Jon Flemming Olsen „bei Dittsche herrscht der freie Fall“

Jon Flemming Olsen ist Musiker, Grafikdesigner, Autor und Schauspieler. Er hat 1997 die Band „Texas Lightning“ gegründet und ist der breiten Masse als Imbisswirt Ingo aus der WDR-Sendung „Dittsche“ bekannt.

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Nein, geprobt wird gar nichts. Nur in Ausnahmefällen, wenn zum Beispiel etwas Besonderes mit einem prominenten Gast passieren soll, sprechen wir das kurz ab. Ansonsten herrscht der freie Fall.

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Jon, Sie sind ein Multitalent, Schauspieler, Musiker, Autor… Als was sehen Sie sich selbst?

Als einen kreativen Gemischtwarenladen mit wechselndem Sortiment.

Ihre musikalische Ausbildung ist sehr beeindruckend. Eine Band die Sie auch gegründet haben, kennt wohl fast jeder: „Texas Lightning“ bei der Sie 2009 ausgestiegen sind, was waren dafür denn die Gründe?

Es gab nach unserem ebenso großen wie unerwarteten Single-Hit mit „No No Never“ eine Phase der Verwirrung in der Band. In so einem Moment beschleunigt sich die Dynamik der Außenwelt enorm – wir hatten künstlerisch für diese Situation einfach keinen Plan: Schließlich hatten wir bis dahin noch keinen einzigen originären Song im Programm und eigentlich auch gar kein entsprechendes Vorhaben. In solchen Situationen ist insbesondere der Bandleader – der ich ja war – gefragt. Wenn der dann selbst um Orientierung ringt, wird es für jede Kapelle sehr schwer. Dann muss man irgendwann die Reißleine ziehen und sagen: Leute, macht es bitte ohne mich weiter – ich kann hier nichts mehr beitragen.

Ist es nicht sehr schwer etwas „aufzugeben“ was man selbst ins Leben gerufen hat?

Absolut. Für mich war es so ziemlich das schwerste, das ich bis dahin getan hatte. Nichtsdestotrotz war es völlig richtig. Und eine gute Übung in „Loslassen“.

Aber es gibt noch außer zu Olli Dittrich Kontakt zu den ehemaligen Band-Mitgliedern?

Ja, natürlich. Zu allen. Ich bin ja nicht im Streit gegangen.

Natürlich kennt Sie jeder durch die Fernsehsendung „Dittsche“, dort spielen Sie den Imbisswirt Ingo, wie viel Jon Flemming steckt eigentlich in Ingo?

Genau vier Buchstaben – das „ing“ ist der Rest von „Flemming“ und das „o“ der Anfang von Olsen. Ansonsten ist das wirklich schwer zu sagen. Vielleicht ist der Ingo einfach eine stark vereinfachte Version meiner Person.

Ist eigentlich wirklich nichts geprobt? bzw. wie bereitet man sich dann auf eine Sendung vor und im speziellen auf die, nennen wir es mal, ziemlich durchgedrehte Phantasie von Olli?

Nein, geprobt wird gar nichts. Nur in Ausnahmefällen, wenn zum Beispiel etwas Besonderes mit einem prominenten Gast passieren soll, sprechen wir das kurz ab. Ansonsten herrscht der freie Fall.

Wie kamen Sie eigentlich an diese Rolle? / und seit wann kennen Sie Olli?

Olli und ich sind seit über 20 Jahren befreundet. Er hat mich gefragt, ob ich mir das zutraue und ich habe leichtsinnigerweise ja gesagt.

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Gibt es eigentlich zu der Sendung „Dittsche“ etwas, dass Ihnen ganz besonders in Erinnerung geblieben ist? ein Gast oder eine Geschichte von Olli?

Ach, da gibt es natürlich vieles. Die Begegnung mit Rudi Carrell zum Beispiel – Gott hab ihn selig. Dittsches Hühnersuppenkur oder die Waschbären unter der Badewanne. Aber natürlich auch der berühmte Tresenscheibenbruch mit anschließendem Wutausbruch und Rausschmiss. Auf letzteres bin ich unter schauspielerischen Gesichtspunkten sehr stolz.

2009 waren Sie unterwegs in 16 Bundesländern, in 16 Imbissen und haben darüber ein Buch geschrieben: „Der Fritten-Humboldt“. In dem Buch beschäftigen Sie sich ja nicht nur mit dem Essen, sondern vielmehr mit den Menschen vor und hinter dem Tresen, was haben Sie von dieser Reise gelernt für „Dittsche“?

Ich habe viele sehr unterschiedliche Menschen – hauptsächlich Imbisswirte und Wirtinnen – in sehr kurzer Zeit zum Teil sehr nahe kennen gelernt. Und ich habe die Arbeit am eigenen Leib erfahren. Das gibt ein etwas mehr Solidität beim Spielen. Nicht mehr – aber auch nicht weniger.

Möchten Sie an dieser Stelle dem Leser gerne etwas Spezielles mitteilen?

Habt Euch lieb. Es ist eh viel früher vorbei als man denkt.

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Mit Veronika Ferres.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de