Michael Baral “Neben Liam Neeson war ich ein bisschen nervös”

Michael Baral ist ein deutscher Schauspieler und Synchronsprecher. Bekannt ist er aus Internationalen Projekten wie zb. Unknown Identity.

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Ich bin in einem kleinen Dorf in Baden-Württ. aufgewachsen und eigentlich war es völlig abwegig und bescheuert (ohne jemand in der Verwandtschaft zu haben, der mit Schauspiel zu tun hat) aus diesem recht bürgerlichen und konservativen Umfeld auszubrechen und tatsächlich dem Berufswunsch Schauspieler nachzugehen

Michael Baral

Michael Baral

Michael, wann wurde Ihnen bewusst das Sie Schauspieler werden möchten?

Ich bin in einem kleinen Dorf in Baden-Württ. aufgewachsen und eigentlich war es völlig abwegig und bescheuert (ohne jemand in der Verwandtschaft zu haben, der mit Schauspiel zu tun hat) aus diesem recht bürgerlichen und konservativen Umfeld auszubrechen und tatsächlich dem Berufswunsch Schauspieler nachzugehen – dieser Beruf war gleichbedeutend mit Unsicherheit, Mangel an Geld und wurde zudem auch gar nicht als wirkliches „Schaffen“ angesehen, also wieso sollte jemand freiwillig so etwas zu seinem Beruf machen?! Wär ja ganz schön blöd… Dennoch hatte der kleine Michael den starken Wunsch, der daher kommt, dass er sich sehr in seine Fernseh-Charaktere hineinversetzt hat und er sich unheimlich gerne ausmalte, wie’s wäre wenn er z.B bei „Ein Colt für alle Fälle“ auf Verbrecherjagt ginge und das als tollpatschiger Howie… Mit meinem amerikanischen Nachbarsjungen hab ich dann die Szenen nachgespielt und weiterentwickelt…Hinzu kam, dass ich jedes Jahr im örtlichen Weihnachts-Krippen-Spiel in der Kirche von den „Hirten“ über die „Heiligen 3 Könige“ bis zum „Joseph“ immer größere Rollen bekam, hab mich sozusagen Schritt für Schritt hochgearbeitet..:-)

Ihre erste Rolle im TV war bei „Der Bulle von Tölz“ Wie sind sie an die Rolle gekommen?

Nach meiner Schauspielausbildung in München wurde ich vorgeschlagen und hatte ein Treffen mit dem Regisseur Walter Bannert bei dem es vor allem wichtig war, für die Rolle den bayrischen Dialekt zu beherrschen. Für’s bayrisch hab ich dann als erstes aus der Bücherei Hörspielkassetten wie „Ein Münchener im Himmel“ (Ludwig Thoma, die Geschichte kann ich in der Zwischenzeit auswendig..) und dergleichen ausgeliehen und mich regelmäßig auf den Viktualienmarkt zu stellen um den bayrischen Marktschreiern zuzuhören.. Mit einiger Übung hat das dann auch geklappt!

Sie spielten weiterhin in vielen TV Serien mit wie in etwa „Küstenwache, Die Wache, Die Kommissarin oder Tatort“ welche dieser Deutschen Produktionen war für Sie die Interessanteste?

Sehr spannend war für mich zuletzt mit Sicherheit der SWR „Tatort“ unter dem großartigen Regisseur Bodo Fürneisen. Aber auch der Sohn von Hannelore Elsner in „Die Kommissarin“ war ne tolle Herausforderung. Beides sind Serien von höchster Qualität – es geht nicht um’s schnelle, sondern um’s präzise Arbeiten und das is natürlich sehr befriedigend als Schauspieler. Außerdem find ich Hannelore Elsner grandios-freu mich, dass wir immer noch in Kontakt stehen.

Sie haben auch eine Rolle in dem Film „Children of Wax“ gespielt, neben Udo Kier, welches Film oder TV Projekt sehen Sie als Ihren bisherigen Höhepunkt an?

Es ist schwierig nur ein Projekt hervorzuheben, aber „Children of Wax“  war meine erste amerikanische Film-Produktion in der ich mitwirken konnte. Das Spannende war nicht nur zu sehen wie die Amis arbeiten, sondern dass ich auch die Möglichkeit hatte, eine so extreme Rolle mit der größtmöglichen Freiheit zu entwickeln, so dass die Poduktionsfirma Nuimage aus L.A. und Menachem Golan mich letztendlich statt 2 Wochen ganze 5 in Bulgarien engagierten und meine Rolle vergrößerten – eine bessere Auszeichnung konnte es für mich nicht geben. Ein weiterer Grund waren auch die zwar durchaus renommierten bulgarischen Kollegen, die mit mir die 3 deutschen Neonazis spielten; Aber aufgrund ihrer Unsicherheiten mit der englischen Sprache bekam ich auch dadurch immer mehr „zugeschustert“. Diese Möglichkeiten zu bekommen bei meinem ersten amerikanischen Film hätte ich im Vorfeld nicht einmal geträumt..

Anfang 2009 dann einige Episoden in der Lindenstraße, ein sehr spannendes Thema. Sie spielten einen Deutschen zum Islam konvertieren der im Endeffekt Deutschland dann verraten hat. Wie wichtig ist ihnen das Thema Religionen?

Ich würde nicht behaupten, dass Timo Deutschland verraten zu hat. Timo ist eine sehr politische Rolle, die mich sehr gereizt hat – gleichzeitig und im Widerspruch zu seiner politischen Ansicht steht aber sein Innenleben, das nach einer großen Ruhe und Sicherheit strebt und sich mit der extremen Gruppe, in der er sich befindet, schwer vereinbaren lässt. Diese innere Zerrissenheit, die nichts mit den so oft vorkommenden Klischees der Schwarz/Weiß – Malerei, (sprich man ist der Gute oder der Böse, nichts dazwischen..) zu tun hat, führt schließlich dazu, dass Timo dem Druck nicht mehr stand hält und Deutschland verlässt – und das obwohl er eigentlich bleiben möchte! Dramaturgisch sehr präzise ausgearbeitet ist die Rolle des Timo mit all seinen dunklen, aber auch guten Seiten meiner Meinung nach sehr menschlich und realitätsnah – die meisten Menschen haben doch sowohl eine gute als auch und eine dunkle Seite, oder nicht?! Die Lindenstraße sollte man generell nicht unterschätzen. Sie ist kein Massenprodukt, die der Quote wegen allen Trends nachläuft, sondern versucht sehr detailgetreu und verantwortungsbewusst Dinge darzustellen; ich glaube, das ist für den Produzenten Hans W. Geissendörfer und sein Team sehr sehr wichtig. Ich hatte zum Beispiel extra einen Islamberater, der darauf geachtet hat, dass Inhalte, Gebete und Rituale exakt wiedergegeben werden und mich, bzw. die Dramaturgie  jederzeit noch korrigieren konnte, wenn es nicht ganz stimmte – ein  wichtiges Zeichen der islamischen Bevölkerung hier in Deutschland gegenüber. Schließlich sollte sich niemand verletzt fühlen und Respekt vor der Religion gezeigt werden, das finde ich sehr wichtig! Ich persönlich bin gläubiger Christ, bin aber absolut der Meinung, das keine andere Religion ausgeschlossen werden sollte, es gibt SOWOHL das eine UND das andere, ja es ergänzt sich sogar und stammt meiner Meinung nach von demselben Gott. Beim Islam gibt es ja sogar schwarz auf weiß viele Gemeinsamkeiten mit dem Christentum, ich versteh nicht warum diese Gemeinsamkeiten so selten erwähnt werden, wenn es um die angebliche Unterschiedlichkeit und den damit verbundenen Hass zwischen den Religionen geht!

Sie haben auch wieder in Hollywood gedreht. Mit Liam Neeson zu spielen ist das nicht ein Traum? Wie war diese Erfahrung?

Ich hab mich sehr gefreut genau vor einem Jahr die Zusage zu bekommen und war froh dass ich beim Casting überzeugen konnte. Ganz neu war die Erfahrung mit den riesigen amerikanischen Produktionen nicht, in der jede Position doppelt und dreifach besetzt ist und jeder Schauspieler seinen eigenen Trailer auf nem riesigen Trailerpark hat – ich hatte ja schon 2 amerikanische Produktionen davor drehen dürfen. Dennoch merkte man mit Liam Neeson am Set und dem großen Namen „Warner Bros.“ dass die Anspannung bei vielen ziemlich groß war. Nervös war ich natürlich auch ein bisschen, aber das gibt ja auch nen schönen Energiekick beim Drehen.  Liam Neeson war sehr entspannt und ruhig, auch January Jones blieb immer ruhig und konzentriert, alles hochprofessionell eben. Und als ich dann gegen diese Schauspiel – Größen zum Glück nicht „abgestunken“ bin und alle sehr mit mir zufrieden waren, konnte ich mich dann abends beim Gläschen Wein auch seeehr entspannen..;-)

Wo sehen Sie sich in 10 Jahren?

Schöne Frage..am wichtigsten ist dass ich mit mir selbst zufrieden und gesund bin. Und auf Rollen zurückblicken kann, die mich voll und ganz gefordert und ausgefüllt haben.

Michael Baral

Michael Baral

Sie sind auch Sprecher bei MTV Produktionen wie „True Live“ oder „MTV Made“. Sie waren die Voice-Over-Stimme von Matt Damon und Bryan Adams bei den gleichnamigen Star-Dokumentationen. Zudem Sprechen Sie viele Rollen in zb. Amerikanischen Serien. Was macht Ihnen mehr Spaß, das Sprechen oder das Schauspielern?

Obwohl ich bei meiner Tätigkeit als Sprecher auch viel für die Arbeit vor der Kamera gelernt hab, so ist es doch sehr unterschiedlich. Man kann die Sprache vor dem Mikro nicht eins zu eins vor der Kamera anwenden, man muss einen „Übertragungsweg“ finden, um die Sprache zu nutzen, sonst wirkt es nachgemacht oder künstlich. Wenn ich dagegen einer Figur als Sprecher meine Stimme leihe, dann herrschen andere Gesetzmäßigkeiten, was auch großen Spaß machen kann-du musst in kürzester Zeit eine Situation erfassen und sie umsetzen, Du solltest dem Regisseur ganz schnell ganz viele Möglichkeiten anbieten können, das schult und macht wiederum sehr flexibel auch vor der Kamera. Als Schauspieler ist es dann allerdings essentiell für mich in die „Tiefe“ gehen zu können, aus einer Figur das „Letzte herauszuloten“, was im Inneren steckt, was motiviert, Angst macht, was einen Menschen stark und schwach sein lässt-und diese Wahrhaftigkeit versuch ich aus eigenen Erfahrungen zu holen. Diese scheinbar widersprüchliche Kombination aus Schnelligkeit, Flexibilität, ganz fix reagieren zu können auf Umstände, Regisseur…und gleichzeitig die innere Suche nach der Wahrheit meiner Figur, nach persönlicher und innewohnender Motivation – diese Kombination vor der Kamera zeigen zu können ist für mich der Schlüssel zum Erfolg und zur Erfüllung- deshalb steht das Schauspiel nach wie vor an Nummer eins für mich.

Spielen Sie auch noch Theater?

Zuletzt habe ich vor 4 Jahren am Staatstheater Hannover gespielt, danach konnte ich Theater mit Drehen und Synchron zeitlich schwer vereinbaren. Aber ich möchte definitiv bald mal wieder auf der Bühne stehn.

Was ist geplant in der Zukunft, wo werden wir Sie sehen oder Hören können?

Es sind ein paar Sachen in Planung und es kommen ja neben „Unknown“ (3. März) auch der deutsche Kinofilm „Dschungelkind“ unter der Regie von Roland Suso Richter (Teamworx) mit mir am 18. Febr. raus. „Männerherzen 2“ (mit Til Schweiger) wird dann Mitte/Ende 2011 auch in die Kinos kommen.

Und als Synchronsprecher bleiben Sie auch aktiv?

Definitiv. Auch wenn es eine andere Art zu arbeiten ist, so gibt es ständig neue Rollen auf die man sich einstellen muss, das hält auch für die Arbeit vor der Kamera fit und macht natürlich viel Spaß.

Gibt es noch etwas spezielles was Sie den Lesern dieses Interviews sagen wollen?

OHNE EUCH WÄEREN WIR NICHTS! DANKE!!!

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Hauptsache ich werd in der Sauna nicht zu getextet und kann in Ruhe schwitzen…;-)

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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