Gregor Steinbrenner „Am liebsten würde ich in einer Wissenschaftsredaktion arbeiten“

Gregor Steinbrenner ist ein deutscher Fernsehmoderator. Bekannt wurde er unter anderem als Moderator der Sendung 1, 2 oder 3.

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Am liebsten würde ich in einer Wissenschaftsredaktion arbeiten. Das ist schon lange ein Hobby von mir, wäre doch prima, das auch im Beruf umsetzen zu können.


Gregor Steinbrenner

Du hast ja eine sehr interessante Journalisten-Ausbildung hinter dir. Wie bist Du dann zum Kinderfernsehen gekommen, war das geplant?

Teil der Ausbildung an der DJS sind Hospitanzen. Eine davon wollte ich unbedingt beim Fernsehen machen – vor allem, um das ganze Spektrum der journalistischen Betätigung kennenzulernen und bei der Zeitung und beim Radio war ich schon. Also: TV. Durch Zufall habe ich dann am Schwarzen Brett der DJS einen Aushang gesehen, dass „logo“ Leute sucht und mich dort beworben. Der Anfang war also halb-zufällig, aber auf jeden Fall nicht minutiös geplant. Als ich erst mal dort war, war ich allerdings so begeistert vom Kinderfernsehen, dass ich ziemlich schnell wusste: hier bist du richtig.

Wo ist der Unterschied Fernsehen für Kinder bzw. für Erwachsene zu machen? Gibt es überhaupt einen?

Da gibt es tatsächlich einen Unterschied: beim Erwachsenen-Fernsehen setze ich ein bestimmtes Grundwissen voraus. Je nach Sendung und Sender ist diese Voraussetzung unterschiedlich – inwieweit sie gerechtfertigt ist, steht auf einem anderen Blatt. Beim Kinderprogramm gehe ich gerade nicht davon aus, dass Vorwissen da ist (zumindest bei einem großen Teil meiner Zuschauer), sondern dass ich quasi der erste bin, der ihnen über diesen Sachverhalt etwas erklärt.

Welche dieser Sendungen hat Dir eigentlich am meisten Spaß gemacht?

Ich habe sehr unterschiedliche Sendungen machen dürfen, von der Reisesendung über das Jugendmagazin, versketchte Programmansagen – und alle hatten etwas. Es gab keine Sendung, die mir keinen Spaß gemacht hat, bei 1, 2 oder 3 war es die Kombination Erklären und Quizmaster, bei PuR war es die Kombination aus Erklären und Unterhalten, bei Reiselust die Tatsache, unglaublich interessante (und schräge) Menschen kennenzulernen. Aber wenn ich mich für eine Sendung entscheiden soll: 1, 2 oder 3. Das habe ich über zehn Jahre gemacht und bin allein deshalb so mit der Sendung verbunden (und den Leuten, die diese Sendung ebenfalls „machen“).

Gregor Steinbrenner

Gibt es so Momente die Dir spontan einfallen welche du nie vergessen würdest, weil sie entweder total schön oder auch total peinlich waren?

Unheimlich viele: der Frosch, der einem Kandidaten in hohem Bogen aufs T-Shirt pinkelt, das Pferd, das mitten im Studio plötzlich durchdreht, der Affe, der sich auf eine Kamera stürzt und sie nach allen Regeln der Kunst vermöbelt… Eine kleine Geschichte fand ich noch unheimlich beeindruckend: Es war bei 1, 2 oder 3. Ein Kandidat aus der Schweiz, ein Junge, liegt einen Ball hinter den Führenden zurück. Es kommt zur Masterfrage und er springt als einziger auf ein Feld. Es war die richtige Antwort, er bekommt zwei Bälle und wird Tagessieger. Hinterher frage ich ihn, woher er die Antwort wusste und er sagt, er habe die richtige Antwort nicht gewusst, aber er musste auf das Feld springen, auf dem kein anderer stand, sonst hätte er ja nicht mehr gewinnen können.

Was hat Dich schließlich dazu bewogen mit dem Kinderfernsehen aufzuhören oder machst Du noch was in der Richtung?

Nach zehn einhalb Jahren 1, 2 oder 3 und insgesamt zwölf Jahren beim Kinderprogramm des ZDF wollte ich etwas Neues machen. Ich war Mitte dreißig, da ist man auch nicht mehr so wahnsinnig glaubhaft der große Bruder, sondern wird langsam zum komischen Onkel. Zum anderen hatte ich auch die Illusion, dass die Welt auf einen erfahrenen Moderator wie mich gewartet hat und mir alle Türen offen stehen. Dass das nicht ganz so selbstverständlich ist, ist eine nicht ganz einfache Erkenntnis, die ich übrigens mit einigen Kollegen aus dem Kinderprogramm teile.

Was moderierst Du aktuell für ein Format?

tips & trends sportiv habe ich bis 2006 moderiert. Es war eine Servicesendung bei 3sat, die Sport, Fitness, Wellness etc zum Inhalt hatte. Ich konnte dort wunderbar „sportiv“ sein, viele Dinge ausprobieren, wie Surfen, Biathlon, kiten. Die Sendung tips & trends wurde dann gerelauncht und bekam den Namen „vivo“. Dort war ich bis letztes Jahr Redakteur und Reporter. Seit September 2010 moderiere ich vivo (samstags, 17.30 Uhr auf 3sat). Es ist ein Reportageformat, das sich mit den unterschiedlichsten Themen beschäftigt, die in der Gesellschaft virulent sind.

Welche Sportart ist Dir noch ganz besonders im Kopf geblieben, die Du im Rahmen der Sendung probiert hast?

Die allererste Sendung war auch die einprägsamste, es war Januar und daher wollten wir eine Wintersportsendung machen und aus hoffentlich nicht boshaften Gründen hat sich die Redakteurin der Sendung dazu entschlossen, mich auf eine Skischanze zu stellen. Das ganze fand natürlich im Rahmen eines Kurses statt, Skispringen für jedermann und wurde entsprechend vorbereitet. Aber dieses Gefühl, da oben auf dem Schanzentisch zu sitzen, ist noch unheimlich präsent. Geholfen hat mir da übrigens der Satz des Trainers: denk nicht lang drüber nach, geh hoch und fahre los. Das hat geholfen. Das Springen selbst war dann nur halb so schlimm, im Gegenteil: ich war unheimlich euphorisiert, als ich unten (heil!) ankam.

Gregor Steinbrenner

2011 hat ja gerade erst angefangen, wo soll der Weg noch hingehen, was hast Du noch so vor in der nächsten Zeit und wo kann man Dich eventuell noch sehen?

Nachdem Gottschalk nur noch bis zum Sommer macht….;-) Nein, im Ernst: Am liebsten würde ich in einer Wissenschaftsredaktion arbeiten. Das ist schon lange ein Hobby von mir, wäre doch prima, das auch im Beruf umsetzen zu können. Und Wissenschaft bzw wissenschaftliche Phänomene und Neuheiten zu erklären, damit würde sich ja auch ein Kreis schließen, der bei 1, 2 oder 3 angefangen hat. „nano“ bei 3sat, das wäre so eine Sendung, die ich mir sehr gut für die nähere Zukunft vorstellen könnte.

Gibt es etwas was Du an dieser Stelle dem Leser mitteilen möchtest?

Meine Tochter möchte heute mit mir in den Zoo gehen, Eisbären anschauen.

Mit wem würdest Du nicht in der Sauna sitzen wollen?

Generell mit Menschen, die eine Saunabank mit ner Quatschecke verwechseln. In der Sauna wird geschwiegen. Und im Speziellen: mit Finnen. die trinken nämlich in der Sauna gerne mal einen. Und das macht „süd“europäischen Weicheiern wie mir Mörder-Kopfweh!

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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