Interview: Monika Feth „Ich brauche für ein Buch ein gutes Jahr, wenn ich entspannt daran arbeiten möchte“

Monika Feth ist eine deutsche Autorin und Journalistin.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews.

 

© Peter Godry

© Peter Godry

Wenn man sieht, was Sie studiert haben, denn sieht man sofort “das schreiben” lag Ihnen schon immer. Ab wann merkten Sie, dass Sie da ein besonderes Talent haben? Oder es Ihnen mehr gefällt als jede andere Arbeit?

Falls mir das Schreiben schon immer lag, habe ich es nicht bemerkt, im Gegenteil. In der Schule war mir ständig meine Fantasie im Weg und sorgte für lange, böse Kommentare unter meinen Aufsätzen. Ich sehe die kleinen, steilen, roten Buchstaben meiner Lehrerin aus der Mittelstufe des Gymnasiums noch immer vor mir.

Mein erstes Buch entstand zufällig. Anlass war der Selbstmord eines Freundes, der den Leistungsdruck in der Examenszeit nicht ausgehalten hat. Damals schrieb ich zum ersten Mal überhaupt – und wusste sofort, dass ich niemals wieder damit würde aufhören können.

 

Jugendbücher und Thriller, wie passt das zusammen?

Ich mag die Begriffe  ‚Jugendliche‘ und ‚Jugendbücher‘ nicht. Sie sind für junge Menschen diskriminierend. Es ist entwürdigend, wenn ein Siebzehnjähriger die Kinderbuchabteilung einer Buchhandlung durchqueren muss – vorbei an den Pappbilderbüchern, den Bilderbüchern, den Vorlesegeschichten, den Kinderromanen und so weiter -, um endlich irgendwo das Regal mit den Büchern für junge Erwachsene zu finden. Da ändert sich inzwischen endlich etwas. Es gibt diese Bücher, die zwischen den sogenannten ‚Jugendbüchern‘ und denen für Erwachsene angesiedelt sind. Dazu gehören auch meine Thriller. Sie unterscheiden sich von ’normaler‘ Belletristik höchstens dadurch, dass in ihnen junge Menschen die Hauptrolle spielen. Doch selbst das halte ich für nicht zwingend notwendig. Ich habe als junger Mensch Dostojewski, Max Frisch und Thomas Mann gelesen, und keiner hat mir gesagt, das sei noch nichts für mich …

Um zur Frage zurückzukommen: Das passt ganz wunderbar zusammen.

 

Ich habe gesehen, dass Sie oft Bücher sehr schnell hintereinander rausbringen, woran liegt das? Geht es so schnell, der Weg von der Idee bis zum fertigen Buch?

Der Eindruck täuscht. Zwischen meinen Büchern liegen in der Regel eineinhalb Jahre. Da gab es bisher nur eine einzige Ausnahme, und die hat mich wirklich Nerven gekostet … Ich brauche für ein Buch ein gutes Jahr, wenn ich entspannt daran arbeiten möchte. Habe ich weniger Zeit zur Verfügung, muss ich monatelang fünfzehn, sechzehn Stunden am Tag arbeiten. Das halte ich auf Dauer nicht durch. Es kostet Zeit, wenn ich meine Figuren psychologisch glaubhaft entwickeln möchte. Meine Themen sind komplex und schwierig, auch dafür benötige ich Zeit. Und dann ist da noch die Sprache. Ich liebe es, Zeit und Ruhe für sie zu haben. Über ein neues Wort, ein ungewöhnliches Bild, einen stillen, poetischen Satz kann ich mich stundenlang freuen.

 

Ihr aktuelles Buch heißt „Der Sommerfänger“, um was geht es da?

In ‚Der Erdbeerpflücker‘ verliebt meine Heldin Jette sich unwissentlich in den Mörder ihrer Freundin und wird beinahe von ihm getötet. Inzwischen sind zwei Jahre vergangen, es ist wieder Sommer und Jette ist ihrer zweiten großen Liebe begegnet.

Und dann scheinen sich die Dinge zu wiederholen. Luke gerät unter Mordverdacht und Jette versucht seine Unschuld zu beweisen. Und sie weiß nicht, ob sie ihr Vertrauen diesmal dem richtigen schenkt …

 

Als Taschenbuch erscheint „Teufelsengel“ im Juli, um was geht es in diesem?

In diesem Psychothriller ist Romy die Hauptfigur, eine junge Frau, die in Köln eine Ausbildung bei einer Zeitung macht. Sie wittert hinter mehreren  Morden, die innerhalb eines halben Jahres in Köln geschehen sind, gegen alle Wahrscheinlichkeit einen Serientäter und kommt bei ihren Nachforschungen einer unheimlichen Religionsgemeinschaft auf die Spur, die sich ihre Mitglieder mit allen Mitteln gefügig macht, selbst mit Teufelsaustreibungen.

Bei den Recherchen für dieses Buch habe ich erfahren müssen, dass Exorzismen keinesfalls dem Mittelalter angehören. Es gibt sie immer noch, täglich, in sämtlichen Kulturen und mitten unter uns. Nur redet keiner darüber. Die meisten Menschen wissen es nicht mal.

 

Was meinen sie damit, dass der Exorzismus „unter uns“ ist?

Teufelsaustreibungen sind keinesfalls exotisch. Jede Taufe enthält den sogenannten ‚kleinen Exorzismus‘ – der Pate schwört stellvertretend für den Täufling dem Satan ab. Das macht man sich nur nicht so klar. Und wenn Papst Benedikt dreitausend (!) neue Exorzisten ausbilden lässt, dann geht das im Nachrichtengeschäft unter. Dabei sollte es die Menschen auf die Straße bringen …

 

Woran schreiben Sie im Moment

Am zweiten Romy-Band. Danach wird es wieder einen Jette-Thriller geben. Ich möchte die Bücher dieser Reihen gern abwechselnd schreiben.

 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant, darf man da schon etwas verraten?

‚Der Erdbeerpflücker‘ wird verfilmt. Darauf freue ich mich sehr. Ich hoffe, es wird ein Casting geben.

 

Gibt es etwas, dass Sie gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würden?

Ich bedanke mich für ihre Treue.

 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Sie müssten mich eher fragen, wem es gelingen könnte, mich überhaupt in eine Sauna zu locken. Ich habe das früher mal ausprobiert und fand es schrecklich.

 

Mit wem würde es denn klappen?

Und ich dachte, ich komme um die Frage herum. Wenn überhaupt jemand, dann mein Mann. Doch der geht zum Glück selbst nicht in die Sauna.

 

nachgebloggt bedankt sich ganz herzlich für dieses Interview. Es ist nicht selbstverständlich, dass jeder sich die Zeit nimmt für ein Interview, für seine Fans, für interessierte Menschen. Wenn Dir dieses Interview gefällt, sage es gerne weiter und wenn Du noch Fragen hast, darfst Du diese gerne hier stellen.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

weiterführende Links: