Petra Nadolny “Hohe Stirn, lange Nase, spitzes Kinn! Und aus dem hohen Norden komm ich auch noch”

Petra Nadolny: Ist 1960 geboren und wohl jedem als Ensemblemitglied der Comedyserie Switch Reloaded bekannt.

Unterstütze diesen Interviewpartner:
Klicke auf den Artikel und besuche die Links

Als ich mich 1985 entschloss, die DDR zu verlassen und einen Ausreiseantrag stellte, bekam ich als Journalistin Berufsverbot. Und wie das so ist, geht die eine Tür zu, öffnet sich eine andere! Und die führte direkt auf die Bühne. Es war aber von Beginn an mehr als ein Hobby.

 

Petra, Sie sind Diplom-Journalistin und arbeiteten 1983 als Redakteurin beim „Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel“. Theater spielten Sie nur nebenbei. War das anfangs nur ein Hobby oder hatten Sie schon immer den Wunsch als Schauspielerin zu arbeiten?

Als ich mich 1985 entschloss, die DDR zu verlassen und einen Ausreiseantrag stellte, bekam ich als Journalistin Berufsverbot. Und wie das so ist, geht die eine Tür zu, öffnet sich eine andere! Und die führte direkt auf die Bühne. Es war aber von Beginn an mehr als ein Hobby. Mit diesem Wort kann ich eh nichts anfangen. Entweder ergreift mich etwas, und dann versuche ich das voll und ganz oder gar nicht. Ich gründete noch in dem Jahr mit einem Freund eine Freie Theatergruppe und zog damit durchs Land. Also nichts mit „nebenher“, sondern ein neuer Job!

War es in der ehemaligen DDR schwerer als Schauspielerin am Theater arbeiten zu können als in der BRD?

Eine freie Theatergruppe war in den achtziger Jahren eigentlich etwas, was es dort offiziell nicht gab. Es war ohnehin ein Wunder, dass man uns machen ließ, wo doch alles und jedes beschattet wurde. Wir hatten über hundert Aufführungen im Jahr! In dieser Beziehung war es im Westen am Anfang schwerer, weil es einfach so viele Gruppen gab und uns keiner kannte.

Bis 1997 haben Sie dann Theater gespielt. Was hat Sie schließlich dazu bewogen ins Fernsehen zu gehen, und wie sind Sie im speziellen bei „Switch“ gelandet?

Also das Theater habe ich nie aufgegeben und hab auch nicht vor, das zu tun! Ich liebe den direkten Kontakt zum Publikum, dieses Feuer, dass man da entfachen kann! Für mich ist das die Basis und eine ständige Schule. Ich toure jedes Jahr mit einem neuen Stück oder bin als Gastschauspielerin an einem festen Haus für eine gewisse Spielzeit beschäftigt. Dem Theater habe ich auch die Fernsehserie „Switch“ zu verdanken. Wir spielten als Duo „EWG Böttcher“ im Kölner AtelierTheater unser Stück „Allemallachen“, das fanden die Produzenten lustig und haben mich zum Casting eingeladen. Zwei Monate später habe ich den Pilot „Switch“ gedreht.

War es eine gute Entscheidung zum Fernsehen zu gehen?

Ja, eine absolute Bereicherung und Herausforderung. Vor der Kamera liegt der Focus ja nochmal anders. Da geht es nicht um die große Geste, die bis zur dreißigsten Zuschauerreihe reichen muss, sondern um die Arbeit am Detail.

©Uli Grohs

©Uli Grohs

Ab 2002 spielten sie in „Die Camper“, ab 2006 in „Alles außer Sex“. Welches ist bzw. war Ihr Lieblings-Projekt?

Jedes Projekt hat ja so seinen Reiz und in den gerade angesprochenen hatte ich schöne, kleine Rollen zu spielen. Aber mein Lieblingsprojekt ist immer noch „Switch Reloaded“. Vielleicht weil es auch mein erstes Fernsehding war. Mit den Freunden und Kollegen zusammenzuarbeiten, ist aber auch ein Fest!

Gibt es etwas, dass Sie gedreht haben, was Sie nicht nochmal machen würden?

Spielshows! Da muss man wirklich Bock drauf haben, sonst sitzt man da wie Plebs.

Was war eigentlich das peinlichste, was Ihnen an einem Set passiert ist?

Beim Quatsch-Comedy-Club ist mir der Sender kurz vor dem Auftritt ins Klo gefallen, und als ich dann auf der Bühne stand, machte das Mikro keinen Piep mehr. Und das als Parodie von Dolly Buster!! Wo es doch so viele „Pieps“ hätte geben müssen! Ich hab ` dem Publikum alles gebeichtet.

©Uli Grohs

©Uli Grohs

Seit 2006 sind Sie also wieder ein festes Ensemblemitglied bei „Switch Reloaded“. Bettina Lamprecht  sagte in einem Interview mit mir, dass sie nicht mitwirken würde, weil es für sie ein Schritt zurück gewesen wäre. Hatten Sie diesbezüglich keine Bedenken?

Überhaupt nicht. Für mich passte das Projekt genau in meine Zeit. Ich habe mich gefreut, dass sich ProSieben wieder dazu entschlossen hat. Das ist so ein tolles Format, das Fernsehen bietet unersättliche Vorlagen! Wir haben jetzt fünf Staffeln gedreht, viele Auszeichnungen bekommen und die Lust, bekannte Fernsehnasen zu parodieren, ist mir bis jetzt nicht vergangen.

Sie parodieren unter anderem Ursula von der Leyen oder Nina Hagen. Wie schwer ist es, jemanden zu parodieren und wieviel Zeit verbringt man damit, eine Parodie zu lernen?

Das ist unterschiedlich und hängt davon ab, wie sehr mir diese Figur liegt. Grundsätzlich gucke ich sie mir oft und in möglichst unterschiedlichen Fernsehformaten an, studiere das Besondere in Bewegungen, in der Stimme und suche nach Macken, die ich übertreiben kann, um sie igendwann mal zu „haben“. Ursula von der Leyen und Elke Heidenreich gingen relativ schnell, also so vier, fünf Tage. Nina Hagen ist schwieriger, weil sie ohnehin so crazy ist. Da musste ich stimmlich noch einen drauflegen.

Wenn jemand Sie parodieren würde, wie würde das aussehen?

Na, ich würde wohl der weibliche Otto werden! Hohe Stirn, lange Nase, spitzes Kinn! Und aus dem hohen Norden komm ich auch noch. Dann mal los!

2010 waren Sie in Rock it! im Kino zu sehn. Was sagt Ihnen mehr zu: Kino, Fernsehen oder Theater?

Alles drei. Ich mag die Abwechslung.

Möchten Sie dieses Interview nutzen, um Ihren Fans etwas Bestimmtes mitzuteilen?

Schaut weiter mit uns kritisch fern!

Mit wem würden Sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Hm, das klingt jetzt vielleicht doof, aber mir fällt keiner ein! Wenn ich jemanden nicht leiden kann, hab ich mit Sauna keine Probleme (den schwitz ich raus) und bei Menschen, die ich unendlich toll finde, sehe ich ja dann, dass die auch nur aus Fleisch und Knochen sind! Ich sag mal, Hauptsache, nicht übereinander, und bitte duschen!

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de