Interview: Denis Moschitto „Die Komödie wird fälschlicherweise gering geschätzt, sie ist aber eine sehr ernste Sache“

Denis Moschitto ist eine deutscher Schauspieler.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews.

© NDR/Maria Krumwiede

© NDR/Maria Krumwiede

Denis, Sie haben italienische und türkische Wurzeln, was verbindet Sie eigentlich heute zu diesen?

Ich habe weder italienische, noch türkische Wurzeln; ich komme aus dem Rheinland. Wenn Sie mich fragen, was mich mit der Türkei und Italien verbindet, so sind es in erster Linie meine Eltern. Meine Eltern haben einen Migrationshintergrund, ihre Wurzeln mögen woanders liegen, ich aber bin in einem Kölner Krankenhaus zur Welt gekommen.

 

Es ist schwer, etwas über Ihre Schauspielausbildung zu finden, wo haben sie denn das Schauspiel gelernt? und wollten Sie schon immer Schauspieler werden oder wann entstand der Traum?

Ich habe keine klassische Schauspielausbildung absolviert und es war nie wirklich ein Traum von mir Schauspieler zu werden. Ich habe einfach gespielt weil es mir Spaß gemacht hat und tue es noch heute. Wenn man so will, habe ich das Spielen also autodidaktisch gelernt und lerne es noch immer.

 

Und wie schwer war es dann mit diesen Wurzeln auch Schauspieler zu werden, oder gab es da keine Schwierigkeiten?

Ich hatte durch mein südländisches Aussehen im Beruf eher Vorteile. Doch das ist ganz einfach nur Glück und nicht die Norm. Viele meiner Kollegen werden erst gar nicht als Schauspieler wahrgenommen. Sie sind oft nicht mehr als Migrantenschwenkfutter und ehrenmorden sich endlos durchs Fernsehprogram. Proschat Madani hat in Ihrem Blog sehr treffend gesagt, dass das Fernsehen langsamer sei als die Realität, dem kann ich nur zustimmen.

 

Für Chiko waren Sie sogar für den Deutschen Filmpreis als bester Hauptdarsteller nominiert, Vorher haben Sie fast nur „Komödien“ gespielt, war Chiko so eine Art Durchbruch für Sie als ernsthafter Darsteller?

Die Komödie wird fälschlicherweise gering geschätzt, sie ist aber eine sehr ernste Sache. In meinen Augen gibt es kaum ein schwierigeres Genre. Die Komödie fordert Schauspielern, Regisseuren und Drehbuchautoren viel ab und meiner Meinung nach zeigt sich wahres Können erst hier. Keine Frage, Chiko ist ein wichtiger Film in meiner Karriere gewesen, mit Ernsthaftigkeit hat das aber nichts zu tun.

 

Chiko war meiner Meinung nach auf ihr bester Film: Gibt es eigentlich Rollen, Szenen an die Sie sich spontan am besten erinnern und wirklich gelungen, lustig oder einfach nur gut fanden?

„Verschwende deine Jugend“ von Benjamin Quabeck zum Beispiel. Ich spiele darin Gabi Delgado, den Sänger der Band DAF. Bis heute ist es die kurioseste Rolle die ich je gespielt habe. Der Film ist an den Kinokassen gefloppt, obwohl er mit sehr viel Liebe zum Detail gemacht wurde und großartig besetzt ist.

 

Chiko läuft demnächst als FreeTV Premiere auf ARD, angesprochen auf Ihren weiteren Hintergrund: Ist das Ihrer Meinung nach in Ordnung soviele Jahre vergehen zu lassen bis ein Film vom Kino ins Fernsehen kommt? Fördert man damit nicht die Raubkopiererei, Plattformen wie kino.to etc?

Dass Filme oft erst spät nach ihrem Kinostart im Fernsehen zu sehen sind, steht mit der Verbreitung von Schwarzkopien im Internet in keinem Zusammenhang. Das Thema ist sehr komplex. Allen, die sich mehr mit der Materie auseinander setzen wollen, kann ich nur das Buch „No Copy“, von Evrim Sen und Jan Krömer empfehlen. Eine äußerst spannende und überraschende Lektüre.

 

Wirkte sich das Schreiben von Hackerland und Hackertales eigentlich in Ihren Augen medial negativ aus?

Nein, überhaupt nicht. Zu diesem Teil meiner Vergangenheit werde ich nur selten befragt. Das überrascht mich aber auch nicht sonderlich, die beiden Bücher haben immerhin schon fast fünfzehn Jahre auf dem Buckel.

 

Aktuell drehen Sie gerade…?

Nichts, ich gönne mir im Moment eine kleine Auszeit. 

 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant, darf man da schon etwas verraten?

Gegen Ende des Jahres kommt „Rubbeldiekatz“ von Detlev Buck ins Kino. Darin spiele ich eine schmierige Nebenrolle an der Seite von Matthias Schweighöfer.

 

Gibt es etwas, dass Sie gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würden?

Esst mehr Gemüse!

 

Nun aber auch schon zu meiner letzten Frage, diese stelle ich immer jedem, ein Markenzeichen, und bin sehr gespannt wie diese dann beantwortet wird: Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Die Liste ist zu lang und wenn ich ganz ehrlich bin, habe die Sauna am liebsten für mich alleine.

 

nachgebloggt bedankt sich ganz herzlich für dieses Interview. Es ist nicht selbstverständlich, dass jeder sich die Zeit nimmt für ein Interview, für seine Fans, für interessierte Menschen. Wenn Dir dieses Interview gefällt, sage es gerne weiter und wenn Du noch Fragen hast, darfst Du diese gerne hier stellen.

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