Interview: Fabian Renk und Arndt Leininger „Schuldenkrisenquartett“

Vor kurzem habe ich ein wirklich interessantes Projekt entdeck. Fabian Renk und Arndt Leininger haben ein Quartett erfunden. Wer kennt diese tollen Kartenspiele nicht noch aus seiner Kindheit? Verglich man damals noch PS und Hubraum vergleicht man heute dank Fabian Renk und Arndt Leininger Schulden. Das Spiel heißt Schuldenkrisenquartett und sieht auf dem ersten Blick recht spannend aus. Aber nicht nur auf dem ersten Blick, nein es macht sogar richtig Spaß und ganz nebenbei lernt man noch etwas. Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne dann mal nachfrage wie es zu solchen Ideen gekommen ist, was ich auch hier getan habe. Fabian und Arndt waren natürlich gerne bereit mir einige Fragen über das Spiel zu beantworten.

Fotograf: Felix Banaszak

Fotograf: Felix Banaszak

Wie kam es zu der Idee mit dem Quartett?

In vielen Diskussionen haben wir immer wieder gemerkt, dass es den meisten Leuten schwerfällt die Schuldenkrise zu verstehen und viele sich gar nicht damit beschäftigen oder beschäftigen wollen. Als Wirtschafts- (Fabian) bzw. Politikstudent (Arndt) wird man da schnell von Freunden als Experte herbeigezogen und muss „mal schnell was erklären“. Jedoch, Erklärungen ziehen sich in die Länge und driften sehr schnell ab ins Fachchinesische. Irgendwie muss es doch möglich sein, die Krise für alle verständlich darzustellen, dachten wir uns. Da wir seit unserer Kindheit leidenschaftliche Quartettspieler sind, und da die Schuldenkrise selbst Züge eines bizarren Spiels trägt, war die Idee schnell klar. Ein Schuldenkrisenquartett soll es sein. Früher haben wir beim Quartett-Spielen schnelle Autos verglichen, heute vergleichen wir eben Pleiteländer.

Fotograf: Felix Banaszak

Fotograf: Felix Banaszak

Die stärkste Karte ist Griechenland?

Du hebst offensichtlich nicht auf die „familienfreundliche“ Spielvariante ab, sondern auf die die bedeutend mehr Spaß macht. Griechenland ist eine „starke“ Karte, ohne Frage, wird aber in Punkto  Staatsverschuldung locker von Japan geschlagen, das eine Staatsverschuldung von 196,4 % des BIP aufweist. Bei der Pro-Kopf-Verschuldung  ist Irland ganz vorne mit dabei. Gerade, das ist ja das Spannende am Spiel. Staatsverschuldung ist nicht gleich Staatsverschuldung, das wird  durch unser Spiel klar, denn so hat z.B. Japan ein wesentlich besseres Rating als Griechenland. Auf den Karten wird immer noch informiert und der Einfluss der Krise auf das jeweilige Land beschrieben, damit das Zahlenwirrwarr noch ein bisschen deutlicher und besser verständlich wird.

 

Das Spiel spielt sich also wie ein klassisches Quartett oder gibt es noch Unterschiede?

Es macht bedeutend mehr Spaß und klärt gleichzeitig über ein brandaktuelles politisches Thema auf, was man vom klassischen Autoquartett nicht gerade behaupten kann. Es spielt sich prinzipiell genau wie das klassische Quartett, nur die Vergleichskategorien sind nicht ganz so klassisch. Statt PS-Zahlen und Geschwindigkeiten werden nun eben Rating, Staatsverschuldung, Neuverschuldung, Nettoauslandsvermögen und die Auslandsverschuldung pro Kopf verglichen. Außerdem, das ist das demokratische Element des Spiels, erlaubt es jedem Steuerzahler mal selbst, wie die Finanzminister, mit Milliardenbeträgen zu hantieren. An Bundesfinanzminister Schäuble haben wir übrigens auch schon ein Quartett geschickt, in der Hoffnung darauf, mit ihm gemeinsam um Milliardenbeträge zu spielen. Bisher hat er uns leider noch nicht zum gemeinsamen Zocken ins Finanzministerium eingeladen.

Fotograf: Felix Banaszak

Fotograf: Felix Banaszak

Die Zahlen auf den Karten entsprechen der Realität oder sind das Phantasie Zahlen?

Auf den ersten Blick wirken diese Beträge vielleicht wie Phantasiezahlen, aber sie sind Realität. Alle Zahlen haben wir von frei verfügbaren öffentlichen Datenbanken bezogen, z.B. von der Weltbank. Die Ratings kommen direkt von der Rating-Agentur Fitch.

 

Gibts schon Ideen für ein weiteres Quartett oder bleibt es bei diesem?

Das Problem bei solch einem Spiel ist die Aktualität. Das Spiel ist zwar brandneu, aber schon wieder wurde am Rating von Portugal und anderen Ländern gedreht. Darum werden wir über kurz oder lang nicht darum herum kommen eine 2. Auflage zu entwickeln. Wir sind schon wieder fleißig am Zahlen sammeln. Aber auch andere Ideen nehmen langsam Formen an. Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Ideen, das bahnbrechende neue Projekt haben wir aber noch nicht gefunden. Schließlich soll unser Spiel nicht nur Spaß machen, sondern auch eine Message haben, ein Dönerbudenquartett wäre uns da zu einfach – gibt es auch schon. Das Prinzip lässt sich auch auf andere Spiele übertragen, warum nicht ein Schuldenkrisen-Monopoly entwickeln. Ideen gibt es genug.


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© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de