Wolfgang Hohlbein „Ich mag spannende Geschichten, die nicht ganz von unserer Welt sind“

Wolfgang Hohlbein ist ein deutscher Schriftsteller in den Genres Science-Fiction- Horror und Fantasyliteratur. Mit 35 Millionen verkauften Büchern ist er einer der erfolgreichsten Autoren Deutschlands.

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Ich mag spannende Geschichten, die nicht ganz von unserer Welt sind. Das zeigt sich ja auch an den Genres, die ich bediene. Eine heimliche Schwäche habe ich allerdings für einige Sparten der Science-Fiction, sowohl für Space Operas wie CHARITY wie auch für Stoffe, die sich irgendwo zwischen Thriller, Fantasy und Science-Fiction wie WASP bewegen.Sie haben Industriekaufmann gelernt und zb. Als Nachtwächter gearbeitet. Wie sind Sie auf die Idee gekommen ein Buch zu schreiben?

© hohlbein.de

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Sie haben Industriekaufmann gelernt und zb. Als Nachtwächter gearbeitet. Wie sind Sie auf die Idee gekommen ein Buch zu schreiben?

Eine Idee würde ich es eigentlich nicht nennen, eher den Drang, Geschichten zu erzählen. Das habe ich mit sehr jungen Jahren begonnen, und irgendwann wurden die Geschichten länger und nahmen schließlich Romanform an. Dabei hat mir der Nebenjob als Nachtwächter sehr geholfen – so konnte ich mir immerhin mit dem Hämmern auf der Schreimaschine bis zum nächsten Rundgang sinnvoll die Zeit vertreiben.

Welches war das erste Buch das Sie gelesen haben?

Ganz genau erinnere ich mich hier nicht mehr. Sehr wohl aber, welcher Autor mich zunächst fasziniert: Karl May, der bunte Abenteuergeschichten schrieb, die in mir vollkommen fremden Welt spielten. Dieser Art von Geschichten bin ich eigentlich bis heute treu geblieben.

Ihr erstes Buch „Märchenmond“ schlug ja sprichwörtlich ein wie eine Bombe. Es folgten 4 weitere Teile dieses Romans, der letzte 2005. Wird es weitere Fortsetzungen geben?

Aber jein. Oder ja? Oder nein? Etwas seriöser geantwortet: Ich schreibe immer wieder etwas, das im Märchenmond-Universum spielt. Dazu zählt die Drachenthal-Reihe, aber auch SILBERHORN, Erstveröffentlichung im Sommer 2009.

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Wie schwer ist es sich die Geschichte zu einem Buch auszudenken?

Für mich? Genauso schwer wie für einen Bäcker Brot zu backen oder einen LKW-Fahrer einen großen Truck zu steuern. Die Geschichten klopfen quasi bei mir an, ich muss mich ihrer nur bedienen.

Wie lange dauert es von der ersten Idee bis zum fertigen Buch?

Im besten Fall ein halbes Jahr, im ungünstigsten Fall Jahrzehnte. Ich habe gerade eine Kurzgeschichte geschrieben, zu der ich mit ungefähr 16 die Idee hatte. Normalerweise vergehen allerdings höchstens wenige Jahre, bis ich Zeit finde, eine wirklich gute Idee umzusetzen.

Haben Sie literarische Vorbilder?

Jede Menge, und doch wieder nicht. Ich lese sehr gerne die Art von Literatur, die ich auch selbst schreibe, und das Querbeet.

Über 35 Millionen verkaufte Bücher, damit sind sie der „Auflagenkönig“ steht man da unter großem Druck wenn man ein neues Buch schreibt?

Aber klar. Wobei ich nicht mit J.K. Rowlings tauschen möchte. Ich habe ja kontinuierlichen Erfolg, das heißt, über all die Jahre gehen meine Gesamtverkäufe stetig ein Stück nach oben. Harry Potter ist da schon eine andere Nummer, an diesen Erfolg anzuschließen eine echte Herausforderung, die zu meistern ich mir nicht ganz einfach vorstelle.

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Horror, Science-Fiction oder Fantasy. Welches ist Ihr Lieblings Gerne?

Ich mag spannende Geschichten, die nicht ganz von unserer Welt sind. Das zeigt sich ja auch an den Genres, die ich bediene. Eine heimliche Schwäche habe ich allerdings für einige Sparten der Science-Fiction, sowohl für Space Operas wie CHARITY wie auch für Stoffe, die sich irgendwo zwischen Thriller, Fantasy und Science-Fiction wie WASP bewegen.

Kommt alles was Sie schreiben von Ihnen oder gibt es auch Auftragsarbeiten?

Anregungen gibt es immer wieder. Manchmal greife ich sie auf, wie etwa im Fall von HAGEN VON TRONJE. Dann gebe ich der Geschichte aber eine ganz andere Wendung, als sie sich ein Verleger vorstellen mag. In diesem Fall habe ich das für mich eher dröge Nibelungenthema solange gewendet, bis eine echte Hohlbein-Geschichte herauskam, wie ich sie auch selber gerne lesen würde.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?

Aurora von Alistair Reynolds, ein SF-Roman.

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Ihre Tochter Rebecca ist in Ihre Fußstapfen getreten und auch Autorin geworden, waren Sie da besonders stolz? Haben Sie Ihren Kindern das lesen in der Kindheit besonders vermittelt also mehr als vielleicht andere Eltern?

Rebecca hat ein außergewöhnliches Schriftstellertalent, stolz bin ich aber auf all meine Kinder. Und was das Lesen angeht: Da war der Widerstand meiner Kinder – zumindest offiziell mir gegenüber – sicherlich höher als in einer Familie, in der Bücher nicht eine so dominierende Rolle spielen.

Was würden Sie einem jungen Autoren raten der ein Buch geschrieben hat, wie sollte er sich verhalten?

Dranbleiben. Einschicken, kleine Stoffe in Web-Zines, Blogs etc. veröffentlichen, offen sein für Kritik und Anregung.

Sie haben beispielsweise schon mit großen Metal-Bands wie MANOWAR zusammen gearbeitet bei der Asgard Saga. Um was ging es da?

Das ist ein richtig großes internationales Projekt. Die Asgard Saga umschließt die ganze nordische Mythologie, in der ich mich besonders zuhause fühle. Unter www.asgard-saga.com findet sich alles Wesentliche zu diesem Thema, zu dem ich im ersten großen Schritt einen Roman und MANOWAR ein Konzeptalbum beisteuert. Ich bin richtig begeistert von diesem Projekt, und hoffe, dass das meine Fans auch sein werden.

Wolfgang, Sie haben irgendwo gesagt „Ich habe mir für dieses Jahr vorgenommen, auf verschiedene Weise wieder engeren Kontakt mit meinen Fans zu pflegen. Da werde ich ganz schön viel unterwegs sein.“ Wie finden Sie noch die Zeit ein Buch zu schreiben, ist das nicht manchmal sehr schwer?

Ich schreibe auch unterwegs – im Urlaub oder auf Lesungstouren. Ich habe den Vorteil, das Schreiben als solches meine Leidenschaft ist, und mir in der Regel deshalb auch nicht schwer fällt. Was mir im Laufe der Jahre – und nach rund 2.000 absolvierten Lesungen – nicht mehr so viel Spaß macht, ist das Reisen. Das habe ich seit ein paar Jahren reduziert. Im Winter mache ich eine Eventpause von einem Vierteljahr, und ich sage keine Lesungen mehr zu, die sehr viel Reiseaufwand erfordern.

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Was wird es in 2011 und darüber hinaus geben?

Sehr stolz bin ich auf die aktuelle Zusammenarbeit mit der Band SCHANDMAUL: Die Münchner Erfolgsband hat mit „Geas“ Traum einen Song zu meinem neuen Roman INFINITY geschrieben und dazu ein Musikvido produziert. Das zugehörige Album ist gleich auf Platz 4 der deutschen Charts eingestiegen. Auch die Zusammenarbeit mit der US-Erfolgsband MANOWAR setze ich weiter fort. Wir haben zusammen die ASGARD-SAGA begonnen. Die Band hat hier ein kleines Konzeptalbum namens THUNDER IN THE SKY veröffentlicht, ich den Zyklus mit dem Roman THOR begonnen. Das hat richtig Spaß gemacht, weil wir bei aller Verschiedenheit künstlerisch sehr schnell auf einen Nenner gekommen sind. Das MÄRCHENMOND Musical, das im Theater für Niedersachsen gestartet ist, ist als Familienmusical ein komplett anderes Projekt, hat aber genauso Lust auf mehr gemacht. Hier werden sicherlich weitere Projekte folgen.

In einem letzten Interview schrieben Sie, dass Sie spannende Geschichten mögen, auch SF: Mich würde interessieren wie finden sie ein Buch wie „Per Anhalter durch die Galaxis“? Das ja doch sehr viel Humor beinhaltet?

Als „Per Anhalter durch die Galaxis“ in Deutschland herauskam, habe ich gerade MÄRCHENMOND und ENWOR geschrieben – Fantasy hat mich damals mehr interessiert als Science Fiction.  Aber in der Tat mag ich spannende Science Fiction und lese vermehrt auch wieder Romane von Erfolgsautoren meiner Generation wie Peter F. Hamilton, Neal Asher und David Weber. Der spezielle Humor von „Per Anhalter durch die Galaxis“ hat mich dagegen nie wirklich angesprochen.

Gibt es noch Tage in ihrem Leben an denen sie nicht an das Schreiben denken?

Nein. Ich habe über Weihnachten ein paar Tage ausgespannt, aber auch da kann ich nicht verhindern, dass sich immer wieder Ideen selbstständig machen und aufs Papier drängen.

Sie werden ja durchaus oft kritisiert für Ihre Bücher und als Vielschreiber tituliert, aber gibt nicht der Erfolg dem Recht der ihn hat? Wie gehen sie mit dieser Kritik um?

Ich schreibe viel, weil es mir Spaß macht und die Geschichten aus mir heraussprudeln. Meine Fans finden es in der Regel gut, dass meine Manuskripte dann auch gedruckt werden. Es gibt Leute, die das nicht gut finden – genauso wie es auch Menschen gibt, die mich nicht ernst nehmen, weil ich im Anfang meiner Karriere Heftromane geschrieben haben. Das ist ihr gutes Recht. Mit mir als Person hat das allerdings meist weniger zu tun, hier geht es in der Regel um Grundsatzpositionen. Solange man meine Texte liest, werde ich also ganz entspannt weiterschreiben …

Gibt es etwas spezielles das Sie Ihren Fans sagen möchten?

Macht das, wozu Ihr Euch berufen fühlt – denn das tut kein anderer für Euch.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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