Interview: Andrea Ballschuh „selbst meine Lehrerin war davon überzeugt, dass ich den journalistischen Weg einschlagen solle“

Andrea Ballschuhl ist eine deutsche Fernseh- und Radiomoderatorin.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews.

 

Andrea, Ihre erste Station im Fernsehen war als Kinderansagerin im DDR-Fernsehen. Wie sind sie denn damals daran gekommen?

Ich bin durch ein klassisches Casting zu dieser Sendung gekommen. Man hatte dazu aufgerufen, eine Freundin meiner Mutter, die von meinem Talent überzeugt war, erfuhr davon und insistierte, dass ich dorthin gehen sollte. Und plötzlich war ich im Fernsehen. Damals war ich 11 Jahre alt.

 

War dieses dann auch Ihr Berufswunsch, der der Moderatorin oder kam dieser zu einem anderen Zeitpunkt?

© Sven Hagolani

© Sven Hagolani

Damals wollte ich noch Unterstufenlehrerin werden (heute sagt man dazu Grundschullehrerin), aber selbst meine Lehrerin war davon überzeugt, dass ich den journalistischen Weg einschlagen solle und das gab ich dann auch als Studienwunsch für meine Abi Bewerbung an. Ich bestand dann auch die Aufnahmeprüfung für das Volontariat beim Fernsehen der DDR, aber dann kam die Wende und es gab kein Fernsehen der DDR mehr. In der Zwischenzeit hatte ich beim Jugendradio DT 64 gejobbt und fand Spaß an der Arbeit beim Radio. Ich liebte es, mit der Stimme zu spielen. Dann bekam ich die Möglichkeit nach dem Abitur für ein Jahr als Au-Pair-Mädchen nach Los Angeles zu gehen. Dort betreute ich 3 Kinder, eines davon war schwerst geistig und körperlich behindert. Ich begleitete Sophie in die Behindertenschule und zu Therapien, wir beide hatten einen ganz engen Draht zueinander, obwohl sie nicht sprechen konnte. Die Erfahrung mit ihr hat mir unglaublich viel gegeben. Daraufhin wollte ich eigentlich Physiotherapeutin werden, um mit behinderten Kindern arbeiten zu können. Ich hätte aber 3 Jahre auf einen Ausbildungsplatz warten müssen. Um die Zeit zu überbrücken bewarb ich mich beim Radio als Moderatorin, damals war ich 21. Man nahm ich, ich hatte gleich eine eigene Sendung 5 Tage die Woche und so blieb ich dann dort hängen. Der Radiosender, bei dem ich damals arbeitete, rs2, war in einem Gebäude mit der Deutschen Welle. Die suchten eine Moderatorin, die auf Deutsch und englisch das Wetter präsentieren konnte. Ich konnte aus meiner Zeit in L.A. Gut englisch und wollte einfach noch mal für mich wissen, ob ich es noch kann, vor der Kamera zu stehen. Sie nahmen mich, jemand von Sat.1 sah mich, warb mich ab und dann ergab sich der Rest von allein. Und ich kam einfach nie dazu eine Ausbildung zu machen….

 

1991 haben Sie Ihr Abitur gemacht und haben von der ehemaligen DDR eigentlich gar nicht so viel mitbekommen oder?

Ich war 17 als die Mauer fiel, bis dahin habe ich schon viel mitbekommen. Aber nicht so viele negative Seiten wie viele ältere Menschen. Aber meine gesamte Schulausbildung ist eine DDR-Schulausbildung. Mit Pionierorganisation, FDJ, Appellen auf dem Schulhof, Gehirnwäsche im Staatsbürgerkundeunterricht. Aber erst als ich 17/18 wurde fing es an mich zu belasten. Bis dahin war es Alltag, ich kannte es ja nicht anders. Und ich hatte schon eine schöne Kindheit, es hat mir nichts gefehlt.

 

Ein aktuelles Projekt, was ich sehr spannend finde ist die hr Radiosendung „100 pro deutsch“ erzählen Sie mal um was es da geht?

Damit habe ich mir einen großen Traum erfüllt. Radio ist meine Leidenschaft. Und schon immer hatte ich einen Faible für deutsche Pop- und Rockmusik. In meinem Cd-Schrank stehen zu 70% CD’s von deutschsprachigen Künstlern. Der hessische Radiosender hr3 hat mir die Möglichkeit gegeben, jeden Sonntagabend ab 21 Uhr 3 Stunden nur deutsche Musik zu spielen und auch meine eigenen Vorschläge mit einzubringen. Ich spiele also auch Musik von Künstlern, die sonst nicht im Radio laufen, stelle Newcomer vor. Außerdem führe ich fast jede Woche längere Interviews mit bekannten Künstlern. Ich nehme noch richtig Einfluss aufs Programm. Ich genieße jeden Sonntagabend so sehr! Und das Feedback ist toll!

© hr3

© hr3

Welche Künstler, die die breitere Masse eventuell kennt, haben Sie denn da schon vorgestellt?

Xavier Naidoo, Laith Al Deen, Clueso, Ina Müller, Annett Louisan, Cassandra Steen, Frida Gold waren da, Bosse, Jupiter Jones, Johannes Oerding,  Joy Denalane sind vorbei gekommen.

Im Sommer ist es ruhiger, nach den Ferien gehts dann wieder weiter mit den Interviews.

 

Was macht für Sie den Reiz an dieser Sendung aus?

Der Reiz dieser Sendung liegt darin, dass ich noch richtig Einfluss nehmen kann auf das Programm, dass ich die Möglichkeit habe auch Newcomern eine Plattform zu bieten und dass ich die Künstler auch von einer anderen Seite zeigen kann, denn die reden bei mir nicht nur über die Musik, sondern auch über Persönliches. Und ich trage dazu bei, dass deutsche Musik in Deutschland einen hohen Stellenwert bekommt. Das macht mich stolz.

 

Sie interviewen in dem Rahmen auch die Künstler, können Sie sich noch an Ihr erstes Interview erinnern?

Mein erstes Interview war mit Xavier Naidoo. Ich war sehr aufgeregt, denn ich hatte gehört, er wäre sehr schwierig. Dann kam er auf mich zu und siezte mich, was mich völlig irritierte. Die Musiker duzen doch sonst alle. Obwohl es vor einem Konzert war und Künstler sonst ungern vor Konzerten Interviews geben hat er sich 30 Minuten Zeit genommen und sehr persönliche Sachen erzählt, z.B. Dass bei ihm zu Hause nie Weihnachten gefeiert wurde, er Weihnachten gern für seine Leute im Studio kocht. Er wollte ja ursprünglich auch Koch werden. Vor Auftritten ist er vor lauter Lampenfieber immer sehr müde und gähnt sehr viel. Ich war sehr beeindruckt von ihm.

 

Sie moderieren außerdem Das MDR Quiz „Quickie“, ZDF die Sendung „sonntags“  was macht Ihnen mehr Spaß, Radio oder Fernsehen?

Das lässt sich so schwer sagen, weil es so unterschiedlich ist. Im Radio ist es egal, wie ich aussehe, da zählt nur die Stimme und man ist irgendwie näher dran am Hörer.  Fernsehen hat wieder einen ganz anderen Reiz, da erlebe ich viel Zwischenmenschliches und muss den Zuschauer abholen und verbindlich sein. Ich bin dankbar, beides machen zu dürfen. Denn würde ich eines davon nicht ausleben können würde ich es vermissen. Ich bin momentan beruflich richtig glücklich und ausgefüllt.

 

© Sven Hagolani

© Sven Hagolani

Auf Ihrer Webseite steht, ihr Lieblingsfilm ist: „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ Meine Frau kommt auch aus dem Osten und auch Sie schwärmt von diesem Film. Das Kinderprogramm in der ehemaligen DDR muss intensiver gewesen sein wie das in Westdeutschland oder? Ich als „Wessi“ habe keine so tiefe Empfindung für Filme dieser Art, woran mag das liegen?

Diesen Film lieben auch alle Wessis, zumindest die weiblichen, sonst würde er nicht jedes Jahr wieder gezeigt werden. Die tschechischen Märchenfilme haben einfach einen besonderen Zauber, sind so liebevoll gemacht. Und die Musik dazu ist auch entscheidend. Jeder kennt die Melodie dieses Films. Man taucht ein in eine andere Welt.

Ich kennen keine Frau, die diesen Film kennt,  die nicht begeistert ist davon. Ansonsten kann man schon sagen, dass das Kinderprogramm im Fernsehen der DDR ein sehr schönes war, recht aufwändig und liebevoll gestaltet. Viele kennen auch heute noch die Serie „Spuk unterm Riesenrad“.

 

Gibt es etwas, dass Sie gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würden?

Liebe Leute, seid dankbar, wenn Ihr gesund seid und geht sorgsam mit der Liebe um. Denn nur das beides zählt im Leben wirklich!

 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Ich gehe generell nicht in die Sauna, weil ich mich nicht vor anderen Menschen nackt zeige und diese Hitze einfach nicht ertrage. Ich möchte also mit keinem in der Sauna sitzen 🙂

 

nachgebloggt bedankt sich ganz herzlich für dieses Interview. Es ist nicht selbstverständlich, dass jeder sich die Zeit nimmt für ein Interview, für seine Fans, für interessierte Menschen. Wenn Dir dieses Interview gefällt, sage es gerne weiter und wenn Du noch Fragen hast, darfst Du diese gerne hier stellen.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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