Lorielle London „Ich wurde direkt angegriffen“

Lorielle London ist eine deutsche transsexuelle Entertainerin.

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Als ich als Person gewachsen bin und mein Glück selbst in die Hand nehmen wollte, das war der Punkt an dem ich gesagt habe jetzt gehe ich in Frauenkleidung vor die Tür.

Lorielle London

Lorielle, Sie waren am Anfang Ihrer Karriere bei DSDS zu sehen und haben sich jetzt im Bereich Fernsehen als Entertainerin etabliert, haben Sie eigentlich den Gesang komplett aufgegeben?

Music is my first love. Ich arbeite nach wie vor an meinem Gesang, aber es ist tatsächlich so, dass ich damit nicht mehr auftrete, aus eigener Entscheidung. Mal sehen, ob es mich irgendwann wieder auf die große Bühne zieht…

Ich stelle mir das unglaublich schwierig vor, wenn man sowieso nicht wirklich von sich überzeugt ist bzw. es so empfindet im falschen Körper zu stecken, sich dann noch vor einem Millionen-Publikum zu zeigen bei DSDS, wie war das? Wie sind Sie damit umgegangen?

Das war immer schwierig, wenn man nicht weiß, ob man man man selbst sein darf, und so habe ich mich immer gefühlt. Für mich war es schlimm, dass meine Sexualität damals ganz von alleine so stark thematisiert wurde, ohne dass ich große Worte dazu beigetragen habe. Dass ich Transsexuell bin hätte ich damals nie über die Lippen bekommen, weil die Menschen schon so viele vorurteile hatten. Was ich tun musste, ist mich auf das Wesentliche zu konzentrieren, aber dazu war ich damals nicht stark genug und ich glaube das hat man gemerkt.

Wann und wie war dann der Punkt zu der Transsexualität auch im Fernsehen zu stehen? Hatten Sie da Angst, die Medien könnten sie zerreißen oder wie gingen Sie damit um?

Als ich als Person gewachsen bin und mein Glück selbst in die Hand nehmen wollte, das war der Punkt an dem ich gesagt habe jetzt gehe ich in Frauenkleidung vor die Tür. Die Aufmerksamkeit kam ganz unerwartet, denn zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich schon eine längere Zeit aus der Branche zurück gezogen, und hätte niemals erwartet, dass es eine große Story wird. Nachdem das Ganze dann so ein großes Thema wurde, habe mich dann aber dafür entschieden, so viele Zügel wie möglich selbst in die Hand zu nehmen, was nicht gut funktioniert, wenn ein Image auf einem lastet und man ständig in diese Richtung driftet, aber es war okay, es hätte sehr böse für mich ausgehen können, aber mit Ehrlichkeit und Mut habe ich anschließend sehr schöne Erfolgserlebnisse gehabt und viele Fans gewonnen. Das Schönste für mich ist es, jeden Tag E-Mails von jungen transsexuellen Menschen zu lesen, die zu mir aufschauen und meinen Mut bewundern, das bedeutet mir mehr als Geld und Aufmerksamkeit.

Wie gehen Sie heute mit Kritikern um bzw. wie empfinden Sie die Menschen die Sie als „Schwuchtel“ bezeichnen? Ist das nicht sehr hart oder kann man sich an so etwas gewöhnen bzw. stumpft man mit der Zeit ab?

Das erlebe ich nicht persöhnlich, ich kann von Glück sagen, dass ich beruhigt über die Straße gehen kann und die Menschen sind nett zu mir, das habe ich mir hart erkämpft, und wenn mal was negatives passiert, stehe ich da mit meinen 15 cm High-Heels sowas von darüber, ich kann nicht von jedem Deutschen geliebt werden. Natürlich gab es vor vielen Jahren einen Zeitpunkt wo ich sehr direkt angegriffen wurde, aber das ist Gott sei Dank lange vorbei. Diejenigen, die dann doch noch Dampf ablassen möchten, können sich dann gerne im Internet auslassen. Diese Internetportale sind anonym, und das nehme ich nicht ernst. Mit seriöser Kritik kann ich sehr gut umgehen, und setze mich auch gerne damit auseinander. Ich möchte immer lernfähig bleiben und mich als Person weiterentwickeln.

Bei DSDS empfand ich Sie als ziemlich nervig. Bei dem Format Ich bin ein Star – Holt mich hier raus waren Sie mir auf jeden Fall sympathischer. Man hat schon gemerkt, dass Sie lockerer geworden sind, dafür meinen Respekt, dass Sie so offen mit Ihrer Transsexualität umgehen. Gab es da eigentlich schon Rückmeldungen von Gleichgesinnten, die sich aufgrund Ihrer Offenheit bestärkt gefühlt haben?

Ich kann es nicht in Worte fassen wie viel Liebe und Zuspruch ich nach dem Dschungelcamp bekommen habe nicht nur von Gleichgesinnten , und das hört bis heute nicht auf. Die letzten 7 Jahre waren nicht immer einfach, und ich wollte die richtigen Entscheidungen treffen. Es war keine Entscheidung von jetzt auf gleich ins Dschungelcamp zu gehen, es hat sehr lange gebraucht, bis ich eine Entscheidung getroffen habe, und es war die richtige.

Ich bin ein Star – Holt mich hier raus, lief vor kurzem und DSDS läuft aktuell, wie stehen Sie heute zu diesen Formaten? Verfolgen Sie diese Formate denn auch regelmäßig?

Ich habe die meiste Zeit in London verbracht und konnte DSDS bis jetzt leider nicht verfolgen, aber das werde ich jetzt mit Sicherheit. Ich bin ein Star – holt mich hier raus habe ich geschaut, und war erstaunt, zu was Menschen doch bereit sind nur für ein bisschen Aufmerksamkeit, und das finde ich sehr schade…Aber es war super unterhaltsam.

Lorielle London

Wo werden wir Sie in der nächsten Zeit sehen können, ist schon etwas Neues geplant?

Ich schreibe zur Zeit an einem Buch, und widme dem sehr viel Zeit und meine volle Aufmerksamkeit.

Möchten Sie an dieser Stelle dem Leser etwas direkt mitteilen?

Danke fürs Lesen 🙂

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© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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