Matthias Frings „Das Leben ist viel zu kurz, um es in Negation zu verbringen“

Matthias Frings ist ein deutscher Journalist, Schriftsteller und Fernsehmoderator.

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Das Leben als Buchautor ist faszinierend, aber einsam. Ich brauchte unbedingt Kollegen, mit denen ich mich darüber streiten konnte, wer den nächsten Kaffee macht.
Foto © Milena Schlösser

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Matthias, Ihr Werdegang bevor Sie zum Theater kamen sieht aus als wenn es in eine andere Richtung gehen sollte? Sie studierten Anglistik, Germanistik und Linguistik

Stimmt. Mein Professor wollte mich als sein Assistent mit nach Hamburg  an den Lehrstuhl für Linguistik nehmen. Aber ein ganzes Leben im Mutterbauch der Schule? Dann doch lieber Chaos und Desaster im richtigen Leben! 

Mit Ihrer Homosexualität gingen Sie schon sehr früh stark in der Öffentlichkeit um, war das eigentlich jemals ein Problem im privatem oder im beruflichem Leben?

Was wäre ich für ein Mann, wenn ich mich verleugnen würde? Ich mag nun einmal Männer – Millionen Frauen verstehen das. 

Vom Autor und Radio-Moderator zum Produzenten der Fernsehsendung Liebe Sünde, das müssen Sie den Lesern erklären, wie kam es denn dazu?

Das Leben als Buchautor ist faszinierend, aber einsam. Ich brauchte unbedingt Kollegen, mit denen ich mich darüber streiten konnte, wer den nächsten Kaffee macht. Im Ernst: Der SFB-Hörfunk hat damals meine regelmäßige Kolumne in der taz gekauft und gefunden, ich könne das gleich selbst lesen. So wurde ich aus Zufall zum Reporter, dann Moderator und landete schließlich Im Fernsehen. 

Fehlt Ihnen diese Fernsehzeit eigentlich? Ich empfand das Format damals immer als sehr angenehm vor allem gut recherchiert habe ich das in Erinnerung, so etwas fehlt doch im TV oder?

Die Sendung hat mir sehr am Herzen gelegen. Ich wollte nicht so ein verschwiemeltes, verklemmtes Gequatsche, keine Strapse und das ganze o-là-là-Getue. Neugier und Spaß war unser Angang. Und ein wenig (Selbst)Ironie. 

Autor sind Sie geblieben und haben gerade ein neues Buch herausgebracht: „Ein makelloser Abstieg“, möchten Sie kurz mit eigenen Worten sagen um was es dort geht?

Es geht um einen Talkshowmoderator, der in der flimmrigen Welt von Ruhm und Einschaltquoten Gefahr läuft, sich zu verlieren. Er schmeißt hin und versucht, in einer Welt, wo jeder sein Privatestes öffentlich macht, sich zu ent-öffentlichen. Außerdem geht es um Sex und Liebe, um Sucht, Hartz IV, das Medienproletatiat und die perfekt Zubereitung von Jacobsmuscheln in Kerbel-Calvados-Rahm. 

Was mich sehr interessieren würde, wieviel von Ihrer eigenen Erfahrung steckt in diesem Roman?

Ein Wort: Alles 

Wie lange haben Sie gebraucht von der Idee bis zum fertigen Buch?

Etwa zwei Jahre, das ist die übliche Zeit. 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Das Leben ist viel zu kurz, um es in Negation zu verbringen. In der Sauna wäre ich gerne mit Ryan Kwanten. Liegend, nicht sitzend.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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