Mono & Nikitaman „Menschen sollten den Wert von Musik erkennen“

Mono & Nikitaman: Als die beiden Solokünstler 2004 frei von jedem konstruierten Masterplan beschließen „einfach mal ein gemeinsames Album zu machen“ ahnen weder sie, noch ihr Label Rootdown Records, wohin es Mono & Nikitaman führen wird. Mit ihrem direkten, überraschenden Stil erspielen sich sie sich schnell ein eigenes Publikum und treffen mit einem Mix aus Dancehall/Reggae & HipHop schon damals spürbar einen Nerv. Ihr Debütalbum „Das Spiel beginnt“ verkauft sich bereits auf Anhieb über 10.000 Mal.

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Ich glaube aufzuwachsen und seinen Platz, seine Berufung zu finden fällt keinem Menschen immer leicht. Meine Kindheit in den besetzten Häusern habe ich sehr genossen. Als Kind ist es natürlich schon schwer zu verstehen warum man plötzlich morgens früh von der Polizei aus dem Haus vertrieben, dieses noch am gleichen Tag abgerissen wird und man sich in einer halle mit 30 anderen Personen wiederfindet die dann erstmal als Wohnung dient aber abenteuerlich ist es auf jeden Fall. 

Mono & Nikitaman

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Nick, vom Hausbesetzer aus Düsseldorf über das Wirtschaftsabitur zum bekannten Musiker. Wie kann man sich das vorstellen? Der Weg war sicherlich nicht immer einfach?

Ich glaube aufzuwachsen und seinen Platz, seine Berufung zu finden fällt keinem Menschen immer leicht. Meine Kindheit in den besetzten Häusern habe ich sehr genossen. Als Kind ist es natürlich schon schwer zu verstehen warum man plötzlich morgens früh von der Polizei aus dem Haus vertrieben, dieses noch am gleichen Tag abgerissen wird und man sich in einer halle mit 30 anderen Personen wiederfindet die dann erstmal als Wohnung dient aber abenteuerlich ist es auf jeden Fall. Die Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann ist mir nur schwer gefallen weil ich wußte das so mein Leben auf keinen Fall aussehen kann und trotzdem habe ich sie abgeschlossen um mich danach direkt auf die Musik zu stürzen. Das daraus mein Beruf wird hätte ich allerdings auch nicht immer gedacht.

Wie viele Jahre warst Du als Hausbesetzer unterwegs und wie bist Du dazu gekommen zu dem Umstand Häuser zu besetzen?

Meine Mutter hat Häuser besetzt und ich und meine Schwester sind natürlich dabei gewesen. Die Gründe damals waren zum einen die ständig steigenden Mieten und der Spekulationsleerstand, aber auch die Idee einer Alternative zum „normalen“Leben. Gemeinsamkeit statt Isolation, Solidarität statt Ellenbogengesellschaft. Ab dem 6. Lebensjahr habe ich in besetzten Häusern gewohnt und habe auch heute noch eine Wohnung auf der ehemals besetzten Kiefernstrasse.

Nick, was würdest Du als Heimat bezeichnen? Die Niederlande, Deutschland oder Österreich?

Ich mag das Wort Heimat nicht, aber ich habe die letzten 5 Jahre in Österreich verbracht und mich dort sehr zu Hause gefühlt, dennoch war es unglaublich schön wieder nach Deutschland zurück zukommen und wenn es sein müsste würde ich mich trotz meines holländischen Passes als Deutsch (Kartoffel) bezeichnen.

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Monika, wie bist Du groß geworden? Gab es auch bei Dir ungewöhnliche Wohnumstände?

Ich bin mehr oder weniger autark in absoluter Land Idylle in in einer Großfamilie mit Tante, Oma Opa und vielen Geschwistern unter einem Dach aufgewachsen.

Nick, die Hausbesetzerszene würde ich nun mit meinem Halbwissen eher den Punks, dementsprechend der Punk Musik zuordnen, wie bist Du dann zum Reggae gekommen?

Ich weiß nicht ob man sich die Musik aussucht oder ob einen die Musik aussucht, allerdings sind Punk und Reggae beides revolutionäre Musikstile die nicht von Eliten sondern von der einfachen Bevölkerung gespielt wurden und werden.

Mono & Nikitaman

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Wann und durch welchen Umstand habt ihr Euch, Nick und Monika, schließlich kennen gelernt?

Wir waren beide mit unseren Sounds (everlast u soundsgood) auf einem Reggae Festival in Italien, da wir jeweils auf einem Sampler vertreten waren, hatten wir einige Bookings im Rahmen der Releasetour zusammen, so waren wir eigentlich von Anfang auf oft zusammen auf der Bühne und bekamen gutes Feedback.

Wie sieht Eure Zusammenarbeit genau aus? Schreibt Ihr beide die Texte zusammen oder doch eher einzeln?

Einzeln und zusammen. Wir treffen uns immer wieder, um das Thema genauer zu bestimmen. Wollen keine Combinations sondern homogene Songs schreiben.

Seit 2004 macht Ihr zusammen Musik, die Musikrichtung ist ja keine „Pop“-Musik und dementsprechend auch bei der breiten Masse weniger bekannt. Kann man bzw. könnt Ihr von der Musik leben?

Ja, wir leben davon. Haben keine weiteren Jobs, da wir sehr selbst bestimmt arbeiten, vonBooking bis Merch alles selber machen, wäre auch keine Zeit für einen weiteren Job.

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Merkt Ihr speziell in den letzten Jahren die steigende Internetkriminalität, dass Menschen eure Tracks runterladen anstatt sie sich zu kaufen?

Klar. Natürlich würde ich gerne wissen wie viele Platten wir verkauft hätten, wären wir am technologischen Stand von vor 12 Jahren. Wir sehen Internet aber nicht als unseren Feind an. Es ist eine Plattform, die viele positive Aspekte bietet. Gerade als Independent Künstler ist es ein absolut perfektes Medium zur Verbreitung der eigenen Sache. Völlig sinnlos finde ich Verbote oder die Diskussionen über Computerscans an Grenzen, ich denke, dass die Leute soweit sein sollten den Wert von Musik zu erkennen und ihre Lieblingsbands zu unterstützen damit es sie noch weiter gibt.

Bei einigen Tracks singt Ihr über die Legalisierung von Weed, gab es da in irgendeiner Form schon mal Beschwerden oder Gegner die Euch negativ darauf angesprochen haben?

Ja, vor allem dann wenn sich die Leute die Texte nicht richtig angehört haben. Wir sind für die Legalisierung, die Gründe dafür müssen wir hier nicht extra anführen. Vor allem Pädagogen oder Lehrer, die sich mit dem Thema noch nicht auseinandergesetzt haben meinen, das nicht vertreten zu können. Komisch eigentlich.

Sicherlich hört Ihr auch privat gerne Musik, wer sind Eure Lieblingskünster und Lieblingstracks?

Nick: Laden – Time to shine
Mono: Ich höre alles mögliche gerne. Viel Black Music. Dizzee Rascal’s „dance wiv me“ find ich gut.

Am 15.April startet die neue Tour mit dem Namen „LIVE UNTER FREUNDEN“. Wie nahe seid Ihr eigentlich euren Fans?

Unsere Konzerte sind sehr interaktiv, wir stehen nicht alleine auf der Bühne mit unserer Band und stellen unsere neuen Songs vor, sondern feiern die Shows zusammen mit dem Publikum. Je mehr Reaktion umso mehr Aktion und umgekehrt… ohne Publikum keine Show dafür sind wir jedem Besucher dankbar und zeigen das auch. Manchmal fühlt es sich sogar bei 30000 Leuten so an als würden wir „Unter Freunden“ feiern.

Wann kommt das neue Album zu der Tour eigentlich raus?

Am 1. April

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Wie würdet Ihr euer aktuelles Album selbst am besten beschreiben?

Es ist kontrastreich, geht nach vorne und klingt fett. 🙂

Was plant Ihr denn nach Eurer Tour? Ist schon was für den Sommer und darüber hinaus geplant?

Wir werden wieder viele Festivals spielen. Im Herbst oder Winter ist dann irgendwann ne zweite Tour angedacht.

Neben wem würdet Ihr nicht in der Sauna sitzen wollen?

Mono: neben einem Spanner
Nick: neben dem Ofen

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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