Interview: Brigitta Mühlenbeck „Die Maus ist einzigartig. Seit vier Jahrzehnten erfindet sie sich jeden Sonntag neu“

Brigitta Mühlenbeck ist Leiterin der Redaktion WDR Kinder + Familie und zuständige Leiterin der Maus-Redaktion.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews.

 

Brigitta Mühlenbeck (Foto: WDR/Herby Sachs)

Foto © WDR/Herby Sachs

Lach- und Sachgeschichten für Fernsehanfänger, hieß die Sendung zuerst. Wie kam es eigentlich zu der Idee eine Maus und einen Elefanten zu kreieren? Gibt es einen besonderen Grund diese Konstellation genommen zu haben?

Erstmal gab es damals im WDR die Idee, eine Sendung für Kinder zu machen, die sich völlig von dem unterscheiden sollte, was damals sonst als Kinderfernsehen zu sehen gewesen war.

Es war ein Magazin mit dem Titel Lach- und Sachgeschichten“. Darin waren die ersten Sachgeschichten zu sehen und eben auch die kurzen Trickfilme mit der Maus.

Die kamen auf Anhieb bei den Kindern gut an. So wurde sie zur Sendung mit der Maus“. Nach noch nicht einmal einem Jahr entschloss man sich, sie auch offiziell so zu nennen.

Der Elefant kam 1975 dazu. Und 1987 die Ente. Zwei bzw. drei Figuren eröffnen jeder Geschichte gleich neue dramaturgische Möglichkeiten.

 

40 Jahre, Wahnsinn, was glauben Sie warum hat die Sendung einen solchen großen Erfolg? Was ist der Reiz an diesem Format?

Manchmal können wir das selbst kaum glauben. Die Maus ist einzigartig. Seit vier Jahrzehnten erfindet sie sich jeden Sonntag neu. Die Sendung mit der Maus bewegt sich im besten Fall immer zwischen Tradition und Innovation. Da kann ein Trickfilm mit dem kleinen Maulwurf von 1972 genauso bestehen wie der neueste Trickfilm mit Shaun dem Schaf oder der Sachgeschichte über eine Windkraftanlage.

Hier ist Platz für Humor, Information, für gut gemachte Unterhaltung. Die Maus erreicht die ganze Familie. Kinder, Eltern und Großeltern schauen gemeinsam. Maus-Gucken am Sonntag um 11.30 Uhr wird von Generation zu Generation weitervererbt.

 

© WDR

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Hat die Maus eigentlich was vom Elefanten geschenkt bekommen?

Sicher ein Ständchen. Der Elefant kann sehr schön „Zum Geburtstag viel Glück“ tröten.

Als großes Geschenk von der Maus gibt es in diesem Jahr ja die Aktion „Türen auf!“ Am 10. Juli, einem Sonntag, findet bundesweit der Türöffner-Tag“ statt. Deutschland macht dann die Türen auf. Große und kleine Türen, die sonst für Kinder und Familien geschlossen bleiben, öffnen sich für Besucher. Eine Übersicht und wie man mitmachen kann ist unter www.die-maus.de zu sehen.

 

Bei den Lach- und Sachgeschichten wird ja immer in einer anderen Sprache das Thema vorgestellt, die Menschen die das sprechen, sind das dann gebürtige aus dem jeweils stammendem Land oder sind das Übersetzer?

Das sind fast immer Muttersprachler, die in ihrer Sprache wiederholen, was vorher unser Sprecher Günter Dybus auf Deutsch gesagt hat. Eingeführt wurde der doppelte Vorspann 1973, auch um die Kinder der so genannten Gastarbeiter, wie man viele Migranten damals nannte, zu erreichen. Heute sind immer mal wieder ganz seltene Sprachen dabei.

 

Mir als Informatiker hat am besten gefallen wie der Datentransfer, ich glaube es war per Email, gezeigt wurde, gibt es Geschichten“ die soviel Resonanz ausgelöst haben, dass diese Ihnen auch noch sehr gut in Erinnerung geblieben sind?

Besonders groß sind die Reaktionen, wenn wir Tabus aufgreifen. Der Tod gehört natürlich dazu. Es gibt Maus-Trickfilme und auch einen Film von Armin Maiwald zu den Themen Sterben und Abschied nehmen. Das bewegt die Zuschauer, sie schreiben uns dann, wie die Kinder reagiert haben. Und bei manchen ecken wir auch mit solchen Themen an.

Die Maus bekommt immer sehr viel Post, das meiste natürlich heute per E-Mail. Das sind jede Woche über 1.000 Zuschriften. Von denen wird jede persönlich beantwortet.

In vielen Mails stellen uns Zuschauer Fragen, die sie gerne mal beantwortet haben möchten. Viele Anregungen greifen wir auf und machen daraus einen Film. Für die Zuschauer suchen wir dann nach der Antwort. Die Frage, wie ein Touchscreen funktioniert war auch so ein Fall.

Viele fiebern mit ihren Lieblingen in der Maus mit. Shaun das Schaf hatte ja seine ersten Auftritte in der Maus 2007 als „Urlaubsvertretung“ von Käpt’n Blaubär. Das hat bei den Fans des Käpt’n ganz schön Aufruhr gegeben, als er nicht auf seinem gewohnten Platz zu sehen war. Doch mittlerweile konnten wir die Wogen glätten.

 

Weiß man eigentlich wie viele Folgen der Maus schon gezeigt wurden oder kann man das gar nicht mehr nachvollziehen?

Es sind über 1.800 Sendungen. Einige der beliebtesten Filme aus den letzten Jahrzehnten zeigen wir übrigens im WDR Fernsehen in der dreistündigen Maus-Nacht am Samstag, 9. Juli, ab Mitternacht. Da sind auch die allerersten Filme dabei und richtig schöne Skurrilitäten.

 

Es heißt ja „Die Sendung mit der Maus“ oder „Hier kommt die Maus“ – ist der Elefant eigentlich manchmal eifersüchtig, dass er so selten genannt wird?

Er ist ja der beste Freund der Maus. Richtige Freunde sind nachsichtig und großzügig. In Köln sagen wir: Mer muss och jönne könne. Man muss auch gönnen können. Und das kann der Elefant.

Eigentlich ist er im Augenblick ja sogar häufiger zu sehen als die Maus: „Die Sendung mit dem Elefanten“ ist speziell für Vorschüler. Sie ist im KI.KA immer montags bis freitags um 7.35 Uhr zu sehen. Und am Samstag gibt es den Elefanten um 11.40 Uhr im WDR Fernsehen.

 

© WDR

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Gibt es etwas, dass Sie an dieser Stelle dem Leser gerne mitteilen würden?

Unbedingt! Am 9. und 10. Juli findet das große Maus-Geburtstags-Wochenende statt.

Am Samstagabend um 20.15 Uhr gibt es die Jubiläums-Ausgabe der Familienshow „Frag doch mal die Maus“ mit Eckart von Hirschhausen und einer Zeitreise durch vier Maus-Jahrzehnte. Am selben  Abend werden rund 1 Mio. Menschen am Kölner Rheinufer das Feuerwerk der „Kölner Lichter“ erleben. Eröffnet wird es durch eine Überraschung für alle Maus-Fans. Das WDR Fernsehen überträgt live ab 23.03 Uhr. Und ab 0.00 Uhr folgen drei Stunden Maus in der „Großen Jubiläums-Nacht mit der Maus“.

Der Höhepunkt kommt dann am Sonntag mit dem „Türöffner-Tag“. Ab 11.30 Uhr im Ersten und im KI.KA gibt es „Die Sendung mit der Maus“ dazu.

 

Was denken Sie mit wem würden die Maus und der Elefant nicht in der Sauna sitzen wollen?

Da die beiden ja immer sehr neugierig sind, würde ich vermuten, dass sie grundsätzlich mit jedem in der Sauna sitzen würden. Und sie würden sicher auch die kleine gelbe Ente mitnehmen. Es könnte sein, dass der Elefant die Gelegenheit nutzt, um eines seiner heiß geliebten Nickerchen zu machen. Lange stillsitzen würden die Drei aber nicht, sondern sich angucken, wer in der Sauna überhaupt für die Hitze sorgt.

 

nachgebloggt bedankt sich ganz herzlich für dieses Interview. Es ist nicht selbstverständlich, dass jeder sich die Zeit nimmt für ein Interview, für seine Fans, für interessierte Menschen. Wenn Dir dieses Interview gefällt, sage es gerne weiter und wenn Du noch Fragen hast, darfst Du diese gerne hier stellen.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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