Jack Nasher „man kann das Buch auch andersherum lesen, um ein perfekter Lügner zu werden“

Jack Nasher ist ein deutscher Wirtschaftspsychologe, Professor an der Munich Business School und Jurist.

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Kurz gesagt kam es dazu, weil ich ständig belogen wurde und eine völlige Niete im Entlarven war, als Kind wie auch später als Rechtsreferendar im Strafgericht

Durchschaut: Das Geheimnis, kleine und große Lügen zu entlarven

Ihr aktuelles Buch heißt „Durchschaut: Das Geheimnis, kleine und große Lügen zu entlarven“, wie kam es zu der Idee dieses Buch zu schreiben?

Kurz gesagt kam es dazu, weil ich ständig belogen wurde und eine völlige Niete im Entlarven war, als Kind wie auch später als Rechtsreferendar im Strafgericht. Als Wirtschaftspsychologe hatte ich fachlich schließlich mit ähnlichen Themen zu tun und beschloss irgendwann, alles darüber herauszufinden und alle wirksamen Techniken zusammenzusuchen. Es dauerte Jahre, ich durchforstete FBI-Verhörhandbücher, Anweisungen für Lügendetektorentester und wissenschaftliche Artikel. Bald merkte ich, dass alle wirksamen Techniken in fünf Kategorien geordnet werden können. Das Ergebnis ist mein Buch mit den fünf Methoden des Entlarvens. 

Es heißt ja man lügt in etwa 200 mal am Tag, wie oft fällt Ihnen eigentlich in Ihrem normalen Tagesablauf auf, dass Sie angelogen werden?

Die kleinen Lügen wie „Schön, Dich zu sehen“ nehme ich gar nicht mehr wahr, was soll man auch anderes sagen? Aber ein-zwei wichtige Lügen pro Tag gibt es schon. 

Die häufigste Lüge soll ja sein „Danke gut“ auf die Frage „Wie gehts“, Prof. Nasher: Wie gehts?

Danke, gut. 

Wenn man weiß wie man Lügen aufdecken kann, kann man dann auch bewusster lügen?

Wie ein Ernährungswissenschaftler vielleicht nicht weniger, aber bewusster ißt, lüge ich bewusst. Und sicherlich: man kann das Buch auch andersherum lesen, um ein perfekter Lügner zu werden. Aber ich vertraue da meinen Lesern – den meisten jedenfalls… 

Woran erkennt man denn am besten eine Lüge?

Achten Sie auf Anzeichen für Angst und Schuld. Lügner fühlen so gut wie immer Angst und – vor allem wenn sie einen nahe stehenden belügen – auch Schuld. Allein dieses Wissen hilft Ihnen schon ungemein beim Entlarven – jetzt wissen Sie, was in einem Lügner vor allem anderen vorgeht. Angst kann man an der höheren Stimmlage, dem schnelleren Sprechen und an Stressanzeichen erkennen. Schuld an einem traurigen Gesichtsausdruck. Das müssen Sie sich aber noch nicht einmal merken, da Menschen von Natur aus sehr gut darin sind, Angst und Schuld zu erkennen. Sie müssen einfach nur wissen, nach was Ausschau zu halten ist. Wenn also Angst und Schuld auftritt, ohne dass es dafür einen anderen Grund gibt, dann haben Sie ein hervorragendes Anzeichen für eine Lüge. Das ist allerdings nur eine von den fünf Methoden, die in meinem Buch detailliert erklärt werden. Je mehr Anzeichen man erkennt, desto sicherer wird gelogen. 

Möglichkeiten Lügen in einem Text zu erkennen geht denke ich also nicht? Oder gibt es auch hier Tricks zu erkennen, dass ein Autor lügt?

Ja, gerade Gerichtsgutachter verwenden vor allem eine Inhaltsanalyse der gesprochenen Worte. Die Technik des reality monitoring ist genau dafür konzipiert und funktioniert sogar dann, wenn der Lügner seine eigenen Lüge glaubt, strenggenommen also gar nicht lügt. Kern dieser Technik ist auf die Detailarmut des Gesagten zu achten. Die Lüge ist kurz und arm an Details („Wie war‘s gestern im Kino?“ „Gut.“) Je detaillierter eine Geschichte, je kurioser die Details, desto wahrscheinlicher ist sie wahr („Wir kamen zu spät zur Vorstellung, mir ist meine Popcorntüte runtergefallen, habe mir dann noch eine gekauft, aus versehen salzige, was ich erst gemerkt habe, als ich wieder im Saal war etc….). 

Das Buch hat ja bisher fast durchgehend gute Rezensionen bekommen beispielsweise bei Amazon, wie aber gehen Sie mit den kritischen Stimmen um?

Ich freue mich sehr über die vielen positiven Rezensionen und netten Mails, die glücklicher Weise in der großen Überzahl sind. Aber natürlich gibt es auch kritische Stimmen, die vor allem bemängeln, dass ich keine eigenen Experimente in mein Buch einbrachte. Das ist richtig aber eine bewusste Entscheidung. Denn ich halte das Destillieren und Kategorisieren von hunderten von wissenschaftlichen Artikeln und Büchern für interessanter als das Experiment Nummer 1355321 dazu durchzuführen. 

Zuletzt waren Sie bei TVTotal, fand ich sehr toll den Auftritt, wo kann man Sie als nächstes sehen und wie sehen die Pläne für die Zukunft aus?

Ich bin hier und da in Fernsehsendungen, es macht einfach Spaß. Häufig werde ich zu aktuellen Themen befragt, denn die Frage nach der Wahrheit ist einfach in vielen Fällen die interessanteste. Ansonsten nehme ich meine Professur an der Munich Business School wahr und lehre Führung und Organisation. 

Gibt es etwas, dass Sie an dieser Stelle gerne dem Leser mitteilen würden?

Ich freue mich über freundliche Briefe, aber noch viel mehr über nette Geschenke. 

Haben Sie in diesem Interview gelogen?

Nein, einmal ein bisschen übertrieben vielleicht. 

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Mit Buck Angel.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de