ ist ja ein Thema, in ihrem Buch geht es zunächst nicht gut aus, was halten Sie persönlich von One Night Stands?

Ein One-Night-Stands ist wie zuviel Alkohol, nach dem Rausch folgt leider ein Kater. So geht es ja auch meiner Heldin, die nach dem Sex erst einmal anfängt, um fünf Uhr früh die Küche aufzuräumen, um so zumindest wieder die äußere Ordnung herzustellen. Für die Handlung ist der One-Night-Stand auf jeden Fall wichtig, weil Katharina deshalb ein Kind mit einem Mann kriegt, denn sie kaum kennt und vermutlich auch nicht besonders gemocht hätte, wenn sie ihn ein bisschen besser kennengelernt hätte. Doch nun ist sie mit einem Mann verbandelt, der nicht nur völlig von sich selbst eingenommen ist, sondern auch noch von seiner Umwelt pausenlos bestätigt kriegt, wie gutaussehend und charmant er eigentlich ist. Und darum soll es in der Hauptsache auch gehen: wie es ist, seine Zeit mit jemanden verbringen zu müssen, der ALLE Privilegien auf einmal hat und auch noch denkt, das gehöre sich so.

 

Man sollte das Buch kaufen weil … ?

… es lustig ist ohne doof zu sein.

 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant?

Homepage, Urlaub, mehr Kinder, mehr Bücher, und vielleicht auch Kinderbücher. Also: vieles!

 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Hm … mit jemandem, der mich kurz zuvor nach One-Night-Stands befragt hat?

 

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