Wolfgang Sacher „Mein Ziel, die Teilnahme an den Paralympics 2012“

Wolfgang Sacher ist ein deutscher Behinderten Radrennfahrer. Er gewann zweimal den Europa-Cup der Behindertenklasse LC1, wurde Weltmeister im Einer-Straßenfahren und zweimal Vize-Weltmeister im Einzelzeitfahren.

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Es ist eher sehr schwierig Sponsoren zu finden. Gerade, wenn man in den Sport einsteigt und noch nicht so erfolgreich ist. Behindertensport ist nach wie vor eine Randsportart, die in den Medien nur bei den Großveranstaltungen wie den Paralympics erscheint. Aber seit den Spielen 2008 ist es viel besser geworden.

Wolfgang Sacher

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Erst mal große Anerkennung für Ihre Leistungen als Sportler. Sie haben ja als Radsportler so ziemlich alles erreicht, wie ist das eigentlich im Behinderten-Sport, kann man davon leben?

Nein, sicher nicht. Ich habe zumindest seit dem Jahr 2007 das Glück gehabt, mit dem Nahrungsergänzungsmittel Nutridual einen Sponsor zu finden, die mir alles Notwendige für meinen Sport ermöglicht.

Gibt es genug Sponsoren die sich dafür interessieren oder ist dieses eher schwierig?

Es ist eher sehr schwierig Sponsoren zu finden. Gerade, wenn man in den Sport einsteigt und noch nicht so erfolgreich ist. Behindertensport ist nach wie vor eine Randsportart, die in den Medien nur bei den Großveranstaltungen wie den Paralympics erscheint. Aber seit den Spielen 2008 ist es viel besser geworden.

Was glauben Sie warum Behindertensport in unserer Gesellschaft nicht denselben Stellenwert hat wie – ich nenne es mal „normaler“ Sport?

Behindertensport lässt sich nicht so gut vermarkten. Die Leute interessieren sich überwiegend für den Fußball. Davon sind die Zeitungen jeden Tag voll. Radsport findet seit den Doping-Skandalen sowieso kein großes Interesse mehr. Aber auch andere Behindertensportarten sind medial nicht gefragt. Regional wird zwar jeder einzelne Handicap-Sportler angesprochen, dass man den Behindertensport insgesamt gut findet und die Leistung bewundert wird, aber trotzdem ist das Interesse sehr gering. Ich finde das sehr schade und tue mein Bestes dafür, dass sich die Situation bessert.

Wolfgang Sacher

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Als Jugendlicher verloren Sie ihren Arm durch eine Starkstromleitung habe ich gelesen, sind Sie eigentlich ein extrem besorgter Vater? Ich könnte mir vorstellen das es mit solchen erlebten Dingen extrem schwierig ist seinen Kindern einen gewissen Raum zu lassen, wie gehen Sie damit um?

Ja, sicher ist man als Vater sehr besorgt um seine Kinder. Gerade, wenn man selbst in der Kindheit einen schweren Unfall hatte. Aber man kann seine Kinder nicht jeden Tag, jede Stunde und jede Minute beschützen. Insofern lernt man dann wieder, den Kindern den nötigen Freiraum zu geben und nicht immer und ständig zu sagen, dass sie aufpassen müssen oder da etwas schlimmes passieren kann. Zwischenzeitlich fahren Max (21) und Julia (18) beide Auto. Beide wissen aber auch, was alles passieren kann und kennen auch viele Geschichten und Unfälle von meinen Freunden im Handicapsport.

Sie wollen nochmal an den Paralympics 2012 in London teilnehmen, was rechnen Sie sich da für Chancen aus?

Die Teilnahme an den Paralympics in London 2012 ist mein großes Ziel. Ich bin dann 45 Jahre und werde die Spiele sicher anders erleben, wie meine ersten Paralympics 2008 in Peking. Wahrscheinlich werde ich nicht mehr so erfolgreich sein können. Immerhin gehöre ich im Radsport zu den Ältesten. Ich glaube sogar, dass ich der älteste europäische Radsportler bin. Aber Chancen habe ich sicher noch. Ich trainiere sehr diszipliniert und hart. Viele Konkurrenten könnten vom Alter her meine Kinder sein, aber viel langsamer war ich bisher auch nicht. Nachdem aber immer mehr Profis im Behindertensport auftreten, wird es sehr schwer noch einmal eine Medaille zu gewinnen. Die besten Chancen habe ich in der Bahnverfolgung über 4000 Meter und im Einzelzeitfahren.

Ist nach den Paralympics Schluss?

Ja, das habe ich meiner Frau Sabine fest versprochen. Radfahren werde ich aber trotzdem noch – einfach weil es mir riesigen Spaß macht.

Was planen Sie nach Ihrem Karriereende?

Vielleicht eine politische Karriere. Ich bin im Stadtrat in meiner Heimatstadt Penzberg und viele reden schon, dass ich als 1. Bürgermeister kandidieren soll. Mal sehen!

Wolfgang Sacher

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Gibt es etwas was Sie dem Leser hier an dieser Stelle sagen möchten?

„Wer kämpft kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren!“ Das Leben geht immer irgendwie weiter, hat viele Facetten und bietet einem sehr viel Möglichkeiten. Man muss nur wollen! Ganz wichtig sind Freunde. Freundschaften muss man pflegen.

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Ralf Schuhmacher.

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