Interview: Dr. Christine Theiss „Mein nächster Kampf findet am 26.08.2011 in Karlsruhe statt und wird erneut live in Sat.1 übertragen“

Dr. Christine Theiss ist eine deutsche Kickboxerin und seit 2007 Weltmeisterin.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews.

 

Voltaren/Uwe Fischer

Voltaren/Uwe Fischer

Frau Dr. Christine Theiss, Christine, der Dr. Titel, ist ein Doktor für was?

Meine Doktorarbeit habe im Fach Humanmedizin speziell in der Kardiologie verfasst. Das Thema meiner Dissertation lautet „G-CSF als neoadjuvante Therapie bei verspätet revaskularisiertem Myokardinfarkt (STEMI)“.

Übersetzt bedeutet das: Die Freisetzung von körpereigenen Stammzellen durch das Medikament G-CSF als zusätzliche Therapie nach einem frischen Herzinfarkt, bei dem das verschlossene Gefäß erst relativ spät durch einen Herzkatheter aufgedehnt wurde.

Man muss ja schon fast zu heutigen Zeiten nachfragen, der Dr. Titel ist ehrlich erhalten?

Es war eine mehrjährige klinische Studie, Placebo-kontrollert (50% erhielten richtiges Medikament, 50% ein Scheinmedikament) doppel-geblindet (sowohl Arzt als auch Patient wussten nicht, wer welches Medikament erhält) und die Studie wurde mehrfach national und international publiziert. Note meiner Doktorarbeit war ein „Magna cum laude“. Mal kein Plagiat! 😉

Legen Sie sehr viel Wert auf diesen Titel, wenn Sie angesprochen werden?

Das ist lustig, als ich noch in Klinik tätig war hat mich jeder automatisch mit Frau Doktor (oder Schwester) angesprochen, obwohl ich es nicht war. Jetzt bin ich promoviert und der Titel wird eher selten genannt. Ich selbst lege nur bei offiziellen Sachen Wert darauf, dass er schriftlich festgehalten wird, da er ja ein Bestandteil meines Namens ist.

Sie sind die erfolgreichste Kickboxerin der Welt, wie entstand die Liebe zu diesem Sport?

Die ist über viele Jahre gewachsen. Ich habe im Januar 1988 mit dem Kickboxtraining begonnen nachdem ich eine Klassenkameradin dorthin begleitet hatte. Zu Beginn standen der Spaß im Vordergrund, das Austoben und die Freunde. Später kam der sportliche Ehrgeiz hinzu. Kickboxen ist eine Sportart, die einen von Kopf bis Fuß physisch, aber auch mental stark fordert. Zudem habe im Kampfsportzentrum Steko ein Team gefunden, bei dem es jeden Tag aufs Neue Spaß macht, sich selbst herauszufordern und weiterzuentwickeln. Dieser Background ist und bleibt bei allem Erfolg das Wichtigste.

Sie sind nun seit so ziemlich genau 4 Jahren ungeschlagene Profi-Weltmeisterin, ist das nicht ein unheimlicher Druck vor jedem Kampf, eine Art Angst zu verlieren oder wie gehen Sie damit um?

Meine Kämpfe werden mittlerweile live vor einem Millionenpublikum am Samstagabend ausgestrahlt, das verringert natürlich nicht den Druck. Aber ich hatte das Glück, über viele Jahre in einem „geschützten“ Rahmen hinein zu wachsen und meine eigenen Strategien gegen Druck zu entwickeln. Vor einem Kampf beschäftige ich mich nie mit dem Gedanken des Scheiterns, dieser existiert für mich nicht. Ich stelle mir vor, wie schön es sein wird, wenn ich gewonnen habe und stelle mir Kampfszenen vor in denen ich die Gegnerin dominiere. Außerdem werde ich von meinem Trainer Mladen Steko immer exzellent auf meine Gegnerinnen eingestellt, so dass ich mich voll und ganz auf meine Fähigkeiten und sein taktische Verständnis und hervorragendes Auge verlassen kann.

Voltaren/Uwe Fischer

Voltaren/Uwe Fischer

Sie sind noch jung, wie ist das als Kickboxerin, ab wann muss man sich in dem Sport Gedanken über seine berufliche Zukunft machen? Und was machen Sie nach Ihrer aktiven Karriere, ist da schon etwas in Planung? Oder ist das alles noch weit weg?

Für eine Sportlerin bin ich nicht mehr jung. Allerdings habe ich festgestellt, dass die meisten Vollkontakt-Kickboxer mit Anfang 30 am besten sind. Körperlich ist man zu diesem Zeitpunkt in der Regel noch fit, hat aber sehr viel Erfahrung, Routine und Taktikgespür in den Jahren dazugewinnen können. Ein sehr wichtiger Aspekt in diesem Sport. Ich möchte gerne aufhören bevor ich schlechter werde und die Leute mich nicht mehr sehen wollen.

Außerdem bin ich eine verheiratete Frau, Familienplanung spielt da natürlich auch eine Rolle. Ende 2012 enden meine Verträge und dann wird noch einmal gründlich Bilanz gezogen und nachgedacht.

Und Ihr nächster Kampf?

Mein nächster Kampf findet am 26.08.2011 in Karlsruhe statt und wird erneut live in Sat.1 übertragen.

Wie lange haben Sie immer Zeit sich auf einen Kampf direkt vorzubereiten und wie sieht so eine Vorbereitung aus?

Eine normale Vorbereitungszeit beträgt bei mir 10 Wochen. Zu Beginn stehen Kraft- und Ausdauertraining im Vordergrund. Dann kommen Techniktraining, spezifische Kraftausdauer, Einzeltraining und Sparring dazu. Je näher der Kampf rückt, des spezifischer wird alles auf die nächste Gegnerin abgestimmt.

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant, darf man da schon etwas verraten?

Im Moment habe ich die Gelegenheit in sehr viele verschiedene Bereiche hinein zu schnuppern und ich kann und will mich im Moment noch nicht festlegen.

Gibt es etwas, dass Sie gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würden?

Bitte liebe Leute, treibt Sport! Vor allem lasst Eure Kinder Sport betreiben.

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Einem BILD.de-Reporter.

nachgebloggt bedankt sich ganz herzlich für dieses Interview. Es ist nicht selbstverständlich, dass jeder sich die Zeit nimmt für ein Interview, für seine Fans, für interessierte Menschen. Wenn Dir dieses Interview gefällt, sage es gerne weiter und wenn Du noch Fragen hast, darfst Du diese gerne hier stellen.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de