Christian Schiester „Ich laufe 11.000 Kilometer im Jahr“

Christian Schiester: Mit großen Plänen war Christian Schiester Mitte Jänner nach Costa Rica aufgebrochen. Monatelanges Training und eine gute körperliche Verfassung ließen ihn auf einen Spitzenplatz hoffen. Doch der Traum vom Podest platzte bereits am zweiten Tag, als sich der Steirer bei einer Flußdurchquerung am Knie verletzte. 

 

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Trotz starker Schmerzen an der Patellasehne kämpfte er sich insgesamt sechs Tage durch die exotische, aber auch gefährliche Natur Costa Ricas und erreichte nach 225 Kilometern als Achter das Ziel.

Schiester Dubai 6 (c) Jürgen Skarwan Red Bull Photofiles

Schiester Dubai 6 (c) Jürgen Skarwan Red Bull Photofiles

Christian Schiester: 1989 haben Sie ca. 100 Kg gewogen haben und 60 Zigaretten am Tag rauchten. Ich bin selber auch etwas über gewichtig würde nun aber nicht auf die Idee kommen einen Marathon zu laufen. Wie kam das bei Ihnen zustande? Wieso grade laufen, wieso zb. Nicht einfach ins Fitnessstudio?

Weil Laufen die natürlichste Bewegung des Menschen ist. Schon in der Steinzeit haben wir die Tiere als unsere Beute zu Tode gehetzt. Es ist etwas, was der Mensch einfach kann, wenn er gesund ist.Und außerdem verbrennt der Körper beim Laufen sehr, sehr viel Energie, genau diesen Effekt wollen wir ja, wenn wir Körpergewicht verlieren wollen…

Wie sieht Ihr momentanes Training aus? Laufen sie täglich?

Ich laufe zwischen 25 und 40 Stunden pro Woche. Das heisst, dass ich im Jahr so auf knapp 11.000 Kilometer komme. Dazu noch Bike-Einheiten, schwimmen und Kraft

Gibt es Tage an denen Sie nicht laufen?

Nein, diese Tage gibt es für ihn nicht mehr. Es gehört zu seinem Tagesablauf wie waschen, rasieren und Zähne putzen. Mit jedem Schritt, den er läuft, kommt er nicht nur körperlich sondern vor allem geistig einen Schritt weiter. Jene Gedanken, die beim Laufen entstehen können – nur beim Laufen…

Schiester Dubai 8 (c) Jürgen Skarwan Red Bull Photofiles

Schiester Dubai 8 (c) Jürgen Skarwan Red Bull Photofiles

Was waren die längsten Strecken die Sie gelaufen sind?

100 km durch die Antarktis in einem durch 19:58:14

Wird es einem da nicht irgendwann langweilig beim laufen? An was denkt man da?

Langweilig ? Niemals. Ich nütze die Zeit um sehr intensiv über Dinge nachzudenken, die ich dann, wenn ich nach Hause komme verwirkliche. Alle meine Projekte sind während meiner Trainingseinheiten in meinem Kopf entstanden.

Schiester Dubai 7 (c) Jürgen Skarwan Red Bull Photofiles

Schiester Dubai 7 (c) Jürgen Skarwan Red Bull Photofiles

Was war die schönste Strecke die sie bisher gelaufen sind und was war die schwierigste Strecke?

Die schönste Strecke: Entlang der Murauen in Bad Radkersburg und dann ein Sprung ins warme Thermalwasser.

Die schwierigste Strecke: Jetzt zuletzt über einen sumpfartigen Salzsee durch die Atacama Wüste in Chile

Wie kann man am besten für Wüstenläufe trainieren? Momentan ist das Wetter in Deutschland sowie in Österreich über Ostern ja sehr schön gewesen aber an die teilweise unwirklichen Temperaturen in einer Wüste wird es ja niemals ran kommen.

Ich trainiere die Hitze in der Sauna – entweder am Laufband oder am KTM-Bike. Bei 60 Grad in der Sauna die Belastung, dann denke ich mir in der Wüste bei 45 Grad, dass es ja gar nicht so wirklich heiss ist – im Vergleich zur Sauna…mein mentaler Trick sozusagen

Sind die Preisgelder bei solchen Rennen hoch oder wie kann man sich immer wieder aufs neue Motivieren so lange Strecken zu laufen und damit seinen Körper zu strapazieren?

Preisgelder sind zwar dort und da zu holen, aber für mich uninteressant. Meist stelle ich diese für Charity-Aktionen dort im entsprechenden Land zu Verfügung. Hab einen anderen Bezug zu Geld, weil mir ein Rucksack voller Banknoten weder im Dschungel noch am Himalaya noch in der Wüste was geholfen hätte.

Was Essen und Trinken sie während Ihren läufen?

Ganz speziellen Vollwertbrei wie Braunhirse, Erdmandeln, Datteln usw. Infos auf www.urkornhof.at und natürlich Red Bull

Schiester Dubai 1 (c) Jürgen Skarwan Red Bull Photofiles

Schiester Dubai 1 (c) Jürgen Skarwan Red Bull Photofiles

Sie haben ein Buch geschrieben „Lauf ins Leben“ wie kam es zu der Idee ein Buch zu schreiben?

Es ist kein klassisches Laufbuch, wie es viele bereits am Markt gibt. Ich denke, dass dieses Buch aufzeigt, wozu der Mensch fähig ist, wenn er wirklich will Mein Leben ist von Kindheit an darin beschrieben und spiegelt meine Vergangenheit wider, die nicht immer so einfach zu meistern für mich war. Vielleicht habe ich dabei gelernt so zu kämpfen, wie ich es bei meinen Rennen nun im Stande bin zu tun…

Wenn ich richtig Informiert bin sind sie 42 Jahre alt, wie lange denken sie können sie noch laufen? Haben sie irgendwann schon mal daran gedacht aufzuhören?

Ich habe noch einiges zu tun auf dieser Welt. Ob nun mit meinen Beinen oder mit den Händen. Niemals aber werde ich aufhören an mir zu arbeiten – bis zu meinem letzten Atemzug. Einige weitere Projekte sind in meinem Kopf bereits wieder im Entstehen…

Haben Sie noch etwas was sie Ihren Fans unbedingt sagen möchten?

Es ist niemals zu spät das zu werden, was man hätte sein können. Also los LAUF INS LEBEN !!!

Was ist für 2011 und darüber hinaus geplant?

Er hat immer irgendwelche Visionen, die während seiner intensiven Laufeinheiten im Kopf entstehen. Ziele nach denen er strebt wird er immer haben – bis zum letzten Atemzug. Im April 2011 wird die Premiere der Film-Dokumentation “Sich die Welt erlaufen…” sein. Genau dann wird er seine neuen sportlichen Ziele bekanntgeben. Er bietet auch Abenteuer-Urlaube der besonderen Art an. Info unter: www.eltorosailing.com

Neben wem würden sie nicht in der Sauna sitzen wollen?

Respekt – diese Frage ist mir noch niemals gestellt worden, obwohl ich viele Fragen schon beantwortet hab in meinem Leben Ich bin mit sehr, sehr vielen verschiedenen Menschen in der Sauna in Bad Radkersburg, während ich trainiere sitzen die Leute da und schauen mir zu beim Training. Manche glauben, dass Sie es länger bei 60 Grad aushalten im Sitzen, als ich auf dem Laufband. Bisher bin ich ungeschlagen… Es gibt da einige „gedopte Sportler und deren Manager“ die vor kurzer Zeit „erwischt“ wurden. Mit diesen Leuten möchte ich nichts zu tun haben und deshalb auch nicht mit ihnen in einer Sauna sitzen.

© Daniel Pietrzik | nachgebloggt.de

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