Jan Fitschen „Ich plane den Umstieg auf den Marathon“

Jan Fitschen ist ein deutscher Langstreckenläufer und mehrfacher deutscher Meister.

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Bis ich 14 Jahre alt war, habe ich die verschiedensten Sportarten ausprobiert. Das fing an beim Kinderturnen, und über Basketball, Badminton und Fußball bin ich schließlich in der Leichtathletik gelandet. Schulfreunde haben meinen Bruder und mich da zu ersten richtigen Training überredet. Unsere Eltern sind nicht die großen Sportskanonen, doch sie haben uns immer die Möglichkeit gegeben, alles auszuprobieren und uns Mut gemacht und unterstützt.

Jan Fitschen

Jan Fitschen

Jan, gebürtig sind sie aus Osnabrück wo auf Ihre Leichtathletik startete. Wie haben Sie diese Sportart für sich entdeckt?

Bis ich 14 Jahre alt war, habe ich die verschiedensten Sportarten ausprobiert. Das fing an beim Kinderturnen, und über Basketball, Badminton und Fußball bin ich schließlich in der Leichtathletik gelandet. Schulfreunde haben meinen Bruder und mich da zu ersten richtigen Training überredet. Unsere Eltern sind nicht die großen Sportskanonen, doch sie haben uns immer die Möglichkeit gegeben, alles auszuprobieren und uns Mut gemacht und unterstützt.

Wann haben Sie oder andere gemerkt dass Sie in dem Sport richtig gut sind? Oder ist das eher ein langwieriger Prozess gewesen?

Das mir Laufen liegt, hat sich schnell gezeigt. Bei „Jugend trainiert für Olympia“ war ich von Anfang an der Typ für die 1000m. Anfangs durfte ich auch noch oft über 100m ran, doch da waren dann häufig andere besser als ich. Ich bin auch wahrlich kein Koordinationstalent, und als ich auf unserem kleinen Ortsteil-Sportverein beim größeren Club zum Probetraining auftauchte, wartete dort schon als erster richtiger Trainer ein 5000m Olympiastarter auf mich. Der wusste sofort, was Sache ist. Kein riesen Talent vielleicht, doch enorm Zielstrebig.

4x Deutscher Meister über 5.000 Meter und 3x Deutscher Meister über 10.000 Meter sowie 7x in Folge in der Halle Meister über 3.000 Meter. Kann man sich irgendwann eigentlich noch über jede Meisterschaft freue wie bei der ersten?

Nein, sicher nicht. Beim ersten Deutschen Meistertitel kam das noch sehr überraschend. Ich war völlig überwältigt, meine Familie, mein Großvater, alle waren im Stadion. Mein Großvater hat geweint…Das war fantastisch!!! Später wird der Druck größer und es wird schon fast zur Pflicht zu gewinnen. Der zweite Platz wäre schon eine Enttäuschung. Doch trotzdem trainiert man hart und viel und wenn man dann durch einen Titel dafür belohnt wird, ist das einfach immer wider riesig. Egal ob zum 2. oder zum 20. Mal. Es ist jedes Mal ein harter Kampf, jedes Rennen ist anders und ich stehe einfach verdammt gerne ganz oben auf dem Treppchen.

Wenn Sie trainieren, wie sieht da eine ganz normale Trainingswoche aus?

In einer ganz normalen Woche wird 12-13-mal trainiert. Das erste Mal morgens um 10, z.B. ein lockerer 10km Lauf in 41 Minuten. Nachmittags dann beispielsweise Intervalltraining. Das sind die härtesten Programme: Einlaufen, Auslaufen, je 3 km und dazwischen 10-mal 1000 m in 3 Minuten mit nur 1 Minute Pause. Das variiert aber natürlich sehr, je nach Saisonphase. So kommen in der Woche 160 bis 200 gelaufene Kilometer zusammen, und wenn am Sonntag „nur“ 20-25km long-jog zu absolvieren sind, ist man schon mal froh, die Woche überstanden zu haben. Ohne den täglichen Mittagsschlaf geht da Garnichts.

Gibt es in der Leichtathletik für sie Vorbilder?

Vielleicht Emil Zatopek, vielleicht auch Nico Motchebon. Aber am liebsten gehe ich meinen eigenen Weg und versuche das Beste aus meinen Möglichkeiten zu machen.

Viele Sportler dopen ja, man sieht es immer wieder in den Medien. Wie sieht man solche Berichte als Sportler? Was denkt man wenn man solche Berichte über direkte Sport Kollegen sieht zb. Vor Jahren mal Dieter Baumann?

Die ganze Dopingproblematik, bitte entschuldigen Sie den Ausdruck, kotzt mich total an. Es ist wie in der Wirtschaft auch: sobald es um Geld und Erfolg geht, gibt es Betrüger. Das ist verdammt hart, wenn man darüber nachdenkt, wie oft man durch diese Menschen um den gerechten Lohn für sein Training gebracht wird. Und auch wenn man nicht selber betrügt, muss man sich doch immer wieder für gute Leistungen rechtfertigen und ist doppelt angeschmiert. Und dann wird man morgens um sieben oder auf der eigenen Geburtstagsparty von den Anti-Doping-Kontrolleuren aufgesucht und darf in ein Becherchen pinkeln, während der Kontrolleur genau dabei zusieht. Jeden Tag des Jahres muss man Rechenschaft darüber ablegen, wo man gerade ist. Selbst beim Wanderurlaub jeden Tag eine SMS schreiben, in welcher Berghütte man gerade übernachtet. Man kommt sich manchmal vor wie ein Schwerverbrecher… Wenn dann direkt Kollegen betroffen sind, ist man erschüttert und versucht an deren Unschuld zu glauben. Eine Zwickmühle.

2006 war Ihr bestes Jahr. Sie gewannen die Europameisterschaft mit Ihrer persönlichen Bestzeit und wurde in Folge dessen zum Leichtathleten des Jahres 2006 gewählt. Was geht da in einem vor? Dauert es bis man es realisiert hat dass man der beste Leichtathlet des Jahres ist? Und ist der Druck dann größer?

Das ist in dem Moment schon ein Knaller. Natürlich ist man mit der Wahl nicht unbedingt der beste Leichtathlet, sondern nur der, dessen Leistung am meisten geschätzt wird. Da hat mir sicher auch das Überraschungsmoment geholfen. Der Druck wird schon größer, doch mehr als sein Bestes geben kann man nicht, und das mache ich schon seit 17 Jahren bei jedem Wettkampf. Soviel ändert sich also nicht 😉 Jeder macht sich vor einem Wettkampf Druck. Das ist bei dem, der das erste Mal einen Marathon finishen will genau so wie bei jemandem, der Deutscher Meister werden will. Man lernt immer besser damit umzugehen.

2008 schlossen Sie Ihr Studium der Physik mit Diplom ab. Das finde ich sehr ungewöhnlich da viele Sportler ja auch ein Sportstudium machen. Wieso Grade Physik?

Wie auch im Sport, so suche ich auch in anderen Bereichen gerne die Herausforderung. In der Schule hatte ich das Glück, einen super Physik- und Mathelehrer zu haben, der mich unheimlich für die Physik begeistern konnte. Den treffe ich auch heute noch häufiger beim Dauerlauf, und wenn ich beim Studium mal nicht weiterkam, hat er mir Mut gemacht. Außerdem möchte ich nicht wissen, was passiert wäre, wenn ich beim Sportstudium zum Tanzen oder Geräteturnen gemusst hätte…

Als Leichtathlet muss man ja auch von irgendetwas leben. Lohnen sie die Preisgelder oder ist man wirklich stark auf Sponsoren angewiesen?

Leichtathletik kann man nicht machen, um Geld zu verdienen. Das macht man aus reiner Leidenschaft, aus Spaß am Sport und am Erfolg. Besser werden, die eigenen Grenzen kennenlernen, das gibt den Kick. Wenn man dann tatsächlich den großen Coup landet, kann man eine Weile davon leben, aber natürlich nur mit Hilfe der Sponsoren. Die Preisgelder machen einen Teil der Einnahmen aus, doch es kommt enorm auf die Disziplin in der man erfolgreich ist an, und auf die Art des Erfolges.

Nach Ihrer schweren Verletzung traten Sie wieder bei der Europameisterschaft 2010 an und wurden 12. Sie haben ja auf einen Sieg gehofft, hat die Verletzung sie doch weiter zurück geworfen wie gedacht?

Eigentlich war es genau andersherum. An einen Sieg 2010 war im Vorfeld überhaupt nicht zu denken. Nach nur 6 Monaten Vorbereitung nach der 18 monatigen Verletzungspause war der 12.Platz ein riesen Erfolg für mich und ein super comeback. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, so schnell wieder zu einer ansprechenden Form zu finden, denn allein schon die Qualifikation für eine EM erfordert ein sehr hohes Leistungsniveau.

Ist ein Karriereende eigentlich schon geplant oder greifen Sie noch einmal an?

Ich plane gerade ein neues Projekt und zwar den Umstieg auf den Marathon. In Düsseldorf am 8.5. ist es zum ersten Mal soweit und ich bin sehr gespannt. Wenn es läuft wie ich mir erhoffe werde ich dann noch einige Jahre in der Laufscene mitmischen.

Sind Sie bei der EM2012 in Helsinki noch einmal dabei?

Das würde mich sehr wundern, denn dort ist die längste Strecke der 5000m Lauf, und dafür bin ich nun wahrscheinlich durch die Marathonvorbereitung zu langsam.

Was wollen Sie mal machen wenn Ihre Karriere vorbei ist?

Ich bin gerade dabei nach dem abgeschlossenen Physikstudium auch mein Wirtschaftsstudium zu vollenden. Der Titel der Masterarbeit steht schon fest und im Herbst bin ich dann fertig. Ob ich dann an der Schnittstelle zwischen Forschung und Marketing, oder weiter im Sportbereich tätig sein werde, kann ich noch nicht sagen. Ich bin gespannt, was da noch auf mich zukommt.

Möchten Sie ihren Fans auf diesem Wege etwas Spezielles sagen?

Vielleicht meine Lieblingsgeschichte: 2002 hatten wir die Europameisterschaft in München, und ich habe wegen eines Infekts trotz super Form nicht starten können. Und das, wo die EM nur alle 4 Jahre stattfindet, und ich dazwischen absolut nichts Gleichwertiges erreichen konnte. Da stellt sich schon die Frage, was man macht… Für mich hat sich dabei gezeigt, das es sich immer loht, weiter zu kämpfen, denn dafür bin ich schließlich 2006 belohnt worden. Im Sport, wie in allen anderen Lebenslagen: immer weiter kämpfen, mit Spaß und Einsatz!

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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