Holger Kreymeier “Heute sind pro Folge gut 100.000 Menschen dabei”

Holger Kreymeier ist Initiator, Gründer und Moderator der regelmäßig erscheinenden Sendung Fernsehkritik.tv. Er kritisiert dabei diverse Sendungen, deckt Abgründe auf und durchleuchtet u.a. Betrügereien in Quiz-Sendungen.

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Sobald eine Folge fertig ist, denke ich über die nächste nach. Also kann man so etwa 14 Tage sagen. Ich sichte, mach mir Notizen – und dann entscheide ich, welches Material etwas für einen Beitrag hergibt und was lieber in der Sparte “Kurz kommentiert” verwurstet werden sollte. Dann texte und schneide ich die Beiträge, schreib mir meine Moderationen, nehme die Moderationen auf und schneide das alles zu einer Folge zusammen.

Holger, wann und wie können wir uns den Punkt vorstellen, an dem Sie den Entschluss gefasst haben das Format Fernsehkritik.tv zu produzieren?

Das war im Frühjahr 2007. Ich hatte die Seite bereits seit mehr als drei Jahren mit Texten versehen und dachte mir: Eigentlich ist es doch besser, den Zuschauern auch zu zeigen was im Fernsehen falsch läuft und skurril ist. Zudem gab es durch ein Urteil des Bundesgerichtshofs für mich auch eine legale Grundlage, dies bei Einhaltung des Urheberrechts machen zu können.

http://www.fernsehkritik.tv/

Was hat sich in bezug auf die Produktion der Sendung von 2007 bis heute verändert?

Ich habe das Equipment verbessert, ich habe sicherlich auch an mir gearbeitet. Und vor allem: Damals fand das Magazin unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, heute sind pro Folge gut 100.000 Menschen dabei. Auch die Themen haben sich verändert. Zu Beginn musste ich erstmal grundsätzlich einiges erklären, zum Beispiel dass 9Live die Leute abzockt. Das weiß heutzutage natürlich jeder.

Wie viel TV schauen Sie eigentlich in einer Durchschnittswoche?

Zum eigenen Vergnügen sehr wenig. Meistens schaue ich aus Recherchegründen.

Gab es Momente, an denen Sie daran gedacht haben das Projekt zu beenden? Ich stelle mir das sehr schwierig vor, Tag für Tag Programme zu sehen, die man eigentlich überhaupt nicht mag.

Eigentlich nicht. Mit Zunahme der Zuschauer und durch überwiegend positive Reaktionen fühlte ich mich immer motiviert.

http://www.fernsehkritik.tv/

Was sehen Sie gerne im TV bzw. was halten Sie für wertvoll?

Nachrichten, gute Reportagen (die aber meist nachts laufen). Gelegentlich mal Unterhaltung wie “Schlag den Raab” oder “Wer wird Millionär?”. Was ich kaum im TV schaue sind Filme und Serien – das besorge ich mir lieber auf DVD oder BluRay.

Nehmen wir an, ein TV-Sender würde an Sie heran treten und Ihnen einen Sendeplatz anbieten, würden Sie das Angebot annehmen oder hätten Sie Bedenken dadurch Ihre Einzigartigkeit zu verlieren?

Das käme auf die konkrete Anfrage an. Aber eigentlich fühle ich mich im Netz wohl, da ich hier ja frei von Sendezeiten und Sendelängen bin.

Gibt es Berichte in einer Ihrer Sendungen, bei denen Sie im nachhinein denken „Das hätt ich mal lieber gelassen“?

Das kam erstaunlicherweise noch nicht vor. Es gab am Abend der Loveparade-Katastrophe einen etwas zu bösen Kommentar von mir bei Twitter. Das hätte nicht sein müssen, das war unglücklich.

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61 Folgen: Wahnsinn, wie lange dauert eigentlich die Produktion von einer Folge und wie sind da die einzelnen Schritte? Also wie läuft das ganz genau ab?

Sobald eine Folge fertig ist, denke ich über die nächste nach. Also kann man so etwa 14 Tage sagen. Ich sichte, mach mir Notizen – und dann entscheide ich, welches Material etwas für einen Beitrag hergibt und was lieber in der Sparte “Kurz kommentiert” verwurstet werden sollte. Dann texte und schneide ich die Beiträge, schreib mir meine Moderationen, nehme die Moderationen auf und schneide das alles zu einer Folge zusammen.

Was war das Schönste, was Sie als Fernsehkritiker bisher erleben durften?

Die Verleihung des Grimme Online Awards. Einen Grimme-Preis kriegt man ja nicht jeden Tag.

Welche Folge, denken Sie, ist Ihnen am besten gelungen?

Das kann ich schwer beantworten. Die Folge 53 mit Studiogast Oliver Kalkofe ist mir natürlich in besonders schöner Erinnerung. Die Folge 52 war von ihren Themen her sehr rund, die gefiel mir auch gut. Aber auch an Folge 3 denke ich gern zurück, wo ich erstmals Call-In-Spiele thematisierte und das Top-10-Ranking bei YouTube zum Hit wurde – was mir viele Zuschauer brachte.

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Sicherlich haben Sie viele Fans und viel Zuspruch für Ihre Arbeit, gibt es auch die Neider?

Ja, sicher gibt es die. Im Forum haben wir davon auch immer wieder welche.

Sie stehen ja in diversen Verhandlungen vor Gericht. Wenn Sie eine Sendung produzieren, wie groß ist da die Angst etwas zu bringen was wieder vor Gericht enden könnte? Gibt es Inhalte, die Sie deswegen nicht zeigen oder wie weit geht in dieser Hinsicht ihre Existenzangst?

Da habe ich keine Existenzangst. Ich bin inzwischen mit sowas erfahren genug um zu wissen, dass man bei solchen Rechtsgeschichten immer erstmal Ruhe bewahren muss. Meistens sind es nur leere Drohungen.

Ein Tag ohne Fernsehen ist … ?

…erfrischend!

Ein weiteres Ihrer Projekte ist Pantoffelkino mit ihrem Freund Mario Perez zusammen. Da vielen Dank dafür, ich liebe dieses Format und schaue mir so gut wie alle Filme an, die Sie da vorstellen, weil es einfach oft Filme sind, die so am Rande passieren, von denen die breite Masse oft nichts mitbekommt.

Bitte sehr.

http://www.fernsehkritik.tv/

Schauen Sie sich die Filme, die sie vorstellen, zusammen an oder jeder für sich?

Nein, jeder für sich. Mario und ich sind beide Nachtmenschen, also guckt jeder bei sich.

Was ist Ihr Lieblings-Film?

Oh je, da gibt es viele. Sehr viele. James-Bond-Filme finde ich toll, Kubricks Filme aber auch ebenso wie die kleinen Meisterwerke von Michael Haneke. Ist breit gefächert.

Bleibt neben der ganzen Arbeit dieser Projekte eigentlich auch Zeit für einen Kinoabend? Oder kann man sich das eher als „schnelles“ Sichten vorstellen?

Natürlich bleibt dafür Zeit. Gerade habe ich mir “Black Swan” angeschaut.

Ein Satz an die Leser dieses „Interviews“?

Danke, dass Sie es bis hierhin geschafft haben.

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Mit Vera Int-Veen. Das wäre in vielerlei Hinsicht eine Zumutung.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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