Achim Mentzel „Ich wurde wegen Republikflucht zu 10 Monaten Gefängnis auf 2 Jahre Bewährung verurteilt“

Achim Mentzel ist ein deutscher Musiker und Fernsehmoderator.

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Es hätte vielleicht von der DDR etwas mehr bleiben können, als nur das grüne Ampelmännchen und das Sandmännchen.

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Vom Polsterer zum Musiker, wann wurde Dir eigentlich klar, dass Deine Zukunft in der Musik liegt?

Schon in der Schule 4., 5. Klasse sang ich am Schluß der Musikstunde immer den Schlager, der in der Sendung “Schlager der Woche“ vom Sender RIAS Berlin den 1. Platz belegte. Der Musiklehrer setzte sich zu den Schülern und ich konnte auf dem Podium herumhampeln. Im Alter von 15 Jahren gründete ich eine Schülerband, die aus 3 Gitarren und Schlagzeug bestand. Als die Beatles ihren ersten Hits hatten, nannten wir uns “Diana-Schau-Quartett“. Auf Anraten meiner Eltern erlernte ich den Beruf des Polsterers und Tapezierers. Nach Auftrittsverbot Ende 1965 kam ich 1966 zur Armee und schlug danach den Weg als Berufsmusiker ein. Nach Gründung von “Fritzens Dampferband“, mit Nina Hagen, machte ich den Berufsausweis als Gesangssolist und tingel seitdem landauf landab.

War eine solche Entscheidung schwerer umsetzbar in der ehemaligen DDR?

Musik in der DDR zu machen, war sehr schwer. Unsere ersten Verstärker löteten wir selber zusammen, bauten die Boxen selber und an Effektgeräten war gar nicht zu denken. Wir mussten uns bei den Tanzabenden an die Regel 60 % Ostlieder und 40 % Westlieder halten, was kaum möglich war, denn das Publikum wollte natürlich nur die Musik aus dem Westen hören. Wir schwebten also immer zwischen Strafe und Berufsverbot hin und her.  Als wir uns Instrumente aus dem Westen mitbringen ließen, wurde das Musikmachen in der DDR noch gefährlicher.

1973 bist Du nach Westdeutschland gesiedelt aber nur kurze Zeit später wieder zurück, was war denn der Grund dafür?

Ich bin nicht nach Westdeutschland gesiedelt, sondern aus der DDR abgehauen. Einige Zeit habe ich um Geld zu verdienen und meiner Verwandtschaft nicht auf der Tasche zu liegen, als Schweißer im 3-Schicht-System gearbeitet und nebenbei Musik in einer kleinen Band gemacht. An Karriere als Sänger im Westen war gar nicht zu denken. Heimweh nach der Familie und der Wunsch weiter als Berufsmusiker zu arbeiten, ließ mich in die DDR zurückkehren. Ich wurde wegen Republikflucht zu 10 Monaten Gefängnis auf 2 Jahre Bewährung verurteilt und konnte, wie man jetzt noch sehen kann, meine Karriere als Sänger und Spaßmacher fortsetzen.

Wie ist heute Deine Meinung zur ehemaligen DDR im allgemeinen?

Es hätte vielleicht von der DDR etwas mehr bleiben können, als nur das grüne Ampelmännchen und das Sandmännchen.

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Dich verbindet u.a. eine Freundschaft zu Oliver Kalkofe, der Dich einst „verarschte“ Du aber suverän damit umgegangen bist und zurück geschossen hast, viele Künstler allerdings fühlen sich ja gestört von parodien beispielsweise, Du fandest das damals lustig oder was dachtest Du als sie dieses zum ersten Mal selbst gesehen hast?

Als Oliver Kalkofe mich in seiner “Mattscheibe“ verarschte, habe ich sofort darüber gelacht, weil mir klar war, dass ich nach der Wende niemals solche Riesenwerbung für mich selbst hätte machen können. Alle Welt wollte den Dicken sehen und kennen lernen, der von Kalkofe so verarscht wurde. Die Einschaltquote meiner eigenen Sendung “Achim´s Hitparade“ schnellte nach oben und ich nahm Oliver Kalkofe auch auf die Schippe. Seitdem haben wir viele Sendungen und Veranstaltungen gemeinsam gemacht und in seinen WIXXER-Filmen tauche ich, dank seiner Drehbuchschreibkunst jedes Mal in einer kleinen Rolle auf. Man kann also sagen, wir sind die besten Kumpels.

Aktuell läuft ja wieder Let´s Dance, an dem Format haben Sie 2010 teilgenommen, was hälst Du generell von solchen Prominenten Events wie Let´s Dance oder dem Dschungelcamp etc.?

“Let´s Dance“, “Promi-Dinner“ oder die “Koch-Arena“ und viele andere Fernsehformate sind für uns sehr wichtiges Beiwerk, die uns helfen, unseren Künstlerberuf weiterhin auszuüben. Ins “Dschungelcamp“ würde ich nie gehen, weil die Maden und Kakalaken sofort vor mir flüchten würden. Ich also dort nie eine Prüfung machen könnte. Als Unterhaltungsformat ist die Sendung natürlich sehr gut. (siehe Einschaltquote)

Was sind Deine nächsten Projekte, wo kann man Dich als nächstes sehen?

Mit meinem neuen Album “Meine Lieblingsworte heißen Sahnetorte“ durchs Land zu tingeln. Meine Fernsehauftritte könnt Ihr unter www.achimmentzel.de entnehmen, und natürlich auch mit Freude gucken.

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Möchtest Du an dieser Stelle dem Leser etwas Spezielles mitteilen?

Schön wäre es, wenn sich alle Leser mein Lebensmotto “Leben und leben lassen“ zu eigen machen könnten. Ganz wichtig im Leben ist, schon morgens fröhlich lachend aufzustehen, dann läuft der Tag wie von selbst.

Mit wem würdest Du nicht in der Sauna sitzen wollen?

Mit Godzilla. Ansonsten mit Jeder und Jedem.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de