Martin Reinl „Einer Puppe nimmt man nichts übel“

Marin Reinl ist ein deutscher Stand-up-Comedian, Synchronsprecher, Puppenspieler, Autor und Regisseur. Außerdem ist Martin Reinl der Creative Director von bigSmile und seit über 10 Jahren für Bühne und Fernsehen tätig.

Unterstütze diesen Interviewpartner:
Klicke auf den Artikel und besuche die Links

Ich kann meine Arme mühelos mehrere Stunden über den Kopf hochhalten. Das eigentlich anstrengende hinter der Couch ist es, sich so klein zu machen, dass man selbst nicht gesehen wird…und dass einem während der Sendung nicht die Beine einschlafen.

Martin, wie war es eigentlich ab 1996, dass Sie von Ihrem Stand-Up Comedy Programm zu den Puppen gekommen sind?

Das war in dem Sinne kein „Wechsel“. Mit Puppen habe ich schon immer gearbeitet. Während meines Film-Studiums habe ich ausschließlich Puppenfilme und –shows inszeniert. Parallel dazu sammelte ich Erfahrungen als „klassischer“ Stand-up Comedian auf Deutschlands Kleinkunstbühnen. Ich merkte allerdings schnell, dass die Puppen der richtige Weg für mich waren. Als Stand-up Comedian war ich einer von vielen, mit den Puppen hatte ich etwas Einzigartiges. So fing ich an, meine Figuren aus dem Fernsehen auch auf die Bühne zu bringen.

Martin Reinl mit dem alten Zirkuspferd (c) bigSmile

Martin Reinl mit dem alten Zirkuspferd (c) bigSmile

Denken Sie sich das Design Ihrer Puppen selber aus und wer „baut“ diese Puppen?

Ich designe und baue alle meine Figuren selbst.

Seit 2002 sind Sie ein fester Bestandteil bei der Sendung „Zimmer Frei!“. Gab es damals in irgendeiner Form eigentlich ein Casting oder wie sind Sie an dieses Engagement gekommen?

Es gab kein Casting, ich bin dort durch puren Zufall gelandet. Ich kannte einen der Autoren der Sendung und der schlug mich als Synchronsprecher für eines der legendären „Bilderrätsel“ vor. Erraten werden sollte der Begriff „anspruchsvolle Rollen“ Ich sollte eine Klorolle, einen Rollmops, eine Nacken- und Küchenrolle aus dem Off synchronisieren. Ich machte der Redaktion den Vorschlag, dass ich diese Figuren auch als Puppen bauen könnte. So kam es zu meinem ersten Einsatz. In der Sendung habe ich dann ein wenig improvisiert und das kam so gut an, dass man mich eine Woche später anrief und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, noch mal zu kommen. Inzwischen bin ich seit knapp 10 Jahren fester Bestandteil der Sendung.

Dort sitzen Sie hinter einer Couch, ist es nicht unglaublich anstrengend die ganze Zeit mit den Armen über dem Kopf zu arbeiten? 

Für einen erfahrenen Puppenspieler ist das kein Problem. Das ist reine Trainingssache. Ich kann meine Arme mühelos mehrere Stunden über den Kopf hochhalten. Das eigentlich anstrengende hinter der Couch ist es, sich so klein zu machen, dass man selbst nicht gesehen wird…und dass einem während der Sendung nicht die Beine einschlafen.

Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie, wenn Sie spielen irgendwo neben sich einen Bildschirm haben oder wie funktioniert das?

Ja, ich spiele im Fernsehen ausschließlich über Monitor. Ich halte die Figuren über meinen Kopf und kontrolliere mein Spiel über den Bildschirm. So kann ich genau steuern, wann die Figur in die Kamera guckt oder auf andere Leute reagiert. Ich sehe das gleiche Bild, dass der Zuschauer zuhause sieht. Ich bin damit quasi Darsteller & Zuschauer in einem.

Welche Ihrer Figuren macht Ihnen eigentlich selbst am meisten Spaß?

Besonders Spaß machen mir vor allen Dingen immer die Figuren, die eine Geschichte mitbringen, die ich selbst noch nicht kenne. Es klingt verrückt, aber manche Figuren lerne ich selbst erst kennen, wenn ich sie spiele. Meist sind das skurille Figuren, die irgendeine Macke haben wie der betrunkene Hai, das demente Zirkuspferd oder der depressive Jammerlappen.

Sind die „Gags“ eigentlich geplant oder improvisieren Sie da auch viel? 

Das kommt auf die Produktion an. Bei „Zimmer frei“ sind die Auftritte zu großen Teilen improvisiert, da mit den Gästen nichts abgesprochen wird. Da habe ich lediglich einen kleinen roten Faden, dem ich aber auch nicht immer folge. Bei meinem Bühnenprogrammen dagegen ist alles geplant und inszeniert.

Gab es jemals eine Situation in der Sie dachten „Den Gag hätte ich besser mal nicht gemacht“?

Die Trefferquote ist zwar recht hoch geworden, aber es gibt trotzdem immer wieder Gags, die komplett in die Hose gehen. Bisher gab es aber vielleicht nur 2-3 Pointen für die ich mich im Nachhinein wirklich geschämt habe…die werde ich aber hier bestimmt nicht erzählen!

War vielleicht schon mal jemand nach einem Auftritt richtig böse auf Sie oder kann man diesen süßen „Puppen“ einfach nicht böse sein?

Das ist ein Phänomen, das mich selbst verblüfft. Mit den Puppen kann ich den Leuten manchmal Dinge an den Kopf werfen, die ich mich als Martin niemals trauen würde zu sagen. Einer Puppe nimmt man nichts übel, sie hat Narrenfreiheit.

2010 in der Oliver Pocher Show spielten sie 2 „etwas“ gemeine Puppen, ich persönlich tat mich etwas schwer, da man Puppen eigentlich nur aus der Sesamstraße und der Muppet Show kennt. Ist das ein Problem für Sie, wenn Sie versuchen diese in ein Erwachsenenprogramm zu integrieren?

Das ist ja nun nichts Neues. „Zimmer frei“ ist ja ebenfalls ein „Erwachsenenprogramm“ und da funktioniert es ja auch wunderbar. Das einzig Schwierige ist es, das Puppen immer noch mit Vorurteilen belastet sind. Genau wie bei Zeichentrickfilmen bekommen die gerne als Erstes mal den Stempel „Kinderkram“ aufgedrückt. Was viele nicht wissen, die „Muppet Show“ war ein Erwachsenenprogramm, das nur in Deutschland im Kinderfernsehen ausgestrahlt wurde. Mittlerweile werden Puppen für Erwachsene hierzulande aber immer „salonfähiger“, Kollegen wie René Marik oder Sascha Grammel leisten dazu erfreulicherweise ja auch einen großen Beitrag.

Spielen Sie lieber für Erwachsene oder für Kinder?

Ich mache da ehrlich gesagt keine großen Unterschiede. Ich versuche auch die Produktionen, die ich für Kinder entwickle so zu gestalten, dass auch die Erwachsenen ihren Spass daran haben.

Welche Ihrer Figuren ist beim Publikum am beliebtesten?

Momentan ist eine der beliebtesten Figuren das alte Zirkuspferd Horst-Pferdinand. Aber auch der Pitbull Purzel und der betrunkene Hai haben eine große Fangemeinde.

Martin Reinl mit Wiwaldi (c) bigSmile

Martin Reinl mit Wiwaldi (c) bigSmile

Wieviel Martin Reinl steckt in Ihren Figuren?

Eine ganze Hand voll!

Gibt es etwas das Sie an dieser Stelle den Lesern/Fans sagen möchten?

Habt Humor, blickt immer positiv nach vorn, seid neugierig, aufgeschlossen & freundlich, putzt Euch täglich die Zähne & guckt Euch lustige Puppen im Fernsehen an!

2011 hat gerade begonnen, wie sehen Ihre Pläne für dieses kommende Jahr aus? Bleibt Zimmer Frei! ein fester Ort an dem wir Sie sehen dürfen?

Ja, auch 2011 werden Wiwaldi und seine Freunde regelmässig bei Zimmer frei zu sehen sein. Außerdem stehen eine ganze Reihe neuer Shows und Produktionen fürs Fernsehen und die Bühne an. Mehr dazu auf www.bigSmile.de.

Nun aber auch schon zu meiner letzten Frage, diese stelle ich jedem und bin auf die Antwort immer sehr gespannt, in ihrem Fall ändere ich diese etwas ab, normalerweise würde ich fragen mit wem Sie nicht in die Sauna sitzen wollten, fände die Frage aber passender mit welcher Ihrer Figuren, wenn sie denn leben würden, Sie nicht in der Sauna sitzen wollten?

Mit dem Jammerlappen…der würde sich die ganze Zeit nur über die Hitze beschweren!

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de