Hennes Bender „Ich bin Reisender in Sachen Bespassungsmission“

Hennes Bender: Geboren in Bochum wo er irgendwie nicht weggekommen ist und heute noch lebt. Zur Welt kam Hennes in der damaligen „Landesfrauenklinik“ am Stadtpark welche ein paar jahre später zur örtlichen Nervenheilanstalt umgewandelt wurde. Oder wie sein Vater manchmal sagte: „Man merkt, daß Du in der Klapse geboren wurdest!“

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Über meine eigenen Unfähigkeiten mit dem Alltag klarzukommen. Wenn ich das nicht könnte würd ich wahnsinnig werden. Und natürlich über meine Frau, den lustigsten Mensch der Welt!
Fotograf: Martin Huch

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Hennes, Ihre Eltern sind zur Werkseröffnung von Opel nach Rüsselsheim gezogen. War diese Zukunft jemals eine Alternative für Sie auch bei Opel beschäftigt zu sein?

Ich habe drei Sommer in den Semesterferien bei Opel am Band geschuftet. Seitdem habe ich tierischen Respekt vor den Menschen die damit Ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Aber mir war klar, dass das auf Dauer nichts für mich ist. Dafür ist diese Arbeit einfach zu unkreativ und ich selbst bin auch handwerklich nicht sonderlich begabt, wahrscheinlich hätte meine Tätigkeit auf Dauer den Qualitätsstandart der Bochumer Opelmodelle geschadet!

1990 spielten Sie im Schauspielhaus Bochum den Hamlet,wie viel vom Text wissen Sie noch?

Den „Hamlet“ hab ich ja nur einmal gegeben, den „Puck“ im „Sommernachtstraum“ dagegen viel öfter. Den Schlussmonolog kann ich immer noch im Schlaf!

Theater Schauspieler und Comedy liegen ja etwas weiter auseinander, wann wurde Ihnen klar das die Comedy Ihre Zukunft ist und nicht beispielsweise die Schauspielerei?

Schaupiel und Comedy liegen im Gegenteil sogar sehr NAH beeinander. Immerhin hat Shakespeare „Comedies“ geschrieben. Bei der Comedy wie ich sie praktiziere, kann ich machen was ich will und muss mich nicht an Regieanweisungen oder Textvorgaben von anderen halten. Theaterarbeit ist da schon viel disziplinierter. Was nicht heissen soll, dass Comedy nicht auch Disziplin braucht. Im Prinzip war das damals eine ganz einfache Rechnung: Im Theater kommen weniger Leute und man muss das Geld untereinander aufteilen. Bei Comedy ist die Hütte voll und ich steh alleine auf der Bühne. Rechnet sich also eher und macht mehr Spass. Auf der einen Seite reine Logistik auf der anderen die totale künstlerische Freiheit. Da fiel die Wahl irgendwann nicht schwer. Ich muss ja auch Miete zahlen und Strom und so.

Fotograf: Martin Huch

Fotograf: Martin Huch

Im TV waren Sie 2000 zu sehen in der Reality Show „Geld für dein Leben“ ich habe gelesen das Sie da nicht gerne dran erinnert werden, wieso?

Ach da kann man schon drüber sprechen, das hat ja damals auch keine Sau gesehen. Das lief auf Tm3, hihihi! Das war so ein „Big Brother“ Testprogramm, nur dass ich nicht eingesperrt wurde, sondern, dass ein Kamerateam mir den ganzen Tag auf der Pelle hing. Sowas sieht man ja heute auch dauernd, nur rennen die Kameras jetzt Polizisten hinterher, zumindest bei uns in Bochum. Ich war da so ein bisschen Pionier. Schämen tu ich mich da nicht für, aber nochmal machen würd ich das auch nicht!

2004 erhielten Sie den Deutschen Comedypreis für den besten Newcomer. Was für ein Gefühl war das der beste neue Comedian in Deutschland zu sein?

Also ganz ehrlich halte ich von diesen Preis- und Rangstrukturen nicht mehr so viel. Ich bin nicht besser oder schlechter als andere. Wenn ich einen Beruf ausüben wollte, wo es darum geht immer der beste zu sein würd ich Fussball spielen. Aber dieses ganze Quoten- und Verkaufszahlen-denken ist mir eher suspekt! Gefreut hab ich mich natürlich über den Preis, aber deswegen mach ich den Job nicht um dann debil grinsend den Preis in die Kamera zu halten!

Über was können Sie selber lachen?

Über meine eigenen Unfähigkeiten mit dem Alltag klarzukommen. Wenn ich das nicht könnte würd ich wahnsinnig werden. Und natürlich über meine Frau, den lustigsten Mensch der Welt!

Gibt es Gags wo Sie heute denken „Den hätte ich mal lieber nicht gemacht“?

So was denk ich dauernd, auch noch heute. Meistens sag ich das sogar laut auf der Bühne. Manchmal kommt ein Gag eben nicht so an wie ich mir das wünsche. Aber anstatt mich dafür zu schämen mach ich einen Gag draus das der Gag nicht funktionierte. Kann ja mal passieren. Ich bin ja kein Witzroboter, keine Comedymaschine. Das mögen die Leute glaub ich auch an mir: Meine Glaubwürdigkeit!

Über Sich selbst sagten Sie mal „Ich bin kein Mehrzweckhallenkomiker“ wäre es für Sie kein Ziel auch einmal ein Olympiastadion voll zu bekommen? Oder fehlt Ihnen dann die nähe zum Publikum? Was ist wichtiger, nähe zum Publikum oder Massentauglichkeit?

Ich versuche das eben aus der Sicht des Konsumenten zu sehen und nicht des Veranstalters. Wenn Leute viel Geld bezahlen müssen um mich dann auf einer Videoleinwand zu sehen, habe ich als Künstler etwas falsch gemacht. Ich will die Leute ja RIECHEN und Ihnen in die Augen sehen. Anonyme Massen interessieren mich nicht. Bei mir geht um Kommunikation und um den Dialog! Die Nähe zum Publikum ist eine der schönsten Nebeneffekte meines Berufes. Ausserdem klingen grosse Hallen scheisse. Würden Sie die Stones lieber im Stadion oder in einem Club sehen? Also!

Fotograf: Martin Huch

Fotograf: Martin Huch

Sie wirkten als Sprecher bei der Produktion der Minihörspielreihe Die drei @@@/ (Die drei Klammeraffen), eine Parodie auf die Hörspielreihe „Die drei Fragezeichen“ Hören Sie gerne Hörspiele ?

Nein, ich LIEBE Hörspiele. Sie sind mein grosses „Laster“, wenn man das so nennen kann. Gottseidank hat meine Popularität dazu geführt, dass ich in immer mehr Hörspielen mitsprechen kann, bei den STAR WARS Hörspielen spreche ich zum Beispiel alle Kampfdroiden mit epischen Sätzen wie: „Stehen Bleiben“, „Roger Roger“ oder „Ihr seid des Todes!“ Auf Tour und unterwegs nachts auf der Autobahn brauche ich entweder Musik oder ein gutes Hörspiel und wenn es alte Märchenklassiker sind! Da bin ich wirklich Kind geblieben!

Ich hab eben auf Ihrer Homepage gesehen, dass Sie Termine bis 2012 eingetragen haben, unglaublich, zählen Sie ihre Auftritte eigentlich noch mit?

Tatsächlich ist meine Terminplanung ziemlich „weit vorne“, was einerseits ein bisschen gruselig ist, da ich jetzt schon weiss, dass ich im April 2012 in Oberwuselhausen spiele, andererseits sollte man sich in „Zeiten wie diesen“ auch nicht über zuviel Beschäftigung beklagen. Das wäre Jammern auf hohem Niveau.

Oft ist es ja so das Künstler nicht wissen wo sie gerade spielen, wie ist das bei Ihnen, beschäftigen Sie sich mit dem Ort wo sie auftreten oder ist das einfach nur ein Job?

Die meisten meiner Auftrittsorte sind mir bekannt, ich bin ja mit den Jahren ein „Wiederholungstäter“ geworden. Man kann auch sagen: „Ich kenn meine Pappenheimer“ und die jeweiligen Orte und Ihre Eigenheiten. Ich freue mich natürlich auch auf neue Locations und fahre gerne dahin wo ich noch nie war. Da bin ich gerne Reisender in Sachen Bespassungsmission.

Komma lecker bei mich bei, ist das Buch eher was für Ruhrpottler?

Das Thema Ruhrgebiet liegt mir natürlich sehr nahe, weil ich hier geboren, aufgewachsen und vor allem geblieben bin. Es ist quasi eine Abrechnung und eine Liebeserklärung gleichzeitig.

2011 ist ja noch jung, wird es etwas neues neben den vielen Auftritten von Ihnen geben? Wie sehen die Planungen für die nächste Zeit aus?

Im Moment steht die Planung für die nächste CD an und ausserdem bereite ich mein neues Buch vor, welches 2012 erscheinen soll. Um was es geht darf und will ich aber noch sagen. Ich wollte eigentlich einen romantischen Vampirroman mit den Titel „Biss zum Erbrechen“ schreiben, aber ich hab es mir doch anders überlegt!

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Mit meiner Schwiegermutter!

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de