Oliver Broumis “jeden Moment bewusst erleben und genießen”

Oliver Broumis ist ein deutscher Schauspieler, bekannt aus Filmen wie Stalingrad und Hasenjagd.

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Die unterscheide in den Arbeitsweisen sind enorm. Vor der Kamera arbeitet man in einem wirklich intimen kleinen Kosmos – es geht um den Partner und die Kamera. Ich würde es mehr als SEIN denn als schauspielern beschreiben. Die Arbeit im Theater ist ausgelegt auf Vergrößerung. Das ich im Theater einen ganzen Abend zu bestreiten habe und vor der Kamera bits & pieces ist dabei nicht einmal der größte unterscheid!

Wann waren Sie sich zum ersten Mal bewusst Schauspieler werden zu wollen?

Ich glaube, das war so mit 16 Jahren. Ich habe Kontakt zu einer semiprofessionellen Theatergruppe um Simone Rist vom Pariser Theatre du Soleil bekommen und dort einige Jahre bis zum Abitur gespielt. Während der Arbeit mit Simone war mir schnell klar, dass das mein Beruf werden soll.

Dann die ersten Rollen im Fernsehen u.a. in einem Tatort, wie kam es dazu, was hat Sie dazu bewogen nebst dem Theater auch im Fernsehen zu spielen?

Das war eher Zufall. Eine Casterin hat mich für die Rolle entdeckt und plötzlich hatte ich große Lust die Arbeit vor der Kamera, die eine gänzlich andere ist kennenzulernen………und es hat mir großen Spaß gemacht!

Wo liegen für Sie die Unterschiede der beiden Medien? Und was macht Ihnen persönlich mehr Spaß, das spielen vor Dutzend bis hundert Menschen oder das Schauspielen vor einem Millionen Fernsehpublikum?

Die unterscheide in den Arbeitsweisen sind enorm. Vor der Kamera arbeitet man in einem wirklich intimen kleinen Kosmos – es geht um den Partner und die Kamera. Ich würde es mehr als SEIN denn als Schauspielern beschreiben. Die Arbeit im Theater ist ausgelegt auf Vergrößerung. Das ich im Theater einen ganzen Abend zu bestreiten habe und vor der Kamera bits & pieces ist dabei nicht einmal der größte unterscheid!

Oliver Broumis

Oliver Broumis

1993 haben Sie in dem großartigen Film Stalingrad mitgewirkt, wie sind Sie an diese Rolle damals gekommen, was ist Ihnen aus der Zeit besonders im Gedächtnis geblieben?

Diese Rolle habe ich auch durch den einen Hinweis einer Casterin bekommen. Sabine Schroth, die Erfinderin des Berufs des Casters in Deutschland, wies mich auf Vilsmaier und sein Projekt hin. Daraufhin, habe ich mich bei ihm beworben und wurde eingeladen. Ich habe mir in einem Bundeswehr Shop eine Tarnhose und ein Barret besorgt, bin so ins Produktionsbüro gefahren und habe die Rolle bekommen………:-)) – etwas verkürzt erzählt. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die unglaubliche kälte beim drehen und die Tatsache, dass ich im Grunde einen Teil der Geschichte meines Opas gespielt habe. Er war als junger Soldat in Stalingrad, hat überlebt und mir später als Teenager einiges davon erzählt – und mir geholfen den Wehrdienst zu verweigern.

Gibt es eigentlich Produktionen bei denen Sie im nach hinein denken „Die hätte ich mal lieber nicht gemacht“?

Ja……..:-))), aber ich sage nicht welche.

Welche war in Ihren Augen die schönste, bzw. gibt es so etwas überhaupt oder ist es als Schauspieler eher so das einem egal ist was man spielt es ist ja schließlich der Beruf?

Es ist ganz und gar nicht egal was man spielt. An einigen Produktionen und Figuren hängt sehr viel Herzblut. Es sind Filme mit Themen, die für das Leben des Zuschauers einen Unterschied machen können, wenn er oder sie sich dafür öffnet. Ich habe den Beruf u.a. ergriffen um Geschichten mit Relevanz zu erzählen, Geschichten die das Leben von Menschen auf essentielle Art berühren. – und Filme die das tun, sind mir die liebsten – übrigens auch als Zuschauer!

Oliver Broumis

Oliver Broumis

Welche Art von Rolle spielen sie am liebsten? Wie sehe ihr Lieblings-Film-Charakter aus?

Wie ich oben schon beschrieben habe, sollten es Figuren sein, die etwas Essentielles über das Leben zu erzählen haben und so dem Zuschauer einen anderen Blickwinkel auf sein eigenes Leben eröffnen. Das können dann ganz unterschiedliche Charaktere sein.

Auf Ihrer Webseite heißt es: „Zur Zeit arbeitet er mit einer Regisseurin und einer Autorin an einem Film über den Tod und den Prozess des Sterbens. Der Film stellt die Frage, ob nicht jede Sekunde im Bewusstsein seiner eigenen Endlichkeit zu leben, uns einen ungeheuren Zugewinn an Lebensqualität bescheren würde.“ Gibt es schon Ideen, wann, wie und wo der Film zu sehen sein wird oder sind Sie da noch in der Produktion?

Wir sind im Augenblick in der Drehbuchphase. Drehstart für den Film wird 2012 sein.

Ich denke es ist auch mal ganz schön sich seiner eigenen Endlichkeit nicht bewusst zu sein um einfach frei leben zu können ohne Verlustängste in irgendeiner Form, dass sehen Sie anders?

Ja! ich denke, dass das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit eine große innere Freiheit beschert. Es bedeutet ja nicht morbide mit Todesgedanken durchs Leben zu laufen. Ganz im Gegenteil: es bedeutet, zu versuchen jeden Moment bewusst zu erleben und zu genießen – auch unangenehme Erfahrungen! Es ist ganz-sein und der sein, der man ist.

Was ist für 2011 und darüber hinaus geplant, werden wir Sie noch in weiteren Rollen oder im Theater sehen können?

Oh ja, was in 2011 kommt, kann ich noch nicht öffentlich sagen, aber so viel: es kommt was……

Gibt es etwas, das Sie an dieser Stelle direkt den Lesern sagen möchten?

Klar: gerade nach der Berlinale, kann ich nur sagen: Leute geht ins Kino! da gehören Filme hin!!!!!!

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Mit einem Politiker. Ich möchte nicht im entferntesten wissen, was da ausgeschwitzt wird!

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de