Interview: Hans Rath „Momentan bin ich mit zwei Drehbuchprojekten für Kinofilme beschäftigt“

Hans Rath ist ein deutscher Schriftsteller und Drehbuchautor.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews.

 

Hans, Sie studierten Philosophie, Germanistik und Psychologie, das sieht etwas nach einer anderen Richtung aus als „schreiben“ stimmt das?

Wie man es nimmt. Philosophen schreiben ja auch einer Menge. Nehmen Sie zum Beispiel Peter Sloterdijk. Dessen „Kritik der zynischen Vernunft“ habe ich Mitte der 80er als frisch gebackener Philosophiestudent gelesen und das Werk hat mich sehr beeindruckt. Seither kommen jährlich gefühlte zwei bis sieben Bücher von Sloterdijk auf den Markt. Sie sind immer noch sehr interessant, aber als komödiantischer Schreiber kommt man da nicht mit.

So ausdauernd tiefgründig wie Sloterdijk ist, kann ich beim besten Willen nicht komisch sein. Übrigens habe ich mich damals bei den Germanisten an der Bonner Uni gern im Arbeitskreis kreatives Schreiben herumgetrieben. Da durfte man auch Kurzprosa machen und konnte den langen Texten, die Philosophen meistens produzieren, ganz gut entkommen.

 

Wie entstand denn die Lust daran das „schreiben“ zu Ihrem Beruf zu machen?

Ich glaube, das beginnt mit der Lust, Geschichten zu erzählen und mit Sprache zu arbeiten. Ich habe beides immer gern gemacht, komme allerdings aus der katholisch und landwirtschaftlich-bodenständig geprägten Provinz, wo es ein obszöner Gedanke war, sein Geld ernsthaft als freischaffender Künstler verdienen zu wollen. Ich wurde also zunächst Journalist, weil das noch als halbwegs redliches Berufsbild akzeptiert wurde. Mein heimlicher Plan war aber immer, irgendwann als freier Autor vom Schreiben zu leben.

 

Was ist einfacher, ein Sachbuch/ einen Roman zu schreiben oder ein Drehbuch auszuarbeiten?

Das macht, um es mit Karl Valentin zu sagen, alles viel Arbeit. Ich habe großen Respekt vor Leuten, die komplexe Themen so aufbereiten, dass ein durchschnittlich intelligenter Leser wie etwa ich sie versteht. Ich finde es aber auch frustrierend, dass komplexe Themen eher wenige Leser interessieren. Man könnte sagen, je ambitionierter ein Buch ist, desto wahrscheinlicher wird es ein Nischenprodukt. Der Vorteil von Romanen und Filmen ist, dass sie emotional, komisch und oberflächlich sein dürfen, aber auf Komplexität nicht verzichten müssen. Was den Unterschied von Roman und Drehbuch angeht, so gibt es auch hier keine Regel. Ein Drehbuch kann langwierig und enervierend sein, ein Roman aber genauso. Bei einem großen Film erlebt man meist eine Premiere mit rauschender Ballnacht, bei einem Roman erscheint das Buch und man kann sich darauf zuhause ein Gläschen Sekt können und an diesem Tag eine Stunde später ins Bett gehen, wenn man denn unbedingt die Puppen tanzen lassen möchte.

 

Und wie schwer ist es ein Buch im Speziellen ein Drehbuch dann zu verkaufen oder gibt es da auch eine Art „Auftragsschreiben“?

Es gibt Auftragsarbeiten für Drehbücher und Romane, letzteres beispielsweise, wenn ein Buch zum Film geschrieben werden soll. Originäre Stoffe sind allein deshalb schwierig zu verkaufen, weil es ungeheuer viele davon gibt. Ich glaube inzwischen, dass ein Trend zu fertigen Büchern absehbar ist. Man spricht also nicht länger über Konzepte, sondern über Endprodukte. Das hat den Vorteil, dass Verlage und Produzenten nicht die Katze im Sack kaufen. Autoren müssen sich auf diese Weise nicht reinreden lassen, weil sie ja erst nach dem Produktionsprozess an die Öffentlichkeit gehen. Hat natürlich den Nachteil, dass man in Vorleistung gehen muss, hat aber eben auch den Vorteil, dass einem der Stoff nicht permanent von Leuten verbogen wird, die ihn auf ihre Bedürfnisse zuschneiden möchten.

 

Die bisher verfilmten Drehbücher waren Liebeskomödien, Ihre Bücher sind meist lustig aber keine Liebesromane, wie passt das alles zusammen?

Stimmt nicht ganz. Auch die Romane beinhalten eine romantische Komödie. Sie ist nur eingebettet in das, was die Amerikaner Buddy Comedy nennen, also einen Film, bei dem es um Männer geht, die Kumpel sind oder werden und gemeinsam Abenteuer erleben. Es gibt gerade viele Filme dieser Machart, etwa „Stichtag“, „Hangover“ oder  „Dicke  Freunde“.  Obwohl die Männer im Vordergrund stehen, geht es bei dem, was sie tun, immer um Frauen. Das unterscheidet die Buddy Comedy von der Action Buddy Comedy wie „Rush Hour“, „Lethal Weapon“ oder auch „Men in Black“. Aber um auf Ihre Frage zurückzukommen: Passt alles super zusammen.

 

Ihr aktuelles Buch heißt „Was will man mehr“ um was geht es da?

Es ist der letzte Teil einer Trilogie, die vier Männer um die Vierzig und ihre Probleme mit dem Leben und der Liebe erzählt. Nach „Man tut was man kann“ und „Da muss man durch“ geht es im aktuellen Buch darum, ob die Männer, allen voran der Protagonist Paul, nun endlich ihr Glück finden. Im Falle von Paul wäre das eine Unerreichbare namens Iris. Im dritten Teil könnte er sie erobern, vorausgesetzt, es gibt ein Happyend. Das kann ich natürlich nicht verraten.

 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant, darf man da schon etwas verraten?

Momentan bin ich mit zwei Drehbuchprojekten für Kinofilme beschäftigt, von denen eines schon sehr konkrete Formen annimmt. Da gibt es aktuell aber noch keine offizielle Mitteilung der Produktionsfirma und ich möchte der nicht vorgreifen. Meine nächsten Projekte werden auf jeden Fall erst nach der Sommerpause in Angriff genommen.

Diese Zeit möchte ich nutzen, um die vielen Ideen, die ich zwischendurch notiert habe, zu sichten und mir über den nächsten Roman Gedanken zu machen. Außerdem sind Projekte mit Kollegen geplant, aber auch da gibt es noch nichts konkretes.

 

Gibt es etwas, dass Sie gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würden?

Nein. Da kommen wir wieder zum Anfang unseres Gesprächs. Wenn ich was mitzuteilen hätte, wäre ich wahrscheinlich jetzt ein Verfasser philosophischer Schriften. Stattdessen schreibe ich Romane, die in erster Linie unterhalten und amüsieren sollen. In zweiter Linie kann man ihnen vielleicht noch ein paar Anregungen entnehmen, um das Leben netter, einfacher oder genüßlicher zu gestalten. Aber das entscheidet jeder Leser selbst. Ich würde da niemanden bevormunden wollen.

 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Ich muss Sie enttäuschen, aber ich gehe nicht in die Sauna. Es ist mir zu heiß und stickig, außerdem würde ich es nicht über mich bringen, anschließend in kaltes Wasser zu springen. Wenn ich jedoch gern in die Sauna ginge, wäre es mir schnurz, wen ich dort träfe. Wer sicher sein will, dass er keine unangenehmen Begegnungen hat, der muss sich wohl eine Heimsauna bauen lassen. Wobei ich das interessant fände: Mit wem würden Sie nicht in der eigenen Heimsauna sitzen wollen? Heisse Frage, oder?

 

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© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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