Nina Windisch “Das blog ist für mich ein Ort der Freiheit”

Nina Windisch ist als Assistentin Nina in der WDR-Sendung Zimmer Frei! bekannt. Dort begleitet sie in moderierter Form diverse Spiele.

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Fernsehen. Es ist das Medium, welches mich am meisten beeinflusst hat und das viele Elemente vereint. Ich weiß beispielsweise noch, wie aufregend es für mich als Kind war, als wir aufgrund eines Umzugs Kabelfernsehen bekommen haben und von da an MTV empfingen. 

Nina, Sie studieren Germanistik, Philosophie und Romanistik an der Universität zu Köln, zu welcher Berufswahl führt diese Konstellation?

Zu keiner bestimmten. Da mir aber relativ schnell klar wurde, dass ich keine akademische Laufbahn anstrebe, habe ich früh begonnen, mich um Praktika zu kümmern. Das erste Praktikum in Köln war eine Regiehospitanz an der Oper. Ich bin froh, noch einen Magisterstudiengang machen zu können, denn diese Form gab mir viel Freiheit, mich auch neben dem Studium auszuprobieren. Mit den Geisteswissenschaften ist das ja immer so eine Sache, wenn man nicht auf Lehramt studiert, verstehen viele nicht, was das Ganze soll. Ich kann für mich behaupten, dass besonders das Studium der Philosophie mich noch einmal neu hat lesen und schreiben lernen lassen: seitenstarke Bücher oder schwierige Texte schrecken mich nicht mehr ab, meine Art zu schreiben ist strukturierter geworden und das wiederum qualifiziert für vielerlei Berufe.

Gab es schon immer die Idee in einer Form Menschen zu unterhalten oder wie kamen sie zum Radio/ Fernsehen?

Ja, meine Eltern bestätigen, dass ich schon als Kind eine gewisse dramatische Art hatte, mich vor jeder Kamera sofort in Pose zu schmeißen. In der Grundschule war mein Berufswunsch Model, aber als ich ab einer bestimmten Größe nicht mehr weiter gewachsen bin, habe ich diesen Traum aufgegeben. Im Fernsehen ist die Körpergröße zum Glück nicht entscheidend. Der Weg in die Medienwelt begann aber erst parallel zum Studium, als Kind wollte ich unbedingt in die Mini-Playback-Show, aber meine Eltern haben nicht ihre Erlaubnis gegeben (im Nachhinein bin ich ihnen ganz dankbar dafür).

Radio, Fernsehen, Theater, Musik, wenn Sie gezwungen wären, sich für eines entscheiden zu müssen, wie würde Ihre Wahl ausfallen.

Fernsehen. Es ist das Medium, welches mich am meisten beeinflusst hat und das viele Elemente vereint. Ich weiß beispielsweise noch, wie aufregend es für mich als Kind war, als wir aufgrund eines Umzugs Kabelfernsehen bekommen haben und von da an MTV empfingen. Den neuen Musikvideos habe ich immer richtig entgegengefiebert. Für mein Privatleben spielen zwar das Internet und die Printmedien eine größere Rolle, aber als Arbeitsfeld steht das Fernsehen noch immer an Nummer eins.

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Sie sind natürlich sehr vielen Menschen als Assistentin Nina aus der Sendung Zimmer Frei! bekannt, wie kamen sie an ein solches Engagement?

Ich habe 2007 eine vierwöchige Hospitanz in der Redaktion von Zimmer Frei! gemacht und als spontan jemand gesucht wurde, der in der Sendung mit Roger Cicero eine überdimensionale Billardkugel wieder auf die Ausgangsposition rollen sollte, hat die Redaktionsassistentin Gisela Wohlrabe mich dafür vorgeschlagen. Die Kostümbildnerin Hubertine Roderburg steckte mich dann in dieses blaue Paillettenkleid und so war die Rolle der Assistentin geboren. Beim zweiten Auftritt schon wurde ich dann verkabelt (d.h. ich habe ein Mikrophon bekommen) und Götz Alsmann hat mich als „Nina“, also mit meinem richtigen Namen vorgestellt. Dass die Zuschauer mich wahrnehmen, ist mir erst so richtig klar geworden, als die Redaktion mir mitteilte, dass Autogrammkarten von mir gedruckt werden.

Wie bereiten Sie sich wenn Sie durch die Spiele in der Sendung führen auf diese vor und wie informieren Sie sich über die Gäste? Ist der Aufwand da groß oder ist das alles wie es im Fernsehen rüber kommt auf lockere spaßige spontane Art zu sehen?

Zimmer Frei! lebt von der Spontaneität der Moderatoren und damit diese gewährleistet ist, muss im Vorfeld viel vorbereitet werden. Ich informiere mich über jeden Gast im Internet und frage bei der Redaktion nach ob ich den Namen richtig ausspreche (z.B. „Aglaia Szyszkowitz“) oder was überhaupt der Nachname ist wie bei Alexandra Maria Lara. Bei Spielen, wo etwas erraten werden muss, z.B. ein Lückentext, ist die Requisite so nett und schreibt mir die Lösungen auf die Rückwand der Pappen, falls ich durcheinander komme, diesen doppelten Boden brauche ich, um mein ohnehin großes Lampenfieber in den Griff zu bekommen und um neben Größen wie Götz Alsmann und Christine Westermann zu bestehen.

An welche Begebenheit aus Zimmer Frei! können Sie sich gerade am besten erinnern?

Bei Alexandra Maria Lara konnte ich meinen Uni-Sprachkurs anwenden und habe sie in der Sendung auf Rumänisch begrüßt (das ist aber im Applaus untergegangen). In der Sendung von Bürger Lars Dietrich habe ich vor der Sendung mit dem Publikum ein Spiel geprobt, mit dem wir den Gast und die Moderatoren überrascht haben, das hat super geklappt und war für mich das erste Mal ein Gefühl von „moderieren“. Als Gast hat mich am meisten der schweizer Kabarettist Emil Steinberger beeindruckt, so ein sympathischer und großherziger Mensch. Als ich ihm erzählte, dass es meiner Oma, die ein großer Fan sei, gerade nicht gut ging, hat er ihr einen persönlichen Brief geschrieben. Und natürlich das „Fotoshooting“ für die Autogrammkarte im Studio: ich musste auf eine leicht instabile Kiste klettern, damit man das Logo im Hintergrund sieht und die Lichttechniker haben mir ständig „Tipps“ zum Posen gegeben.

Gab es für Sie peinliche Momente in ihrer bisherigen Karriere?

Zum Glück nicht. Vielleicht liegt das daran, dass ich mir in meiner Phantasie schon die schlimmsten Szenarien ausgemalt habe, z.B. wie ich in einer Livesendung über meine hohen Schuhe stolper und mir die Zähne aufschlage, aber ich wette, auch dann hätte Götz die richtigen Worte gefunden. Peinlich könnte es werden, wenn all die Redaktionen und Fernsehanstalten die Bewerbungen rauskramen, die ich mit Anfang 20 eifrig und blauäugig verschickt habe…

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Wenn man sich auf ihrer Homepage umschaut, sieht man, dass Sie so unglaublich viel machen, bleibt neben diesen ganzen Aktivitäten in der Öffentlichkeit auch mal Zeit für Privates?

Oh ja. Die Webseite zeigt einen Querschnitt aus den letzten 10 Jahren, das lief ja nicht alles parallel und ich glaube, wenn ich nicht meine Familie und Freunde hätte, die mir den Rücken stärken, wär das auch alles nicht möglich oder schwieriger gewesen. Die Meinung von meinen Liebsten ist mir sehr wichtig und es ist schön, dass ich viele Entscheidungen mit ihnen besprechen kann. Meine engsten Vertrauten haben auch alle mit der „Medienwelt“ wenig zu schaffen und es ist oft erfrischend die Dinge mal wieder aus einer anderen Perspektive zu sehen. Und ich reise und esse gern, wenn das private Dinge sind, verbringe ich viel Zeit damit.

Ich habe gelesen, dass Sie eine Komparsenrolle in der Lindenstraße hatten, um was handelte es sich da?

Einmal habe ich als „Schwester Selma“ Gabi im Krankenhaus in ihr Zimmer geschoben und der Chefarzt sagte mir, ich solle ihr einen Beruhigungstee zubereiten. Ich glaube, das war mein erster Auftritt vor einer Fernsehkamera. Ein anderes Mal war ich Gast im Akropolis und dann noch mal Fußgängerin, also eher Statistenrollen, aber ich habe dort die wichtigste Lektion für´s Fernsehen gelernt: Geduld.

WDR3 Nina Windisch “Das blog ist für mich ein Ort der Freiheit”

WDR

Sie betreiben ein blog und twittern fleißig, welche Rolle spielt das WEB für Sie als junge Künstlerin?

Als „Künstlerin“ hat mich noch niemand bezeichnet, aber ich verstehe das mal ganz im Sinne von Joseph Beuys. Das blog ist für mich ein Ort der Freiheit, wo meine Texte nicht redigiert werden, wie bei der Zeitung für die ich schreibe und nicht benotet werden, wie in der Uni. Bei Twitter kann ich meiner Liebe zu Aphorismen nachgehen und habe das Gefühl, dass ich mit den „jungen“ Zimmer Frei! Zuschauern in Kontakt treten kann und verfolge mit großem Interesse, was während der Sendung am Sonntag  Abend über die Timeline geht. Beispielsweise erzähle ich Martin Reinl daraufhin, wie sehr die Leute auf das „alte Zirkuspferd“ stehen. Ansonsten ist das Web natürlich auch eine große Bühne: jeder will sein eigener Regisseur sein und sich inszenieren, ich versuche immer wieder für mich nachzuprüfen, ob ich auch im Netz meinen Werten treu bin.

Wohin geht die Reise? Was planen Sie für die nächsten Jahre, bzw. kann man eine Karriere im Fernsehen überhaupt planen?

Nach dem Studium geht es nun darum, das bestehende Netzwerk weiter auszubauen und zu vertiefen. Planen kann man solch eine Karriere in der Tat nicht besonders gut, aber weiterhin Weichen stellen und Erfahrungen sammeln, das bedeutet ich werde beginnen als freie Autorin und Journalistin zu arbeiten mit dem festen Blick in Richtung Moderation.

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Ein Wort an die Leser des Interviews?

Die Rolle bei Zimmer Frei! ist ein typisches Beispiel für „zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, aber man muss dazu sagen, dass ich indirekt jahrelang auf eine solche Chance hingearbeitet habe. Als ich mit 19 Jahren nach Köln kam, hatte ich keinerlei journalistische Erfahrung und es hat diverse unbezahlte Praktika gebraucht, bis ich eine Hospitanz beim WDR bekommen habe. Mit der Ellbogentechnik hätte ich sicherlich manche Ziele schneller erreicht, aber ich bin zufriedener damit auf Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit zu bauen. Ausdauer und Glück sind zwei wichtige Faktoren, bei dem man wenigstens einen beeinflussen kann.

Mit wem würden Sie nicht in der Saune sitzen wollen?

Johannes Heesters- ich könnte mich nicht entspannen, da ich die ganze Zeit ein Auge auf ihn hätte, ob es ihm auch gut geht.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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