Interview: Harry Keaton „Bei der Kunst der Illusion wird niemand vorgeführt, sondern es geht um das Gefühl des Wunders“

Dr. Harry Keaton ist ein deutscher Magier, Moderator und Glasbrecher

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews.

 

Mit 14 Jahren wurden Sie in den Magischen Zirkel von Deutschland aufgenommen, also war Zauberei und Magie schon in jungen Jahren ein Hobby? Wann und wie entstand denn die Liebe zur Magie?

Foto: Harry Keaton

Foto: Harry Keaton

Im Alter von sechs Jahren spielte ich mit einem Mädchen namens Nicole. Sie hatte Pappflügel an und sah fast aus wie Biene Maja. Ich wollte, dass sie fliegt. Sie wollte nicht. Ich versprach ihr Gummibärchen – ohne Erfolg. Das habe ich nicht verstanden. Sie hatte doch Flügel. Also sagte ich: „Wenn Du nicht fliegst, spiele ich nie wieder mit Dir.“
Sie fing an zu weinen. Ihre Eltern kamen, fuchtelten aufgeregt mit den Händen und hoben Nicole von der Mauer. Mich haben sie geschimpft. Daraufhin haben ich meine Eltern so lange mit Fragen zum Fliegen genervt, bis sie mir einen Zauberkasten geschenkt haben. Der Anfang einer großen Leidenschaft. Später hatte ich Unterricht bei einem italienischen Amateur-Magier namens Nino de Caro.

Die ersten öffentlichen Auftritte hatte ich übrigens mit 10 Jahren. Die Gage betrug zwei Mark und ein Stück Kuchen.

 

Sie haben später Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft studiert, mit dem Wunsch Moderator zu werden? Oder Schauspieler? Was war damals die Idee dahinter?

Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft gab es in Frankfurt leider nur als Nebenfach, als Hauptfach studierte ich Germanistik. In Trenton / New Jersey konnte ich mich aber dank eines Stipendiums für ein Jahr intensiv mit Theater und Fernsehen beschäftigen. Als Jugendlicher war ich zwar Mitglied einer Laienschauspielgruppe, aber Schauspiel war trotzdem keine Option. Ursprünglich liebäugelte ich mit drei Berufen; Journalist, Lehrer oder Entertainer. Die Leidenschaft für die Show behielt die Oberhand und so habe ich mich damit selbständig gemacht. Die Moderaton kam etwas später dazu. Immer mehr Kunden fragten, ob ich nicht auch die Moderation ihres Events übernehmen könne. Nach den ersten Versuchen wurde mir klar: `Hey, ich kann das und es macht Spaß – mir und dem Publikum´.

 

Sie haben Ihr Programm auch schon vor sehr großen Persönlichkeiten gezeigt, gibt es welche die nach der Show zu Ihnen kamen und wissen wollten wie ein Trick ging, oder gaben diese Persönlichkeiten auch mit der Unwissenheit zufrieden?

Es gibt unter den großen Persönlichkeiten – genau wie bei allen Zuschauern – zwei Gruppen: Die einen lassen sich gerne verzaubern, die anderen wollen unbedingt wissen wie es geht. Prinz Charles zum Beispiel zaubert selbst und suchte den Gedankenaustausch. Jürgen von der Lippe fragte mich ganz direkt nach einem Effekt. Das liegt aber auch daran, dass er ebenfalls Mitglied des Magischen Zirkels ist und die Kunst der Illusion liebt. Ansonsten lassen sich prominente Zeitgenossen ausgesprochen gerne faszinieren.

 

Was würde eigentlich passieren wenn sie einen Trick aufdecken würden?

Meinen Sie, einen Trick meiner Zunft bewusst der Öffentlichkeit zu verraten? Oder meinen Sie, was passiert, wenn ich in der Show einen Fehler mache?

 

Sowohl als auch

Die Magie lebt zum großen Teil vom Geheimnis, insofern macht es nicht wirklich Sinn etwas aufzudecken. Allerdings hat das Geheimnis heute einen anderen Stellenwert als früher. Heute ist die Präsentation und die Persönlichkeit des Akteurs wichtiger als die geheimen Täuschungsmethoden. Sollte ich tatsächlich einen Trick vermasseln, ist das kein Beinbruch, solange ich dem Publikum schon vorher bewiesen habe, dass ich mein Handwerk verstehe. Wenn das Publikum dich mag, verzeiht es Fehler. Allerdings sollten sich Pannen in Grenzen halten. Außerdem verwende ich sogenannte `Outs´ – das ist ein Plan B zur Sicherheit. Das Publikum mag nämlich keine Verlierer sehen. Selbst der Clown, der die Lust am Scheitern zelebriert, ist nicht wirklich ein Verlierer: Er bewahrt Haltung, lacht über sich selbst und resigniert niemals – ganz gleich mit welchen Tücken er zu kämpfen hat..

 

Sie sind auf einer Mikonesischen Briefmarke abgebildet, was hat es denn damit auf sich, wie kommt man denn zu einer solchen Ehre?

Ja, es ist schon so eine Art Hollywood-Stern zu Lebzeiten, nicht wahr? Mikronesien war mal Teil der deutschen Kolonien – vielleicht hängt es damit zusammen. Viele Bewohner der Inselgruppe heißen noch heute Fritz oder sogar Bismarck. Bei einer Touristikmesse erlebte mich eine Delegation dieses Südsee-Staates als Magier. Kurze Zeit später machte mich ein Zauberfreund auf die Briefmarke aufmerksam. Damit bin ich der erste deutsche Illusionist mit einer eigenen offiziellen Briefmarke. Übrigens gilt diese Gegend als Taucherparadies und zählt mit den vielen Schiffwracks vor der Küste zu den modernen Weltwundern. Vielleicht wollen Sie mal dort Urlaub machen. Allerdings sind es 35 Stunden Flugzeit.

 

Ihr aktuelles Programm heißt Liebeszauber 2.0, um was geht es da, was kann man dort erleben als Zuschauer?

Es ist eine Show mit viel Magie und Humor, rund um Partnerschaft und Liebe. Die Zuschauer beweisen mit ungewöhnlichen Experimenten die Kraft Ihrer Liebe. Der Keaton isst Glühbirnen und geht in den Gedanken anderer Menschen spazieren. Außerdem werden Fragen von Paaren und Singels beantwortet – ohne, dass ich die Fragen je gehört oder gelesen habe. Dabei kommen die Fragen aus ganz unterschiedlichen Bereichen: Liebe, Gesundheit, Finanzen, Hobbies und vieles mehr. Zusätzlich gibt es unerklärliche Phänomene wie den „Glasbrecher-Act“ oder kabarettistische Einlagen zur Liebe. Also, es gibt in der Show viel zum Staunen und zum Lachen – das ist mir wichtig. Gleichzeitig erleben unsere Gäste viele berührende Momente, ohne dass es dabei kitschig wird.

Seit einigen Tagen ist der Trailer zur Show online:

http://www.youtube.com/watch?v=m1doTpxEbVA

(Liebeszauber – der Trailer zur Show)

 

Was ist für die nahe Zukunft und darüber hinaus noch geplant, darf man da schon etwas verraten?

Oh, viele Projekte. Eine neue Show ist in Arbeit, die parallel zum Liebeszauber laufen soll. Es gibt neue Fernseh-Ideen und ein Buchprojekt ist in Planung. Aber noch ist alles geheim – als Magier mag ich eben Geheimnisse.

 

Gibt es etwas, dass Sie gerne an dieser Stelle dem Leser mitteilen würden?

Bei der Kunst der Illusion wird niemand vorgeführt, sondern es geht um das Gefühl des Wunders. Da sind wir Magier die einzige Berufsgruppe, die Wunder möglich machen. Keiner tut das sonst, kein Schauspieler, Maler oder Tänzer. Für mich gibt es überall Wunder. Es ist doch erstaunlich wie ein Grashalm durch eine Asphaltdecke wächst, eine Libelle fliegt und dass wir uns in einen anderen Menschen verlieben. Wenn die Zuschauer nach unseren Shows klasse unterhalten waren und vielleicht sogar die Welt mit anderen Augen sehe, habe ich meine Aufgabe erfüllt. Kommen Sie in unsere Show und erleben Sie es selbst.

 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Bitte keine Menschen mit Handy am Ohr.

 

nachgebloggt bedankt sich ganz herzlich für dieses Interview. Es ist nicht selbstverständlich, dass jeder sich die Zeit nimmt für ein Interview, für seine Fans, für interessierte Menschen. Wenn Dir dieses Interview gefällt, sage es gerne weiter und wenn Du noch Fragen hast, darfst Du diese gerne hier stellen.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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