Interview: Katharina Weiß „Wir sind vielleicht ein bisschen vorlauter und glauben Erwachsenen nicht mehr so schnell“

Katharina Weiß ist eine deutsche Jung-Autorin.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen dieses Interviews.

 

Du bist ja erst 16 Jahre alt und hast schon Zwei Bücher geschrieben, Respekt. Wie kam es denn zu der ersten Veröffentlichung?

Ganz genau! Vorletzten Winter saß ich so rum, mir war langweilig. Und dann habe ich mir ein Projekt gesucht, und es einfach mal bei Schwarzkopf&Schwarzkopf versucht!

 

Für „Generation Geil“ hast Du ja Stubenhocker und Partypeople, Überflieger und Problemschüler, Großstadtkinder und Teenager vom Land interviewt, als was davon würdest Du dich selbst bezeichnen?

Das Bücherschreiben lässt mich langsam zum Stubenhocker mutiere, weil ich dadurch natürlich mehr Zeit vor dem PC verbringe. Ansonsten würde ich mich aber definitiv zu den Partypeople zählen, ich brauche immer Aktion, um mich lebendig zu fühlen. Ich will nichts verpassen, deshalb kommen die schrägsten Überideen auch immer von mir.

 

War das zuerst nicht ziemlich schwer jemanden zu finden der bereit ist da mitzumachen? Ich könnte mir vorstellen, dass viele junge Menschen dein Vorhaben erstmal als Quatsch beurteilt haben oder?

In diese Richtung habe ich überhaupt keine Erfahrungen gemacht. Ganz im Gegenteil, die meisten waren total begeistert, für das zweite Buch hatte ich auch unzählige Anfragen von jungen Leuten, die mitmachen wollten. Das Internet, vor allem Facebook, erleichtert die Recherche natürlich extrem, aber auch über persönlichen Nightlife-Erfahrungen oder den Bekannten-von-Bekannten habe ich einige meiner Gesprächspartner kennengelernt!

 

Hast Du während der Zeit eigentlich mal daran gedacht, dass dein Buch so erfolgreich sein könnte wie es nun heute ist?

Ich habe auf jedenfall an die starke Aussage des ersten Buches geglaubt – aber dieses Medieninteresse hätte ich nicht erwartet“ dass man mit Büchern zu ARD Brisant, RTL Explosiv, VIVA, Bild, Süddeutsche Zeitung, TvTotal usw. kommt, hätte ich in dem Ausmaß nicht erwartet!

 

Ich bin 31, warum denkst Du hat meine Generation so ein schlechtes Bild von deiner Generation? (Ich mache da oft die Erfahrung von Respektlosigkeit) mir persönlich kommt es vor als wenn die Jugend von heute alles lockerer sieht als zu meiner Zeit, mehr Blödsinn macht, sich mehr traut sozusagen, stimmst Du mir dazu?

Es gibt ein paar Extremfälle, die sich einem sozialisierenden Rahmen entzogen bzw. ihn gesprengt haben! Ich habe selber ein paar Freunde, denen ich die Pest an den Hals wünschen würde, wenn ich sie unterrichten oder erziehen müsste. Respektlosigkeit rührt oft auch aus einer tiefen Angst her, unzulänglich zu sein, und ihm mit zu viel Respekt zu viel Macht über sich zu geben.

Die überwältigende Mehrheit der Jugendlichen 2011 aber ganz normal. Wir sind vielleicht ein bisschen vorlauter und glauben Erwachsenen nicht mehr so schnell – auch weil wir sehr früh anfangen, uns über ethische, politische oder spirituelle Angelegenheiten Gedanken zu machen. Das man so gut wie jede Information in 3 Sekunden auf seinem Smartphone googeln kann, trägt dazu erheblich bei! Unsere Großeltern erhielten ihr Wissen noch aus kirchlicher oder staatlicher Doktrin. Die Angst vor Autoritäten war viel größer, und damit auch der Respekt. Mein Opa, der jetzt 93 ist, wurde von Lehrern und Pfarrern noch körperlich bestraft. Wir leben Gott sei Dank in einer liberalen Gesellschaft, die zum eigenständigen Denken erzieht.

 

Was ich mir krass vorstelle ist dieser ganze Medienrummeln um deine Person, die Bild interviewt dich, du sitzt regelmäßig bei Stefan Raab, nun meine Wenigkeit, da brauch man doch echt viel Energie, wo nimmst Du die her?

Man kann sich ja in der Schule ausruhen 🙂

Im Ernst, alle meinen immer, das sei so anstrengend…ich nehme es eher als große Erfahrungsquelle und großen Spaß wahr. Es ist für eine 16jährige eben keine Selbstverständlichkeit, Einblick in diese Welt zu bekommen, meistens stehen wir auf der anderen Seite und zelten kreischend vor Konzerthallen. Deshalb kommt mir das PR-Zeug nicht wie eine Anstrengung vor!

 

Du hast ja auch noch ein zweites Buch geschrieben „Schön!?: Jugendliche erzählen von Körpern, Idealen und Problemzonen“ Wie kam es dann zu der Idee? Ist man da auf dich zugekommen und hat Dich gefragt ob Du nochmal eines schreiben willst?

Mich hat das Thema gereizt, und dann habe ich mich einfach getraut, den Verlag zu fragen!

 

Wie ist das bei Dir, bist Du zufrieden mit dir?

Oje, das ist immer so eine Sache. Heute war ich shoppen und trug ein wunderschönes Kleid in die Umkleidekabine. Der Verkäufer stoppte mich aber, beäugte zuerst mich und das Kleid und meinte dann: „Welche Größe ist das, das ist zu klein, ich hol dir ein größeres!“ Und dann kam er mit zwei Kleidergrößen mehr an, in solche Momenten denke ich mir immer: jetzt nimmst du ab! Aber dann kommt McDonalds und ich kann nicht weiderstehen!

 

Autorin – ist das nun auch ein fester Beruf für Dich, oder hast du beruflich noch andere Ziele?

Was ich nach dem Abi mache ist noch ungewiss, aber ich will auf jeden Fall einen Beruf ausüben, der mich mit den unterschiedlichsten Menschen zusammenbringt! Menschen, die mich mitreißen, oder sie ich begeistern kann, die  mir Seelenverwandt sind, oder die Welt ganz anders sehen!

 

Aktuell schreibst Du ja an den Roman „Sommernachtsjugendewigkeit„, wie kam es denn zu der Idee, magst Du da ein wenig erzählen um was es da geht?

Foto: Katharina Weiß

Foto: Katharina Weiß

Es ist Sommer, sie sind jung und die Nächte könnten ewig sein: Als Ben und seine Freunde zu ihrem Trip durch Deutschland aufbrechen, wissen sie nicht, dass sie ihre Sehnsucht nach Freiheit und ihr Hunger auf das Leben bald ins Chaos stürzen werden. Nach einer folgenschweren Party in Hamburg müssen die Jugendlichen ihre Unterkunft verlassen und in einer Kirche übernachten. Und auch an ihrer zweiten Station Berlin läuft nichts nach Plan: In der Hauptstadt lernen die Jugendlichen den schrägen Kiffer Joe kennen und bald darauf ist Romy weg, Ben muss sich mit einer Tupperdose Gras vor der Polizei verstecken und Arthur wird blutend aus einem Club geschmissen …

Ich wollte eine schwärmerische Geschichte über den Wunsch, jeden Moment auszukosten, erzählen.

 

Mit wem würdest Du nicht in der Sauna sitzen wollen?

Ohh, ich gehe grundsätzlich nicht in die Sauna, weil ich kein Hitzemensch bin, bin selber schon zu heiß J Aus ästhetischen Gesichtspunkten gäbe es viele, deren Anblick mich beim Saunieren nicht in Verzückung geraten lassen würden. Aber ansonsten ist es mir vollkommen egal, man kann sich mit ein bisschen Diplomatie mit so ziemlich jedem gut verstehen!

 

nachgebloggt bedankt sich ganz herzlich für dieses Interview. Es ist nicht selbstverständlich, dass jeder sich die Zeit nimmt für ein Interview, für seine Fans, für interessierte Menschen. Wenn Dir dieses Interview gefällt, sage es gerne weiter und wenn Du noch Fragen hast, darfst Du diese gerne hier stellen.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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