Michael Kranz “Auch die Stars kochen nur mit Wasser”

Michael Kranz ist ein deutscher Schauspieler.

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Das coolste Gefühl war in sein Figurenuniversum einzugehen. Die Charaktere aus Tarantinos Filmen sind so einprägsam geschliffen, die begleiten mich auch noch Jahre nachdem ich sie gesehen habe.

 Michael Kranz Auch die Stars kochen nur mit Wasser

Michael, 2007 haben Sie ihre Schauspielausbildung beendet, wann wurde Ihnen denn klar, dass Sie Schauspieler werden möchten?

Spaß am Schauspielen habe ich schon immer gehabt. Ich erinnere mich daran, dass ich unbedingt auf ein ganz bestimmtes Gymnasium gehen wollte, weil ich das Schultheater dort so gut fand. Der Regisseur des Schultheaters, Thomas Beck, hat dann auch endgültig die Leidenschaft für Schauspiel in mir geweckt. Er hat uns nicht behandelt wie Schüler, sondern uns bis zum Limit gefordert die Rolle bis in die Tiefen zu ergründen. Das ganze Leben schien von der Aufführung abzuhängen. Nicht selten haben wir krank und mit Fieber gespielt, weil wir uns so reingestresst haben. Das klingt vielleicht hart und es hatte vielleicht auch etwas masochistisches, aber das Glücksgefühl während des Stücks und beim Applaus war unbeschreiblich! Da war mir klar: Das will ich probieren! Außerdem gab es vor mir schon Schüler die professionelle Schauspieler geworden sind. Die haben mir gezeigt: Es ist nicht unmöglich, man kann das schaffen! 

Natürlich muss ich einige Fragen zu Inglourious Basterds stellen, Ich nehme an es wurde bei Ihnen oder Ihrer Agentur nachgefragt oder gab es ein Casting?

Der Kontakt zu Tarantino kam über die Casterin Simone Bär, die hatte mich vorher „Das weiße Band“ von Michael Haneke besetzt. Dieser Film hat weltweit große Resonanz erfahren. Auch Tarantino war begeistert von dem Film. Da hatte ich glaube ich einen kleinen Stein bei ihm im Brett als mich Simone Bär die auch seinen Film besetzt hat  mich ihm für die Rolle des Hermann vorgeschlagen hat. Dann kam die Anfrage an meine Agentur Heppeler und es gab ein Casting mit Tarantino in Berlin, aber das war eher ein nettes Kennenlernen. Tarantino hat wörtlich gesagt: Wenn er gut genug für Haneke ist, ist er auch gut genug für mich. 

Das muss ein unheimlich cooles Gefühl gewesen sein?

Das coolste Gefühl war in sein Figurenuniversum einzugehen. Die Charaktere aus Tarantinos Filmen sind so einprägsam geschliffen, die begleiten mich auch noch Jahre nachdem ich sie gesehen habe. Und auch seine Gesamtbesetzung bildet für mich immer ein absolut in sich stimmiges Gesamtgefüge. Eine eigene Welt. In dieser Welt nun eine kleine Rolle, die des „Herrmann“ verkörpern und gestalten zu dürfen, war einfach nur schön. 

Als Schauspieler hatten Sie bis dahin ja wenig Hollywood-Erfahrung, wie war es neben Stars wie Brad Pitt zu spielen? Da kann man sicher unglaublich viel lernen oder?

Die wichtigste Erfahrung war, dass überall nur mit Wasser gekocht wird. „Stars“ sind keine Wesen vom einem anderen Stern, sondern sie arbeiten viel und sehr selbstkritisch um ihre Rolle so spannend wie möglich zu spielen. Eine sehr schöne Erfahrung war auch, wie menschlich und ich möchte fast sagen demütig Brad Pitt war. Er hat alles getan, dass nie das Gefühl aufkam mit einem „Star“ zusammenzuarbeiten, sondern dass wir alle gleichwertig an einem Film arbeiten. Christoph Waltz hat mich dadurch beeindruckt wie mutig er seine Rolle gestaltet hat. Da hat er sich in eine fast artifizielle bis ins kleinste Detail berechnete Spielweise hereingewagt- das ist sehr mutig und voll aufgegangen. 

Ich könnte mir vorstellen, dass man auch Angst vor diesen großen Namen hat oder sind Sie da professionell genug das zu überspielen?

Um ehrlich zu sein, hatte ich damit nicht so die Probleme. Das lag bestimmt auch an der Stimmung in der Crew. Ich hatte vier Drehtage und war zwei Mal mit der Crew darunter auch Brad Pitt und Tarantino abends noch was trinken und einmal mit ihnen im Kino. Außerdem arbeitet man ja zusammen – man hat einen gemeinsamen Traum zu dem jeder seinen Teil beitragen will, das verbindet und ist wichtiger als der Medienrummel um irgendeine Person. 

Wie schwer ist es nach einem solchen großen Erfolg aus den Angeboten die man bekommt das richtige zu wählen? Bzw. Gibt es eine Angst nicht mehr an einen solchen Erfolg anknüpfen zu können?

Angst nicht an den Erfolg anknüpfen zu können habe ich nicht. Da müsste ich mir auch erst mal überlegen was ich als Erfolg ansehe. Große Namen sind schön, weil dahinter oft auch große Persönlichkeiten stecken aber der eigentliche Erfolg für mich als Schauspieler ist, wenn ich es schaffe einer Rolle eine Seele und eine Relevanz zu geben. Es ist es zwar vielleicht ein bisschen weniger spektakulär aber genauso befriedigend wenn ich, wie letztes Jahr, mit begnadeten Debutregisseuren wie Pia Striethmann oder Henning Backhaus an einer Rolle feilen darf oder mit dem vor Kreativität sprudelnden Marcus H. Rosenmüller zwei Monate wie ein Kind beim Spielen in eine andere Welt abtauchen kann. Die Projekte auszusuchen finde ich nicht sehr schwer, ich habe ein ganz gutes System: Das Drehbuch und meine Rolle in ihm sind ein Faktor, die Menschen die den Film machen ein weiterer (ob man sich gegenseitig kreativ beflügelt),  und ein weiterer das Geld. Wenn zwei der Faktoren stimmen ist der Film schon mal in der engeren Auswahl. 

Wo werden wir Sie denn wieder sehen können in 2011, gibt es aktuelle Projekte?

Also wann die Filme genau rauskommen werden und wie sie dann heißen ist ja immer nicht ganz sicher. Aber vier Filme mit mir kommen dieses Jahr wahrscheinlich ins Kino: „Tage die bleiben“ von Pia Striethmann, dann ein Film von Henning Backhaus, der noch keinen Titel hat. Außerdem noch ohne Titel ist der Film von  Marcus H. Rosenmüller. Es geht in ihm aber um die Geschichte von Emmanuel Schikaneder. Außerdem kommt Steven Spielbergs „War Horse“ in die Kinos in dem ich einen kurzen Auftritt habe. Ein weiteres wichtiges Projekt dieses Jahr ist auch mein erstes eigenes Drehbuch an dem ich gerade schreibe. Ich studiere parallel zu meinen Schaupielengagements an der Filmhochschule Dokumentarfilmregie und möchte mich nun einmal mit einem Kurzspielfilm ausprobieren. 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Mit Col. Hans Landa! 

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de
Foto © Fabian Isensee 

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